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Zusatzleistungen für Azubis Wenn Azubis zu Models werden

Ein Smartphone, ein Auto oder ein eigenes Fotoshooting: Um Azubis zu locken, lassen sich Arbeitgeber immer mehr Extras einfallen.

"Wir müssen unkonventionelle Wege gehen, um heute den besten Nachwuchs zu finden“, schreibt der Zentralverband Sanitär Heizung Klima in einer Pressemeldung. Viele Handwerksbetriebe folgen schon seit Jahren diesem Motto und gestalten ihre Lehrstellen besonders attraktiv.

Die Angebote gehen mittlerweile weit über die betriebliche Altersvorsorge hinaus. Manche Chefs zahlen den Mitgliedsbeitrag für das örtliche Fitness-Studio oder prämieren den "Azubi des Jahres“. Bei anderen werden die Azubis sogar zu Models.

Solche Handwerksbetriebe finden sich überall in Deutschland und quer durch alle Branchen. Vor allem in ländlichen Regionen Ostdeutschlands sind Zusatzleistungen eine gute Möglichkeit, Lehrlinge auf sich aufmerksam zu machen.

Azubis übernehmen die Filiale

Die Dürrröhrsdorfer Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus der Nähe von Dresden hat sich längst auf die neuen Herausforderungen bei der Azubi-Suche eingestellt und mit ihrem Ausbildungsprogramm bereits einige Preise gewonnen. Alle zwei Jahre eröffnet die "Azubi-Filiale“. Für eine Woche übernehmen die jungen Fleischer und Verkäufer den Betrieb. Der Chef lässt sie machen. Auch auf den Werbeprospekten und den Transportern der Firma stehen die Lehrlinge im Mittelpunkt: Sie machen als Werbe-Models auf den Betrieb als Arbeitgeber aufmerksam.

Stefanie Ehrentraut ist verantwortlich für das Azubi-Marketing und immer auf der Suche nach gutem Nachwuchs. "Es ist nicht einfach, gute Bewerber zu finden. Daher bieten wir viele Extras. Zum Beispiel gibt es regelmäßig einen Knigge-Kurs und in diesem Jahr haben wir die besten Azubis mit einem iPad belohnt.“

1.000 Euro extra auf die Hand

Attraktiv ist auch das Angebot von Bäckermeister Mario Dietrich aus Colditz in Sachsen. Er lässt seine Lehrlinge selbst entscheiden, wie ihr Extra aussehen soll. Nach bestandener Probezeit werden 1.000 Euro ausgezahlt. "Wir haben festgestellt, dass viele Jugendliche keinen Führerschein und kein Auto haben. Das ist natürlich hier auf dem Land ein Problem. Mit dem Geld können sie selber entscheiden, ob sie sich ein Auto anschaffen oder die Mitfahrgelegenheit bezahlen“, sagt Dietrich.

Dass Smartphones und Tankgutscheine, langfristig gesehen, nicht ausreichen, um für guten und motivierten Nachwuchs zu sorgen, weiß Dietrich: "Letztlich muss den Azubis der Job Spaß machen. Nur durch die Zusatzleistung alleine können wir keine Lehrlinge halten.“

Karriere von Beginn an planen

Überbetriebliche Kooperationen können helfen. Ein regionales Ausbildungsprojekt haben Betriebe in Waldeck-Frankenberg in Hessen ins Leben gerufen. Als erste Kreishandwerkerschaft in Hessen wurde hier die Ausbildungsinitiative Top Ausbildungsstelle (TOPAS) gegründet.
TOPAS bietet Lehrlingen zum Beispiel überfachliche Schulungen oder ein Fahrsicherheitstraining.

Die Firma Veltum aus Waldeck-Sachsenhausen hat positive Erfahrungen mit der Initiative gemacht. "Obwohl die Zahl der Bewerber gesunken ist, haben wir mehr Anfragen als andere Handwerksbetriebe“, so Cornelia Jansen und Thomas Relke, Ausbildungbeauftragte bei Veltum. "Wir legen schon bei den ersten Gesprächen den Blick auf die künftige Karriere der Jugendlichen.“ Durch Zusatzseminare, Praktika und Auslandsaufenthalte unterstützen sie die Azubis während der Ausbildung und auch danach.

Azubis werden Models

Die Lehrlinge langfristig zu motivieren und zu binden, das ist auch die Absicht von Joachim Groha. In Schweinfurt führt er mehrere Friseursalons. "Bei uns sind die Jugendlichen von Anfang an mit dabei. In unserem Ausbildungscenter, einem Friseursalon für Azubis, lernen sie eigenständig und verantwortungsvoll zu arbeiten. Dazu gehört Waren bestellen, den Putzdienst einteilen und Kundenmanagement“, sagt Groha.

Ihre Kreativität dürfen die Azubis beim eigenen Fotoshooting unter Beweis stellen. Sie entwerfen eigene Haar-Kollektionen und werden wie professionelle Models in Szene gesetzt. Die Fotos werden nicht nur auf der Homepage, sondern auch in der Fachpresse veröffentlicht.

Mit seinem Ausbildungskonzept hat der Betrieb 2012 das "Ausbildungs-Ass“ in der Kategorie Handwerk gewonnen.

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