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Orgelbauer, Glaser und Bestatter in einem Boot Diese Gewerke hoffen auf die Rückvermeisterung

Viele Verbände und Innungen hoffen auf eine Ausdehnung der Meisterpflicht. Die Gewerke argumentieren mit Gefahrenneigung und dem Erhalt von Wissen.

Fachverbände und Bundesinnungen haben in den vergangenen Wochen Schwerstarbeit geleistet. Sie haben Statistiken gewälzt, Argumente zusammengetragen, Stellungnahmen verfasst, warum ihre Berufe in die Anlage der meisterpflichtigen Gewerke aufgenommen gehören. Bis Ende Mai mussten die schriftlichen Stellungnahmen vorliegen, Anfang Juni stellen sie sich einer Anhörung im Bundeswirtschaftsministerium.

Fest steht: Viele Gewerke, die jetzt voller Hoffnung sind, werden am Schluss ernüchtert reagieren – weil sie leer ausgehen. Die meisten Experten gehen davon aus, dass unterm Strich eine Handvoll Gewerke zusätzlich unter die Meisterpflicht fallen wird. "Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Verband auch enttäuscht sein wird", sagt ZDH-­Vizepräsident Thomas Zimmer.

Die Deutsche Handwerks Zeitung hat beispielhaft sechs Branchenvertreter befragt, wie sie zu einer Ausweitung der Meisterpflicht stehen.

Die Orgelbauer

Die Orgelbauer wollen zurück zur Meisterpflicht. "Wir sind froh, dass das Thema überhaupt aufgegriffen wird", sagt Frank Weimbs, seit 1998 Orgelbaumeister und stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbands BDO. "Wir als Orgelbauer erachten eine Rückkehr zur Meisterpflicht als zwingend notwendig." Für sein Handwerk sieht er gute Chancen, wieder in die Liste der meisterpflichtigen Berufe aufgenommen zu werden. Gemessen am Kriterium der Gefahrenneigung seien Orgelbauer den Schreinern und Elektrikern gleichzusetzen. Beide Berufe, Schreiner und Elektriker, sind meisterpflichtig – anders als die Orgelbauer. "Aber wir Orgelbauer vereinen beides", gibt Weimbs zu bedenken. Abgesehen davon, dass Orgelbauer um den Aufbau von Gerüsten in hohen Kirchenschiffen oder Gefahren des Schimmelbefalls bei alten Orgeln wissen müssten. Der Orgelbaumeister verspricht sich von einer Rückkehr zur Meisterpflicht aber noch mehr. "Mir kommt in der Diskussion zu kurz, welche Bedeutung der Meister für die Wissensvermittlung hat." Dieses theoretische Wissen könnten nur die Meisterschulen bewahren und vermitteln, da die Betriebe praxisorientiert arbeiteten. "Dieses Wissen geht ohne den Meister verloren."

Die Glaser

Das Glaserhandwerk hofft darauf, dass der Beruf des Glasveredlers meisterpflichtig werden könnte. Mit der Novellierung der Handwerksordnung 2004 wurde der Beruf des Porzellanmalers/Glasveredlers zulassungsfrei. Die Politik nahm keine Rücksicht darauf, dass das Berufsbild zum Zeitpunkt der Novellierung gerade neu ausgerichtet wurde. Die Glasveredler hatten sozusagen Pech. Denn es lag bereits auf der Hand, dass die Berufsinhalte des "novellierten Glasveredlers" zu 70 Prozent denen des Glasers entsprechen. Der Glaser wurde anders als der Glasveredler als gefahrgeneigt eingestuft, kam also in die Anlage A und blieb damit meisterpflichtig. "Trotz massiver Intervention ist es uns am Ende leider nicht gelungen, den Glasveredler in die Anlage A zu bringen", beklagt Hauptgeschäftsführer Stefan Kieckhöfel vom Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks. Die Folge: Viele Glasveredler ohne Meisterqualifikation würden heutzutage Reparaturen oder Neuverglasungen vornehmen. "Gerade unter Berücksichtigung der baurechtlichen Auflagen kann eine weitere Umsetzung dieser Tätigkeiten ohne den großen Befähigungsnachweis nicht weiter toleriert werden", schreibt Kieckhöfel. Der Glasveredler werde "häufig aus Unwissenheit und zu Unrecht" mit einem künstlerischen Glasberuf gleichgesetzt. "Wir sind zuversichtlich, unseren Glasveredler wieder in die Anlage A zu bekommen, wo er auch hingehört."

Die Brauer

Der Brauerverband weist darauf hin, dass 95 Prozent der Mitglieder "Bier mit Meisterhand" brauen. "Und das ist gut so", äußert sich Rechtsanwältin Stefanie Träger vom Verein Private Brauereien Bayern. Lebensmittelrecht, Hygienevorschriften und Arbeitssicherheit würden immer komplizierter und verlangten ein umfassendes Wissen und Erfahrungen, "die in der Meisterausbildung geschult und geprüft werden". Den Brauern geht es vor allem um den Fachkräftemangel. "Wie kann so etwas entstehen? Weil alle zum Studieren gehen?", fragt Träger.

Die Schilder- und Lichtreklamehersteller

Auch der Zentralverband Werbetechnik – Bundesinnungsverband der Schilder- und Lichtreklamehersteller macht sich im Namen der Mehrheit seiner Mitglieder für die Meisterpflicht stark. "Die Zustimmung, die wir erfahren, macht uns Mut, dass am Ende der Meisterbrief für unser Gewerk zurückkommt", so Bundesinnungsmeisterin Martina Gralki-Brosch. "Die Chancen stehen gut. So weit waren wir noch nie." Der Verband habe Mitstreiter auf Seiten der Gewerkschaft IG BAU als auch von Zulieferern und Herstellern. Der Meisterbrief sei die beste Garantie für Qualitätsarbeit, schreibt Gralki-Brosch. "Er steht für eine nachhaltige ökonomische Sicherung der Betriebe, für Verbraucherschutz, Innovationskraft und eine hochwertige berufliche Aus- und Weiterbildung."

Die Rolladen- und Jalousiebauer

Hoffnungen machen sich auch die Rollladen- und Jalousiebauer. Vertreter des Bundesverbands Rollladen und Sonnenschutz haben sich immer wieder zuversichtlich geäußert, zur Meisterpflicht zurückkehren zu können. Zugleich zeigt sich Hauptgeschäftsführer Ingo Plück aber zurückhaltend: "Wir sind erst beruhigt, wenn das Gesetz auch zu unseren Gunsten verabschiedet ist."

Die Bestatter

Etliche Bestatter wünschen sich für ihren Beruf ebenfalls den verpflichtenden Meisterbrief. Anders als zum Beispiel der Fliesenleger unterlag der Beruf des Bestatters jedoch auch früher nicht der Meisterpflicht. Das halten viele der im Bestatterverband organisierten Unternehmer für ein Defizit. "Gerade in unserem Handwerk, wo jeder Fehler zu einem bleibenden Schaden führen kann und wo es oft keine zweite Chance gibt, ist der fachgerechte Umgang mit Verstorbenen auf der einen Seite und trauernden Angehörigen auf der anderen Seite zwingend notwendig", schreibt Stephan Neuser, General­sekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter. "Der Meisterbrief ist ein Garant für Qualität dieser vielfältigen Leistungen."

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