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Fleischskandale und die Folgen Wenn Behörden den Laden schließen: Was es kostet, sich zu versichern

Der aktuelle Wilke-Fleischskandal zeigt, wie schnell die Behörden einen Betrieb schließen können. Auch Handwerksbetriebe, die zum Beispiel arglos belastete Lebensmittel kaufen, können betroffen sein. Dadurch wird nicht nur der Ruf geschädigt, auch die Einnahmen bleiben aus. Eine spezielle Versicherung kann helfen.

Als Folge des Wilke-Skandals mussten die Abnehmer dieses Herstellers von Fleisch- und Wurstwaren ihre Küchen und Verkaufsstellen schließen. Hiervon betroffen waren unter anderem Kantinen in hamburgischen Großküchen oder die bei den Kunden beliebten Restaurants der IKEA-Möbelhäuser. Was kann ein Metzgermeister tun, der arglos bei einem Schlachtbetrieb belastetes Fleisch eingekauft, und dessen Betrieb anschließend samt seiner Metzgereifilialen von den Behörden geschlossen wird? Er kann seine Kosten und entgangenen Gewinne infolge der amtlichen Schließung der Betriebe günstig versichern.

Wenn alle gelernte und über Jahrzehnte hinweg geleistete Sorgfalt des Fleischermeisters bei der Hygiene in seinem Betrieb vergebens war, dann ist guter Rat teuer. Ist das an ihn gelieferte Fleisch etwa wie im Falle des nordhessischen Unternehmens Wilke mit gefährlichen Listerien belastet, dann ist es für den Meister als argloser Abnehmer eines von den Behörden gebannten Lieferanten längst zu spät.

Ruhende Betriebe – und eine Frage der Ehre

Man denke neben den gesundheitlichen Gefahren für Konsumenten und die Kosten für die Betreiber der geschlossenen Restaurants nicht nur an Großunternehmen wie IKEA oder Kantinen in hamburgischen Kitas und Kliniken. Doch es gibt auch den kleineren (aber nicht kleinen) Fall, den Handwerker, den Fleischermeister. Etwa wenn dessen Waren beschlagnahmt und der Fleischereibetrieb von den Behörden geschlossen wird. Und die eigenen zwei oder drei Läden des Meisters gleich mit.

Ruht der Betrieb einschließlich seiner Filialen, dann geht es für die Kunden des Metzgermeisters um den Schutz von deren Gesundheit, selbstverständlich. Und für den Betrieb des Handwerksmeisters geht um den Schutz seines oft über Handwerksgenerationen hinweg erworbenen guten Rufs. Für ihn ist Hygiene eine Frage der Handwerksehre. Im Weiteren kann, vorsichtig ausgedrückt, das wirtschaftliche Überleben des Betriebs gefährdet sein. An den Läden finden die Kunden dann oft ein Schild: "Vorübergehend geschlossen". Was die Kunden des Fleischers, die vor verschlossenen Türen stehen, nicht wissen: die Kosten des Meisterbetriebs laufen weiter.

Fixkosten, Schadenkosten und der Gewinn

Jeder Meister, der schließlich oft auch Unternehmer ist, weiß das: Ein ruhender Betrieb kostet das Unternehmen weiterhin viel Geld. Variable Kosten wie der Wareneinkauf sinken bei Stillstand der Produktion zwar bis auf null. Aber die Fixkosten des hier in einem Beispiel betrachteten Musterunterbetriebs mit einer Fleischerei und zehn Verkaufsläden bleiben. Mieten, Löhne und Abgaben des Unternehmens laufen weiter. Von jungen Meistern, deren Betrieb gerade im Aufbau ist, wird die finanzierende Bank weiter ihre Kreditraten abbuchen. Wenn sie kann, wenn der Meister das bezahlen kann. Und wenn der Betrieb still steht?

