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Plattformen im SHK-Handwerk Wenn Amazon kommt...

Welche Folgen hätte es, wenn eine Marktmacht wie Amazon über sein Portal Handwerkerleistungen anbieten würden und wie kann sich das Handwerk davor schützen? Antworten lieferte ein SHK-Kongress in Berlin.

"Amazon könnte das Handwerk übernehmen". Mit dieser zugespitzten These sorgte ein Vortrag von Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts, für großes Interesse bei einem Digitalisierungskongress des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Berlin. Vöpel sieht dabei nicht das handwerkliche Wissen und Können der Betriebe gefährdet. Er beschreibt vielmehr ein Szenario, nachdem große Anbieter wie Amazon über ihre Plattformen in Zukunft Handwerkerleistungen anbieten und vermitteln könnten und die Betriebe in ihre Abhängigkeit bringen.

Um diese Entwicklung zu vermeiden, hält es Vöpel für notwendig, dass das Handwerk seine Kundenzentrierung erhöht, lokale Online-Plattformen bildet, Logistiklösungen und cross-funktionale Services entwickelt und sich nicht zuletzt mit anderen Branchen bei Zukunftsthemen wie Smart Building und Smart Home zusammenschließt.

Plattformen treten zwischen Handwerk und Kunde

Vöpel beobachtet im Zuge der Digitalisierung eine Neuvermessung der Welt, bei der die Geschwindigkeit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Die mobile Echtzeitvernetzung aller Branchen und Lebensbereiche würde tiefgreifende Veränderung der Wirtschaft mitbringen, auf die sich das Handwerk einstellen muss.

Als Beispiel nennt Vöpel die Wandlung von Produkten zu Services, in deren Zentrum immer der Kunde steht. Die Betriebe müssten sich auf den Anspruch nach extremer Flexibilisierung und Individualisierung einstellen. Plattformen – wie etwa Amazon – schieben sich zwischen Produzenten und Verbraucher und führen zu einer Ablösung der alten Geschäftsmodelle. Die Macht über die Daten (Stichwort Big Data) könnte dabei im Wettbewerb künftig wichtiger sein als handwerkliche Erfahrung.

Vöpel sieht in dieser Entwicklung hin zur Datenwirtschaft den größten Strukturwandel seit der industriellen Revolution. Wie weit dieser Wandel schon fortgeschritten ist, belegt der Wissenschaftler mit einem Blick auf die derzeit zehn wertvollsten Unternehmen der Welt. Sieben von ihnen agieren als digitale Plattformen, nur drei von ihnen verfolgen noch ein ­lineares Geschäftsmodell. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren fand sich mit Microsoft nur ein Plattform-Modell unter den wertvollsten Firmen. sg

Die Präsentation von Henning Vöpel sowie weitere Vorträge des Digitalisierungskongresses finden Sie unter zhsk.de zum Download.

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