Chemnitz -

Betriebsübergabe Wenn der Ex-Chef auf dem Betriebsgelände wohnt

Ein Zwickauer Tischlermeister übergibt seinen Betrieb an einen ehemaligen Lehrling. Mit Erfolg.

Wolfgang Sonntag lebt sein Handwerk mit Leib und Seele. Der Tischlermeister startete 1990 mit einer Bautischlerei und entwickelte sich über die Jahre zum Allrounder. Er baute seine Leistungen aus – mittlerweile umfassen sie sowohl den Einbau von Bauelementen, die Herstellung von Massivholzprodukten und verschiedenen Plattenwerkstoffen als auch Reparaturarbeiten. Egal ob Möbel für Küche, Wohnbereich oder Bad – der Unternehmer legt stets Wert auf höchste Qualität. Zufriedenheit und Zuspruch seiner Kunden bestätigen, dass er mit seinem Betrieb den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Diesen Weg setzt nun Matthias Schädlich fort. Von seinem Chef Wolfgang Sonntag hat er viel gelernt. Im Jahr 2002 begann Schädlich seine Lehre in der Tischlerei und fand Freude am Beruf. 2008 qualifizierte er sich zum Tischlermeister. Seitdem galt er als die rechte Hand des Inhabers. Planungen und Umsetzung von Innen- und Dachausbau, die Herstellung moderner Möbel und vieles mehr sind für den ruhigen und klugen Jungmeister kein Problem.

Dass der 34-Jährige die Tischlerei seines Chefs eines Tages fortführen würde, war zwischen den beiden Männern immer Thema. Allerdings konnte sich Wolfang Sonntag lange Zeit nicht zur endgültigen Übergabe durchringen. Ein Lebenswerk von über 25 Jahren aus der Hand zu geben, kostet Überwindung. Anfang 2017 dann übernahm Matthias Schädlich den Betrieb inklusive einem Lehrling – und mit einem neuen Namen: faber noxius. Eine Bankfinanzierung brauchte Schädlich nicht, denn den Kaufpreis für den Betrieb zahlt er in Raten an Wolfgang Sonntag. Die Betriebsräume vermietet der bisherige Chef an den Nachfolger.

Rückblickend sagt Matthias Schädlich, dass die Betriebsübernahme der richtige Weg war. Die Tischlerei ist in der Region bekannt und ein gefragter Ansprechpartner für private und gewerbliche Stammkunden. Zudem sind dem neuen Chef aus seiner bisherigen Verantwortung im Unternehmen die betrieblichen Abläufe, der Umgang mit Mitarbeitern und Kunden bekannt. Der besondere Umstand, dass Wolfgang Sonntag weiterhin auf dem Betriebsgrundstück wohnt, war bislang nicht hinderlich.

Ein Jahr ist seit der Übernahme vergangen. Seitdem hat sich einiges geändert. Das Unternehmen ist gewachsen: Aktuell beschäftigt Schädlich einen Gesellen, zwei Lehrlinge und eine Aushilfskraft. Die Betriebsauslastung ist dank der anhaltend guten Konjunktur gut, das Baugeschehen in der unmittelbaren Umgebung sorgt für Aufträge. Zudem hat Schädlich für seinen Betrieb eine längst überfällige Internetseite aufgesetzt. Der Leser erfährt hier auch, was Logo und Firmenname bedeuten. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt „faber noxius“ nichts anderes als „Handwerker schädlich“.

Für den Nachfolger gibt es auch weiterhin viel zu tun. Seine nächste Herausforderung lautet, den Investitionsstau im Betrieb Schritt für Schritt abzubauen, um am Markt mithalten zu können. Denn eine Sache soll vom alten Betrieb unbedingt bleiben: der Anspruch, mit guter, qualitativ hochwertiger Arbeit und Zuverlässigkeit die Kunden auch weiterhin mit dem Tischlerhandwerk zu begeistern.faber-noxius.de

Informationen zu den Leistungen der Handwerkskammer rund um das Thema Unternehmensnachfolge gibt Ihnen Silke Loos, Tel. 0371/5364-207, E-Mail: s.loos@hwk-chemnitz.de

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten