Chemnitz -

Umweltpreis Weniger Wasser, weniger Strom, weniger Chemie

Umweltschutz und Galvanik – das sind zwei Begriffe, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Das Unternehmen Galvanische Veredelung Zimmermann GmbH (Gazima) aus Grünhain-Beierfeld beweist, dass das nicht so bleiben muss.

Für sein Engagement in Sachen Ressourcen- und Energieeffizienz wurde der Mittelständler im Juni mit dem Umweltpreis der Handwerkskammer Chemnitz ausgezeichnet. Das Unternehmen aus dem Erzgebirge halbierte annähernd seinen Wasserverbrauch von 15.000 Kubikmeter auf heute 8000 Kubikmeter pro Jahr – bei nahezu verdoppelter Produktion. „Die Galvanik-Branche gilt als Umweltgefährder. Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht“, erklärt Jörg Zimmermann, der den Familienbetrieb in vierter Generation gemeinsam mit seinem älteren Bruder Hans führt.

„Die Galvanik ist sehr energie- und materialintensiv. Allerdings sieht man an der Anlage nicht, wie viel reingesteckt wird.“ Also wollten die Brüder sichtbar machen, was bis dato verborgen blieb. Im Rahmen eines Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz beschäftigten sie sich zwei Jahre lang mit der Frage, wie man Oberflächen effizienter beschichten kann. Im Ergebnis unternahm Gazima viele kleine Schritte: angefangen bei Messtechnik, um den tatsächlichen Verbrauch analysieren zu können, über die Optimierung der Prozesssteuerung bis hin zu einer geänderten Taktung der Anlagen.

Außerdem entstand am Unternehmensstandort in Grünhain-Beierfeld ein eigenes Blockheizkraftwerk, es wurde ein Brunnen gebohrt und eine Zisterne für 15.000 Liter Regenwasser aufgestellt. „Für viele Spülprozesse reicht Regenwasser völlig aus. Da müssen wir kein Trinkwasser verschwenden“, erläutert Zimmermann.

Derzeit erneuert der Handwerksbetrieb die Abwasseranlage. Zudem soll ein Ampelsystem her, damit die vierzig Mitarbeiter im Produktionsalltag noch besser vor Augen haben, wie viel Wasser die Anlagen gerade verbrauchen. „Zum Vergleich: Aktuell benötigen wir am Tag bis zu 25 Kubikmeter Wasser. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 100 Kubikmeter.“

Den Umweltpreis der Handwerkskammer Chemnitz in der Kategorie „Schutz natürlicher Ressourcen“ verstehen die Zimmermanns als weiteren Ansporn. Gleichzeitig sei er eine Anerkennung ihrer bisherigen Bemühungen. „Auch für unsere Mitarbeiter, die wir auf diesem Weg immer mitnehmen, ist das ein Zeichen dafür, wie innovativ ihr Unternehmen ist“, sagt der Firmenchef, der längst die nächsten Optimierungsideen verfolgt.

So entsteht derzeit ein Neubau, um die Produktionsfläche von rund 2000 auf 2700 Quadratmeter zu erweitern. Im November sollen Lager und Logistik einziehen, Büroräume und ein neues, größeres Labor folgen im Frühjahr. Außerdem ist ein neues Trocknungssystem inklusive Wärmerückgewinnung in Planung, sagt der 46-Jährige.

Gegründet um 1900 überstand das Unternehmen zwei Weltkriege und die DDR-Zeit, ohne enteignet zu werden. Doch mit der politischen Wende sei man mit einer harten Bruchlandung in der Marktwirtschaft gelandet, gibt der Chef unumwunden zu. Mit kleinsten Aufträgen und einem Schuldenberg in Millionenhöhe kämpfte sich die Familie zurück. „Aufhören wäre einfacher gewesen, definitiv.“ Aber eben keine Option für das Unternehmen, das heute im Drei-Schicht-System arbeitet.

Die Hälfte der Produktion entfällt dabei auf das Veredeln von Stanzteilen für die Automobilindustrie. Hinzu kommen in einem Umkreis von rund hundert Kilometern Kunden in der Elektroindustrie und im Maschinenbau. Bearbeitet werden verschiedenste Grundmaterialien wie Stahl, Messing, Kupfer oder Zinkdruckguss. Der Galvanikbetrieb bietet eine Vielzahl von chemischen, elektrochemischen und mechanischen Nachbehandlungen.

Und obwohl die Umweltpreis-Urkunde erst seit Kurzem an der Wand hängt, denken die Zimmermanns als Praxispartner eines Forschungsprojekts mit der TU Chemnitz schon wieder darüber nach, wie sie einen noch höheren Durchsatz mit noch weniger Chemikalien, Wasser und Energie erreichen können.

gazima.de

Fragen zum Umweltpreis beantwortet Steffi Schönherr, Tel. 0371/5364-240, E-Mail: s.schoenherr@hwk-chemnitz.de

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