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Drogenmissbrauch bei Lehrlingen Wenn der Azubi Drogen nimmt: Wie sich Ausbilder verhalten sollten

Alkohol, Zigaretten, Marihuana: Auszubildende greifen laut einer Studie häufiger zu Drogen als Jugendliche, die keine Ausbildung machen. Wie Ausbilder Anzeichen für Drogenmissbrauch bei Lehrlingen erkennen und handeln sollten.

Auszubildende greifen häufiger zu Alkohol, Zigaretten und Marihuana als der Durchschnitt ihrer Altersgruppe. Das ist das Ergebnis einer Studie des Institutes für Therapie- und Gesundheitsforschung. Demnach rauchen mehr als 40 Prozent der Auszubildenden täglich – und damit fast doppelt so viele wie im Mittel der 18 bis 25-Jährigen.

Jeder zweite von ihnen trinkt mindestens zwei Mal pro Woche mehr als zwei alkoholische Getränke oder zeigt Auffälligkeiten im Umgang mit Alkohol. 45 Prozent der Azubis weisen einen riskanten Alkoholkonsum auf. Vor allem männliche Jugendliche greifen häufiger zum Alkohol - Frauen eher zu Medikamenten.

Ein kleineres Problem ist unter Auszubildenden anscheinend das Kiffen. Doch auch hier liegt der Anteil bei Auszubildenden etwas höher als unter Alterskollegen. Sieben Prozent der Lehrlinge kiffen hin und wieder - 5 Prozent sind es durchschnittlich in der Altersgruppe.

Drogenmissbrauch bei Azubis erkennen

Drogenmissbrauch lässt sich unter anderem am Verhalten der Jugendlichen erkennen. Leistungsabfall, Unzuverlässigkeit, regelmäßiges Zuspätkommen können Zeichen dafür sein, dass der Azubi Drogen nimmt. Drogenmissbrauch kann zumindest kurzfristig jedoch auch gegenteilige Verhaltensweisen hervorrufen und die Aktivität des Jugendlichen steigern – typische Zeichen sind, Nervosität und "Aufgekratztsein".

Körperlich ruft Drogenkonsum häufig kalten Schweiß und Händezittern hervor. Aber auch geweitete oder verkleinerte Pupillen sowie eine geringe Belastbarkeit können Symptome sein.

Viele Drogen wie Kokain erhöhen zudem die Risikobereitschaft. Zugleich sinkt vor allem bei langfristigem Drogenkonsum die Konzentrationsfähigkeit. Wenn etwa eigentlich gute Auszubildende ohne erkennbaren Grund plötzlich schlechte Noten in der Berufsschule bekommen, kann das ein Warnhinweis sein. Fehlt der Azubi häufig nur einen Tag – meist Montags – sollten Betriebsinhaber aufmerksam werden.

Was können Ausbilder tun?

Wichtig ist ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Ausbilder und Jugendlichen. Vorgesetzte sollten sich nicht scheuen, das Thema anzusprechen – sich mit Vorwürfen aber zurückhalten. In Folgegesprächen – gerade bei Minderjährigen – müssen die Eltern miteinbezogen werden. Auch Gespräche zwischen Lehrling und ehemaligen Betroffenen sollten Chefs in Erwägung ziehen. Deren negative Erfahrungen hinterlassen häufig mehr Eindruck als theoretische Erzählungen von Lehrern oder der Familie.

Ausbilder sollten nicht tolerant sein, wenn sie den Verdacht haben, dass ein Azubi Drogen nimmt. Das schadet nicht nur dem Betriebsklima, es schadet langfristig auch dem Jugendlichen. Stattdessen sollten Inhaber oder Ausbilder den Jugendlichen im vertraulichen Gespräch über Hilfsangebote informieren.

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Drogen nicht an sich nehmen

Haben Vorgesetzte den Verdacht, dass ihr Auszubildender akut unter Drogen steht, sollten sie ihn aus dem Verkehr ziehen – und ihm notfalls eine Begleitperson zur Seite stellen. Denn passiert ein Unfall, haftet das Ausbildungspersonal wegen der   Verletzung der Fürsorgepflicht. Finden Ausbilder Drogen beim Azubi, dürfen sie sie auf keinen Fall an sich nehmen. Damit machen sie sich selbst strafbar.

Hat ein Jugendlicher bestätigt, dass er Drogen nimmt, sollten Betriebsinhaber vertraglich festlegen, wie sie weiter vorgehen. Denkbar ist es beispielsweise Hilfsangebote, Drogenkontrollen oder Verpflichtungen des Betroffenen festzuhalten. Zieht der Vorgesetzte externe Therapeuten hinzu, sollten sie bei der Vereinbarung einbezogen werden.

Grundsätzlich gilt: Symptome können, müssen aber nicht auf Drogenkonsum hinweisen. Vorbeugen können Ausbilder solchen Problemen nur sehr begrenzt, denn es ist vor allem das soziale Umfeld, das Jugendliche an Drogen heranführt. dhz

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