Zu den fixen Kosten addiert der Kaufmann den Aufwand für den Schaden, der entsteht, wenn der Betrieb ruht. Seine Produktionsräume und die Läden müssen entseucht und desinfiziert werden. Teuer eingekaufte und verarbeitete Waren werden von den Behörden beschlagnahmt. Diese müssen fachgerecht entsorgt und vernichtet werden.

Seien Sie versichert

Der Handwerksmeister verdient sein Geld natürlich nicht mit laufenden oder Kosten für Schäden durch den ruhenden Betrieb, sondern aus seinem Betriebsgewinn. Deswegen sollten sich Handwerksbetriebe für solch einen Fall versichern. Ein Versicherer, sofern vorhanden, bezahlt im Falle des Falles neben den eigentlichen Kosten des Schadens, die ein ruhender Betrieb verursacht, zusätzlich die entgangenen Gewinne des Betriebs. Das Einkommen des Fleischermeisters.

Dieser wirtschaftliche Schutzschirm hat einen Namen: die Betriebsschließungsversicherung. Wurde ein Fleischereibetrieb vom Amts wegen geschlossen und ist er entsprechend versichert, dann erhält der Metzgermeister aus der Police diese Gelder:
  • unvermeidbare Fixkosten des Betriebs
  • entgangene Gewinne (Umsatz minus Kosten vor Eintritt der Schließung der Betriebe)
  • Schadenkosten (etwa für Entseuchung, Desinfizierung, Entsorgung und Kostenersatz der Waren)
Dabei gelten die kaufmännischen Zahlen vor Eintritt des Schadens. Das ist gut für den betroffenen Handwerker. Der Versicherer stellt ihn als Unternehmer so, als wäre der Betrieb nicht geschlossen worden.

Kostenbeispiel für die Betriebsschließungsversicherung

Auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung nennt der Münchener Verein als traditionellen Versicherer des Handwerks, folgende Prämien, was eine Police gegen Betriebsschließung wegen behördlicher Auflagen kostet:

Zunächst ermittelt der Versicherer die Höhe eines Schließungsschaden anhand von Umsatz und Wareneinsatz des Fleischerbetriebs.

1. Entgangener Gewinn

Annahmen:

300.000,00 EUR Jahresumsatz

- 125.000,00 EUR Wareneinsatz (branchenübliche Quote)

= 175.000,00 EUR Differenzsumme
 
Die Differenzsumme​ von 175.000,00 Euro​ wird durch 312 Tage (52 Wochen zu je 6 Öffnungstagen) dividiert. Dies ergibt eine Tagesentschädigung von 561 Euro. Dieser Betrag entspricht dem entgangenen Gewinn plus Kosten pro Arbeitstag.

2. Warenschaden

Hinzu kommt der Warenschaden. Lagern in dem Metzgereibetrieb Fleisch- und Wurstwaren von (angenommen) bis zu 25.000 Euro Warenwert, dann kostet die Versicherung gegen Betriebsschließung je Filiale pro Jahr 115 Euro plus Versicherungssteuer.

3. Jahresprämie

Für das oben vorgestellte Beispiel berechnet der Münchener Verein eine Jahresprämie von 115 Euro pro Jahr, plus Versicherungssteuer. Dazu zwei wichtige Hinweise. Erstens: Die genannte Prämie gilt pro Betriebsstätte. Eine Metzgerei mit Fleischproduktion und eine Filiale kosten demnach pro Jahr 2 x 115 Euro netto. Zweiter Hinweis: Der Versicherer bietet diese Schließungspolice immer nur als Zusatzbaustein bei einer Geschäftsinhaltsversicherung an.

Variante:

Bei einem Jahresumsatz von 1,2 Millionen Euro und branchentypisch 400.000 Euro Wareneinsatz, muss entsprechend ein größerer Warenschaden von (hier angenommen) 50.000 Euro versichert werden. Die Prämie je Betriebsstätte steigt dann auf 390 Euro netto.

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