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Wissen für die Meister von morgen Welche Fähigkeiten ein Energieberater heute haben muss

Das Handwerk wandelt sich mit der ihm zur Verfügung stehenden Technik rasant, in der Theorie, wie auch in der Praxis. Das Kompetenzzentrum für Energietechnik in Würzburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen zu bündeln und weiterzugeben. Ein Blick in die Ausbildungsstätte eines Meisterberufes, der sich mitten im Wandel befindet.

In dem Klassenraum in der Würzburger Zellerau ist es ruhig. Lediglich leises Kratzen von Bleistiften über das Papier und hin und wieder das Verschieben der Lineale und Zeichenformen ist zu hören. Etwas über 20 Schüler sitzen hier hochkonzentriert und zeichnen: Rohrleitungen, Elektroleitungen, Anschlüsse an verschiedensten Geräten, Ableseinstrumente und Ventile. Sie alle wollen Meister ihres Fachs werden, in diesem Fall Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK).

Einer von ihnen ist Jonas Haase. Der 23-jährige wirkt selbstsicher, setzt jeden Strich mit voller Überzeugung. Er ist einer derjenigen, mit der meisten Berufserfahrung aus der Gruppe. 2012 sei er bereits in die Lehre gegangen, als Anlagenmechaniker, erzählt er. Der Berufsweg war mehr oder weniger vorherbestimmt: Sein Vater arbeitet als Heizungsbaumeister ebenfalls in derselben Firma, ist dort in der Geschäftsführung. Wenn dort einer der alten Meister in Rente geht, bekommt Jonas Haase die Chance auf dessen Nachfolge. Seit Oktober letzten Jahres macht er deshalb nun seinen Meister bei der Handwerkskammer für Unterfranken, im Kompetenzzentrum für Energietechnik.

Hier werden technologische Innovationen direkt in der Praxis an die Schüler weitergegeben. Zudem finden Weiterbildungen für bereits fertige Meister statt. Immer am Ball bleiben ist die Devise von Gottfried Baumgartner, dem Leiter des Kompetenzzentrums für Energietechnik: "Das Wichtigste für die Schüler ist, dass sie das Gewerkeübergreifende verstehen", betont er. Der Handwerker der Zukunft dürfe nicht nur in seinem Bereich denken und handeln, sondern müsse das große Ganze im Blick haben. Das fordert die angehenden Meister natürlich, räumt Baumgartner ein: "Den Energieberater im Anschluss an den SHK-Meister machen nur die Besten unserer Schüler." Dieser muss von der Baukonstruktion und der Anlagentechnik, bis hin zu Finanzierungs- und Förderungsmodellen alles beherrschen. Deshalb setzt Baumgartner in der Aus- und Weiterbildung auf maximale Praxisnähe. So befinden sich auf dem Dach des Kompetenzzentrums unterschiedliche Wandaufbauten mit Solar- und Photovoltaikanlagen, um den angehenden Meistern die gesamte Bandbreite der technischen Möglichkeiten aufzuzeigen. Auch die Übungswerkstätten befinden sich ständig im Umbau, werden immer wieder durch modernste Technik ergänzt.

Stift und Papier auch heute noch gefragt

Dennoch sitzen Jonas Haase und seine Mitschüler mit rauchenden Köpfen über Papier und fertigen mit Bleistiften technische Zeichnungen an. "Das ist schon wichtig, dass die das auch noch können", sagt der Kursleiter des Meisterkurses, Rainer Klein. "Aber EDV wird schon immer wichtiger. Ohne die Computer-Programme mit 3D-Visualisierung und Ähnlichem geht es nicht mehr." Digitale Technik hilft den Handwerkern heute, den Überblick zu behalten, Rohr- und Elektroleitungen zu planen und das bereits genannte, große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Die Schüler in Kleins Kurs zeichnen gerade eine neue Heizungsanlage. Eine typische Aufgabe für SHK-Meister: Der Austausch einer alten Anlage durch eine neue Moderne. "Dafür müssen die Schüler natürlich auch die alte Technik beherrschen.", sagt Klein.

