Halle (Saale) -

"Gestalter im Handwerk" Wenn der Meister kreativ wird

Nach zwei Jahren Weiterbildung am Kompetenzzentrum "Gestalter im Handwerk" (KGH) haben kürzlich sieben kreative Handwerker ihre Abschlussarbeiten ausgestellt. In feierlicher Runde haben sie zudem ihre Zeugnisse bekommen.

Ob Farbenlehre, Naturstudium, Gestaltungslehre, plastisches und skulpturales Gestalten, Materialkunde, rechnerunterstütztes Konstruieren mit CAD – das alles bot der Kurs, der das zweite Mal vom "Künstlerhaus 188" in Kooperation mit der Handwerkskammer in Halle durchgeführt wurde.

Die ausgestellten Abschlussarbeiten sind so unterschiedlich wie ihre Gestalter. Da gibt es die "Urnengemeinschaftsanlage" von Steinmetzmeister Uwe Schön mit unterschiedlichen Lindenblättern aus Stein als Grabzeichen, das "Schmuckstück Sachsen-Anhalt" von Goldschmiedemeisterin Kerstin Bieler, die "Interpretation eines wunderschönen Regentages" in Fotografie und gestrickt von Sabine Brauns, den "Koffer – poetisches Möbelstück oder praktischer Ausstellungsgegenstand" von Möbeltischler Sven Ahlhelm, den "Fidibus" von Andy Kotsch, das "Wa(a)gnis Geometrie oder die fünf platonischen Körper" von Steinmetzmeisterin Ina Michalski und das "Seestück" von Steinmetzmeisterin Anne Schulz.

Die Abschlussarbeiten sind in den vergangenen drei Monaten entstanden. Bis zu 500 Stunden waren die Absolventen damit beschäftigt. Einige zweifelten in dieser Zeit, ob ihre Idee auch so umgesetzt werden könnte, wie sie es sich vorstellten. Aber alle haben es geschafft, mit "einer Fülle von Leidenschaft und Engagement", so KGH-Projektleiterin Anne Holderied. "Der Kurs hat die Vermittlung von Gestaltungskompetenz als ureigenstem Bestandteil des Handwerks möglich gemacht", so Holderied.

Wolfgang Beck, Abteilungsleiter im Ministerium für Arbeit und Soziales von Sachsen-Anhalt, sieht die "Intension der Fortbildung, Lebensperspektiven zu erweitern" als erfüllt an. Er bedankte sich bei der Handwerkskammer als "dauerndem Sparringspartner" im Projekt. "Wir hoffen, durch die berufliche Weiterbildung auch wirtschaftliche Ziele zu erreichen", sagte er und nannte die bessere Vermarktung neuer, einzigartiger Produkte.

Glückwünsche überbrachte auch der Präsident der Handwerkskammer, Thomas Keindorf. Er verwies auf die Wertigkeit des Gestalters als noch über dem Meister stehende Fortbildung, Stichwort "Meister-Plus".

"Handwerk gehört nicht ins Museum!", forderte Dr. Kristina Bake, Kunsthistorikerin und Dozentin des Kurses. Und Lutz Gärlich, Glasermeister, Kunsthandwerker und Mitglied des Fachprüfungsausschusses, riet den Absolventen, immer weiter zu lernen, aber auch selbst auszubilden.

Wenn Sie sich für den Kurs "Gestalter im Handwerk" interessieren, wenden Sie sich bitte an Marina Hofmann, Tel. 0345/2311713.

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