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Janis Gentner im Interview Das ist der neue Weltmeister im Fliesenlegen

Der 21-jährige Fliesenleger Janis Gentner aus Aalen holt sich den Weltmeistertitel in Russland. Jetzt verrät er, warum er an den WorldSkills teilgenommen hat und welche Pläne er als nächstes hat.

Jede Fuge, jede Fliese, jedes Maß – alles muss genau sitzen. Unter den Augen der Fachjury hatte der 21-jährige Janis Gentner insgesamt 22 Stunden Zeit, um sein Können bei den WorldSkills 2019 in Kazan, Russland, unter Beweis zu stellen. Insgesamt 1.354 Teilnehmer aus über 63 Nationen haben bei der WM der Berufe in 56 Kategorien um Medaillen gekämpft. Jetzt ist Janis Gentner Weltmeister im Fliesenlegen. Und dazu wurde er als bester deutscher Teilnehmer mit der Medaille “Best of Nation“ ausgezeichnet.

DHZ: Wie bist du überhaupt zu deinem Handwerk gekommen?
Janis Gentner: Während der 9. Klasse habe ich angefangen, bei meinem heutigen Chef Patrick Abele zu arbeiten, um mir neben der Schule etwas dazuzuverdienen. Als es meinem Realschulabschluss entgegenging, hat er mich direkt gefragt, ob ich eine Ausbildung bei ihm anfangen will. Ich hatte schon bei den Hilfstätigkeiten Spaß, mich hat das Handwerk gereizt und ich hatte tolle Kollegen – also habe ich zugesagt.

DHZ: Was schätzt du an deinem Handwerk?
Gentner: Mein Handwerk ist so vielfältig und bietet ein breites Spektrum. Während der Ausbildung lernt man alles rund um den Bau. Ich schätze vor allem, dass ich so kreativ sein kann und mit den Kunden gemeinsam Neues plane. Die neuen Technologien, wie zum Beispiel die 3D-Technik, machen das Ganze noch spannender.

DHZ: Wie bist du dazu gekommen, an Wettkämpfen teilzunehmen?
Gentner: Mein Chef ist Prüfungsvorsitzender bei der Handwerkskammer Ulm und hat uns von Beginn der Ausbildung an immer die Perspektiven im Handwerk aufgezeigt. Wenn man gut ist, erreicht man was. Mit einem Bonus hat es angefangen, dass man sich schon früh reinhängt. Irgendwann ist man selbst angefixt und will sich mit den anderen messen. Mit der Gesellenprüfung hat es dann begonnen. 2017 war ich Kammersieger bei der Handwerkskammer Ulm, dann Landessieger und Deutscher Meister.

DHZ: Wie lief die Vorbereitung zu den WorldSkills 2019 in Russland ab?
Gentner: Wir haben eine Woche im Trainingscamp in Trier verbracht. Der Zentralverband und die Fachverbände finanzieren das. Insgesamt hat man an vier Tagen 25 Stunden Zeit, um einzelne Module fertigzustellen. Abends wird alles von den Trainern kontrolliert und Feedback gegeben.

DHZ: Wie lief der Wettkampf ab?
Gentner: Nach einem Vorbereitungstag, an dem wir schon einmal unsere Wände kontrollieren und unser Werkzeug ausrichten durften, hat am Freitag der Wettkampf begonnen. Morgens wurden wir gebrieft, haben unsere Aufgaben und die Pläne besprochen und haben dann Tag für Tag einzelne Module abgearbeitet. Wir hatten insgesamt
22 Stunden Zeit, jedoch haben es nur wenige geschafft , ihre Module in dieser Zeit fertigzustellen. Ich habe unter anderem zwei Wände gefliest mit der russischen Flagge und dem Schriftzug “Kazan“.

DHZ: Wie geht es dir jetzt mit dem Titel Weltmeister?
Gentner: Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, im Skill “Floor and Wall Tiling“ zu gewinnen. Man selbst ist natürlich immer unsicher, ich sehe meine Fehler am besten. Und den Titel realisiere ich noch gar nicht. Aber ich bin stolz und glücklich. Denn das ist wirklich eine große Chance, sich mit den besten Gesellen der Welt zu messen.

DHZ: Was hast du während der letzten Jahre und der vergangenen Tage besonders an deinem Ausbildungsbetrieb geschätzt?
Gentner: Mein Chef hat mich immer unterstützt und gefordert. Bei ihm kann man einfach nur eine gute Ausbildung hinlegen. Bei uns im Betrieb ist die Kommunikation das Wichtigste. Probleme werden direkt behoben und ich habe tolle Kollegen, die mir von Anfang an viel beigebracht haben. Ich durfte von Anfang an viel mitarbeiten, was mich persönlich schnell weitergebracht hat. Mein Chef hat mir Verantwortung übertragen, worüber ich immer froh war.

DHZ: Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Gentner: Ab Februar 2020 besuche ich die Meisterschule in Stuttgart. Dann will ich mir in einem Jahr Vollzeit den Meistertitel holen. Nebenher bleibe ich aber für ein paar Stunden in meinem Betrieb, um weiter mitzuarbeiten. Ich könnte mir auch vorstellen, noch den Bauingenieur zu machen.

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