Finanzen + Geld -

Alternativen zum Sparbuch Weltspartag: Wie sich Sparen heute noch lohnt

Macht es noch Sinn, Kindern das Sparen beizubringen und was sind die Alternativen in einer Welt ohne sichere Rendite für Erwachsene und Unternehmen?

"Der Weltspartag ist die ideale Gelegenheit, um mehr aus Deinem Geld zu machen", damit werden Kinder und Jugendliche am 28. Oktober in die Bankfilialen gelockt. Tatsächlich gibt es bei der Eröffnung eines Kontos da vielleicht ein Comicheft oder ein paar Luftballons, nur das einbezahlte Geld bringt praktisch keine Zinsen mehr. Denn der 91. Weltspartag findet in einer Zeit statt, in der klassische Bankprodukte wie Sparbuch oder Tagesgeld kaum, keine oder sogar negative Renditen abwerfen. "Sparen, so wie wir es aus unserer Kindheit noch kennen, lohnt sich praktisch nicht mehr", sagt Philipp Müller, Portfoliomanager bei der Mannheimer Performance IMC Vermögensverwaltung AG.

Glänzende Alternativen zum Sparbuch?

Trotzdem haben laut Bundesbankstatistik zum Ende des zweiten Quartals 2016 die deutschen Privathaushalte den größten Teil ihres Vermögens von gesamt 5401 Milliarden Euro noch immer als Bargeld in Sparschwein und Co. oder wie gewohnt auf der Bank liegen – eine Summe von 2128 Milliarden Euro. "Gerade, weil es keine Zinsen gibt, wird einem der Sinn des Sparens bewusst", sagt Lothar Koch, Portfoliomanager beim Düsseldorfer Vermögensverwalter GSAM + Spee Asset Management AG, "es geht darum Geld zurückzulegen für eine Sache, die man sich in Zukunft leisten möchte." Dies wurde Sparern früher durch Zins und Zinseszinseffekte versüßt, praktisch ohne Risiken einzugehen. Obwohl diese Motivation wegfällt, ist es trotzdem noch sinnvoll einen Kapitalstock aufzubauen.

Wer sich unabhängiger von Sorgen um die Entwicklung der Euro-Währung machen möchte, für den hat Lothar Koch eine Alternative: "Mit Gold- oder Silbermünzen zu sparen ist eine klassische Variante, die trotz der Preisschwankungen der Edelmetalle langfristig sicher Kapital ansammelt." Für Unternehmen, die größere Summen als Liquiditätsreserve vorhalten, um bei Bedarf zeitnah reagieren zu können, ist das eher keine Option. Sie stehen heute immer öfter vor dem Problem, dass für ihre Einlagen Negativzinsen verlangt werden, das Kapital also mit der Zeit schrumpft. Selbst wenn eine Bank auf den ersten Blick keine Strafe für einbezahltes Geld verlangt, lohnt es sich gerade bei Geschäftskonten genauer hinzusehen. "Zum Teil wird einfach erst einmal massiv an der Gebührenschraube gedreht und der Negativzins erreicht die Kunden über die Kontokosten", berichtet der Anlageexperte der GSAM + Spee Asset Management AG.

Wichtiges Sparwissen

Aber gibt es einen Ausweg für Unternehmer? "Ohne Aufwand wird kaum ein Weg an einem gering oder sogar negativ verzinsten Tagesgeldkonto vorbeiführen", sagt Finanzprofi Philipp Müller von Performance IMC, "aber für größere Summen bietet ein professionelles Liquiditätsmanagement die Möglichkeit, rentable Investments zu nutzen und trotzdem ausreichend flexibel zu bleiben." Die niedrigen Zinsen machen es für Privatpersonen und Unternehmen insgesamt erheblich schwieriger, durch Geldanlage Rendite zu erzielen.

Aber rentables Sparen ist auch am 91. Weltspartag möglich - allerdings jenseits von Sparbuch und Co. "Denn durch eine solide Anlage wächst Dein Geld stetig Schritt für Schritt. Und nach einigen Jahren verfügst Du über einen schönen Betrag, um Dir auch größere Wünsche zu erfüllen", verspricht ein Institut seinen jungen Kunden. Damit das auch im heutigen Umfeld wirklich erreicht wird, ist es umso wichtiger, sich umfassend mit dem Thema Sparen und Geldanlage auseinanderzusetzen. Eine Beimischung von Aktien und Fonds ist bei vielen Sparvorhaben zwar nicht alternativlos, aber bietet grundsätzlich derzeit erheblich mehr Renditechancen als klassische Sparprodukte.

"Ein Weltspartag ist sinnvoll"

Finanzexperte Philipp Müller von der Performance IMC Vermögensverwaltung aus Mannheim, hält die Erziehung zum Sparen für langfristig richtig und wichtig, aber nicht unbedingt mit Sparbuch und Co.

Der Weltspartag startete vor 91 Jahren mit dem pädagogischen Anspruch zur Erziehung zur Sparsamkeit beizutragen. Aber lohnt sich das Sparen heute überhaupt noch?

Müller: De facto gibt es für klassische Bankprodukte kaum mehr Zinsen oder sogar Strafgebühren für einbezahltes Geld. Es ist heute deutlich schwieriger jemanden vorzurechnen, warum es sinnvoll ist etwas zurück zu legen statt alles auszugeben. Trotzdem ist es weiterhin vernünftig, Kindern den Wert des Sparens beizubringen, um dauerhaft Vermögen aufzubauen oder größere Ziele zu erreichen. Allerdings ist, abhängig vom Zeithorizont, eine Bankeinlage derzeit sicher nicht das rentabelste Mittel dazu.

Was sind die Sparalternativen?

Müller: Wird das Geld erst in einigen Jahren benötigt sind Aktien oder Fonds voraussichtlich eine der wenigen Möglichkeiten, heute noch reale Rendite zu erzielen. Natürlich gilt es hier, durch eine möglichst breite Streuung das Risiko von Schwankungen zu begrenzen und Zeit mitzubringen. So etwas eignet sich jedoch nicht, wenn das Geld in ein paar Monaten gleich wieder ausgegeben werden soll.

Müssen wir uns für immer von rentablen Sparbüchern verabschieden?

Müller: Irgendwann werden wir wieder zur Normalität zurückkehren. Die amerikanische Zentralbank hat ja bereits einen Schritt in Richtung steigende Zinsen gemacht. Wie schnell das allerdings geht und wann auch in Europa wieder vernünftige Zinsrenditen bei den Kunden ankommen, das lässt sich nicht vorhersagen.

Spar-Verlierer

Tagesgeld, Sparbuch und Co.

Bringt kaum mehr Zinsen und unter dem Strich keinen realen Vermögenserhalt. Eignet sich vor allem noch, um eine kleinere liquide Reserve zu halten. Wichtig: Auf Kosten und Gebühren achten, die unter dem Strich zu einer negativen Verzinsung führen können.

Lebensversicherungen

Bei neuen Policen kaum oder gar keine Garantiezinsen mehr und auch bei alten Verträgen bröckeln die Versprechen. Wichtig: Alte Lebensversicherungen jetzt nicht einfach kündigen, sondern genau nachrechnen, ob ein Verkauf, eine Beitragsfreistellung oder weitere Einzahlung nicht doch mehr Rendite bringt.

Staatsanleihen

Es gibt bei als zahlungskräftig eingestuften Staaten wie Deutschland praktisch keine gefahrlose Rendite mehr. Attraktivere Zinsangebote erfordern ein professionelles Risikomanagement. Wichtig: Zinsänderungsrisiko und Inflationsgefahr bei langlaufenden Anleihen nicht unterschätzen.

Spar-Gewinner

Aktien

Je niedriger die Zinsen, desto eher steigen die Börsenkurse. Anleger sollten ein paar Jahre Zeit mitbringen, um mögliche Schwankungen auszusitzen, eine breite Mischung anstreben und bedenken, dass langfristig Dividenden erheblich zur Gesamtrendite beitragen. Wichtig: Um kostengünstig einen Aktienmix selbst in kleineren Depots umzusetzen, können ETFs (passive Indexfonds) eine sinnvolle Lösung bieten.

Immobilien

Die Kreditfinanzierung von Betongold ist historisch günstig. Mancherorts explodieren jedoch die Kaufpreise und ein Immobilieninvestment, das Kapital oft sehr lange bindet, sollte zur restlichen Vermögensstrategie passen. Wichtig: Kosten beim Kauf, für Instandsetzung und laufenden Investitionsbedarf nicht unterschätzen.

Gold

Die traditionelle Notfallwährung ist als Investmentalternative wieder gefragt. Anleger sollten aber nicht vergessen, dass Edelmetalle überhaupt keine Zinsen oder Dividenden abwerfen und der Kurs stark schwanken kann. Wichtig: Kleine Stückelungen bei Goldmünzen gelten als ideale Reserve für Notfälle, aber beim Ankauf mehrere Angebote einholen und den Preis pro Gramm Gold vergleichen.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten