Mittelfranken -

Weltmeisterin aus Lauf

Friseurmeisterin Sonja Fischer erlebt die Karrierekrönung in Chicago

„Werde Friseurin, Sonja, aber werde eine gute“, sagte eine Lehrerin 1990 zu ihrer abschlussbesten Realschülerin in Lauf a. d. Peg., die unsicher war, ob sie wirklich in die Fußstapfen ihrer Mutter treten sollte. Sonja Fischer hörte auf den Rat, wurde Friseurin, und zwar mehr als eine gute. Seit 2007 ist sie amtierender „Europa-Cup-Champion of the World“ und seit 2008 amtierende Weltmeisterin – zwei Titel, die nie zuvor ein deutscher Friseur gemeinsam errungen hat.

Aufgewachsen im Salon ihrer Mutter im 1000-Einwohner-Dorf Diepersdorf bei Nürnberg, half Sonja bereits als Achtjährige im Geschäft mit. Schon als Kleinkind hatte sie beschlossen, Friseurin zu werden. Mit zehn Jahren schnitt sie die ersten Kunden. Sie besuchte zuerst das Gymnasium, wechselte dann aber freiwillig auf die Realschule, um Buchhaltung zu lernen. Nach der Mittleren Reife begann sie ihre Ausbildung.

Bewundernswerte Karriere

Lehrmeisterin war ihre Mutter, die auch schon ihren sieben Jahre älteren Bruder ausgebildet hatte. Dank ihrer Vorerfahrung konnte Sonja das erste Lehrjahr überspringen. Mit 19 wurde sie Gesellenprüfungsbeste, mit 21 hatte sie die Meistertitel, mit 24 übernahm sie die Geschäftsführung im Salon.

Fischers Wettbewerbskarriere hatte bereits 1988 im Alter von 15 Jahren begonnen. Noch als sie die Schule besuchte, war ihre Mutter überzeugt, dass sie den ersten Lehrlingswettbewerb bestehen würde und meldete sie an. Rund zehn Jahre später hatte sie über 100 Pokale und Urkunden in ihrem Salon stehen und hängen. Mit dem Titel „ Bayerische Meisterin“ trat sie 2003 ins deutsche Nationalteam ein, wurde mittel-, nord- und süddeutsche Meisterin sowie deutsche CAT-Meisterin und sahnte von da an auf internationaler Ebene ab: Grand Prix in Helsinki (2006), Paris (2006), Riga (2006), Oslo (2007) und Athen (2007) sowie Cups in Österrreich/Klagenfurt (2006) und Montenegro/Bar (2006).

Ihren Siegeszug in den europäischen Metropolen krönte sie mit dem Europacup. Fischer holte den Preis nach 16 Jahren erstmals wieder nach Deutschland. Nationalpräsident Andreas Popp und Nationaltrainer Karl-Heinz Koch gratulierten ihrer Topakteurin mit besonderem Stolz. Der Titel „Europacup-Champion of the World“ ist für einen europäischen Friseur der höchste Titel, der im Einzelwettbewerb zu erreichen ist. Schon ein Jahr später sollte Sonja Fischer den höchsten Titel im Team gewinnen: den World-Champion.

Am ersten Märzwochenende flog sie mit ihrem vierköpfigen A-Klasse-Team nach Chicago, wo die zweijährig stattfindende Friseur-Weltmeisterschaft heuer veranstaltet wurde. Alles andere als fit stieg sie ins Flugzeug, denn ausgerechnet am Vorabend hatte sie sich bei ihrem letzten Kunden so böse in den Finger geschnitten, dass sie genäht werden musste. Nur mit einer Packung Schmerztabletten und eisernen Nerven gelang es ihr durchzuhalten. „Ich hatte Herzflattern und war einfach nur erleichtert“, beschrieb sie nach der Rückkehr ihre Gefühle, als bei der Sieger-ehrung der Moderator „The new World-Champion ist Germany“ brüllte. „Wir im Team haben uns dann nur starr angeschaut. Wir waren unter Schock und gleichzeitig voller Freude.“ Fremde Menschen klopften ihr auf die Schultern, erzählte sie, und sagten, es sei unglaublich, dass man mit einem verletzten Finger so arbeiten könne. Im Salon gaben sich in den folgenden Tagen die Gratulanten die Klinke in die Hand. Viele Stammkunden freuten sich mit „ihrer“ Starfriseurin und brachten Blumen. Bürgermeister Joachim Lang und Landrat Helmut Reich kamen ebenfalls mit einem dicken Strauß. „Sie machen unsere Region und diese Gemeinde bekannt“, bedankten sich die beiden bei Fischer; denn „einen Weltmeister hatten wir noch nicht in Diepersdorf.“

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