Das hält auch Jonas Haase für besonders wichtig. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Kunden oft ganz verschiedene Vorstellungen haben: "Ältere Kunden lassen lieber noch einmal die alte Ölheizung sanieren und sparen sich eine teure neue Anlage. Jüngere Kunden, die selbst ein Haus bauen, achten eher auf nachhaltige Systeme und auf diverse staatliche Forderungen. Da wird man dann teilweise auch zum Finanzberater." Den Schraubenschlüssel wird Haase als fertiger Meister aber vermutlich nicht mehr so oft in die Hand nehmen: "Meister heißt schon, viel am Computer zu sitzen." Das sei es aber auch, was ihn an dem Beruf so reize: "Das liegt mir halt irgendwie, das zu planen, das ist genau meins", sagt der 23-jährige. Als Meister müssen man hauptsächlich organisieren, Fachplanung betreiben und natürlich dazu auch ganz normale Büroarbeiten, wie Buchhaltung erledigen. "Als Meister ist man am Ende natürlich auch für das verantwortlich, was man da geplant hat." Aber auch aufgrund dieser Verantwortung ist Jonas Haase froh, in einem etwas größeren Betrieb zu arbeiten: "Wir haben über 40 Mitarbeiter, da geht es, dass die Meister die meiste Zeit im Büro sitzen und planen". In kleineren Betrieben müsse man unter der Woche zum Kunden, beziehungsweise auf die Baustelle und die Büroarbeit am Wochenende erledigen.

Heute mehr Theorie als früher

Den vielen neuen Aufgaben der künftigen Handwerks-Meister muss die Ausbildung natürlich gerecht werden. Gottfried Baumgartner sieht vor allem in modernerer Technik eine große Unterstützung für die Betriebe. So biete man in diesem Jahr neu einen Aufbaukurs für Energieberater zum Thema Drohne im Handwerk an. "Da gibt es noch viel Potential", so Baumgartner.

Auch Jonas Haase sieht einen großen Unterschied, beispielsweise zu seinem Vater, einem gelernten Heizungsbauer. Dessen Ausbildung, erzählt Haase, sei sehr viel handwerklicher gewesen und habe weniger Theorie beinhaltet. "Damals hat man auch noch viele Dinge über den Daumen gepeilt und sich auf sein Bauchgefühl verlassen, da waren aber auch zum Beispiel fossile Brennstoffe noch günstiger. Heute rechnet man viel präziser", sagt Haase. "Aber zu viel Präzision ist auch nicht immer gut, man kann so eine Anlage auch kaputtrechnen".

Mit seinen acht Jahren Berufserfahrung kann Jonas Haase ohne Einschränkungen in seinem Betrieb mitarbeiten, aber er sieht das Problem, dass neue Meister immer jünger werden: "Man kann ja heute direkt nach der Ausbildung den Meister machen". Das sorge dafür, dass die jungen Meister zwar in der Theorie gut ausgebildet seien, aber keinerlei Berufserfahrung mitbrächten. "Ich wäre sogar dafür, wieder einzuführen, dass man erst fünf Jahre gearbeitet haben muss, bevor man den Meister machen kann", meint der 23-jährige. Dieses Problem sieht auch der Leiter des Kompetenzzentrums für Energietechnik: "Manchen Meisterschülern fehlt teilweise die soziale Kompetenz und natürlich auch die Berufserfahrung", meint Gottfried Baumgartner. Die sei vor allem in Zeiten schneller technischer Entwicklungen notwendig, um am Ball bleiben zu können.

Das Kompetenzzentrum für Energietechnik in Würzburg bietet Handwerkern verschiedener Gewerke diese Möglichkeit. Jonas Haase und seine Mitschüler müssen sich in Zukunft anderen Aufgaben stellen als noch die Meistergenerationen vor ihnen. "Das meiste lernt man natürlich in der Praxis im Betrieb", sagt Jonas Haase, aber die Theorie in der Schule lege den umfangreichen Grundstein, damit die künftigen Meister ihre Rolle als Multitalent ausfüllen könnten.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner waren die Handwerkskammer für Unterfranken und die Deutsche Handwerks Zeitung.

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