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Bildungsstaatssekretär Stefan Müller im Interview Welche Chancen bietet das neue Meister-Bafög?

Seit dem 1. August gilt das neue Meister-Bafög. Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung erklärt Bildungsstaatssekretär Stefan Müller, was damit erreicht werden soll.

DHZ: Herr Müller, zum 1. August wird das Meister-Bafög erhöht. Kann eine solche Erhöhung das rückläufige Interesse an der Meisterprüfung aufhalten?

Müller: Das wird man erst im Nachhinein sagen können. In jedem Fall ist ein höheres Meister-Bafög aber ein wichtiger Baustein, die Ausbildung zum Beispiel zum Meister, Techniker oder Fachwirt attraktiver zu machen und den Stellenwert der beruflichen Bildung in Deutschland weiter zu verbessern.

DHZ: Wo gibt es Verbesserungen für angehende Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister?

Müller: Wir erhöhen beispielsweise bei den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren den Leistungsumfang und den Zuschussanteil. Erstmals wird auch das Meisterstück zu 40 Prozent der geförderten Materialkosten bezuschusst. Wer die Meisterprüfung besteht, bekommt mehr als bisher vom Darlehen erlassen. Darüber hinaus wird der Lebensunterhalt bei einer Vollzeitausbildung stärker gefördert.

DHZ: Manche Handwerker, die nach der Meisterausbildung einen Betrieb übernehmen oder gründen wollen, hätten sich noch höhere Vermögensfreibetrage gewünscht. Können Sie dieses Ansinnen nachvollziehen?

Müller: Angesichts kostenloser Masterstudiengänge kann ich nachvollziehen, dass sich mancher eine noch höhere Förderung gewünscht hätte. Andererseits finde ich, dass angehende Betriebsinhaber einen gewissen Eigenbeitrag leisten können. Es ist auch nicht so, dass wir nichts gemacht haben. Wir haben den Vermögensfreibetrag von 35.800 Euro auf 45.000 Euro erhöht. Und in Bayern, um nur ein Beispiel zu nennen, übernimmt auch das Land direkt und indirekt Kosten der Aufstiegsfortbildung.

DHZ: Weshalb werden erstmals mit dem Meister-Bafög auch Bachelor-Studenten und Studienabbrecher gefördert?

Müller: Wir streben eine Gleichwertigkeit zwischen dualer und akademischer Ausbildung an. Deshalb wollen wir für mehr Durchlässigkeit zwischen beiden Ausbildungswegen sorgen. Wer sein Bachelorstudium abgebrochen hat, kann gegebenenfalls mit Leistungen über das Meister-Bafög finanziell unterstützt werden. Das Gleiche gilt für Bachelorabsolventen, die noch den Meister machen wollen, um beispielsweise einen Betrieb übernehmen zu können.

DHZ: Das Meister-Bafög umfasst auch andere Aufstiegsfortbildungen wie die zum Techniker oder Fachwirt. Weshalb kann sich ein Geselle nicht mehrere Aufstiegsfortbildungen fördern lassen?

Müller: Ganz so ist es nicht. Es können durchaus zwei Aufstiegsfortbildungen gefördert werden, wenn die eine zwingend auf der anderen aufbaut. Ansonsten fördern wir tatsächlich grundsätzlich nur eine Aufstiegsfortbildung.

DHZ: Die bestandene Meisterprüfung ermöglicht auch ohne Abitur den Weg an eine Universität. Müsste man diesen Weg nicht stärker bewerben, um noch mehr Jugendliche für eine duale Ausbildung zu gewinnen?

Müller: Entscheidend für mich ist nicht, dass möglichst viele studieren. Entscheidend ist, dass jeder Jugendliche seinen Fähigkeiten und Interessen entsprechend eine Ausbildung beginnt. Er oder sie sollte nicht nur an die Hochschule denken, weil er oder sie glaubt, sich sonst jede Möglichkeit für ein Studium zu verbauen. Gerade deshalb ist es uns wichtig, dass es an allen Schulen eine unabhängige Studien- und Berufsberatung gibt.

Alle Infos zum Meister-Bafög mit wichtigen Fragen und Antworten, hat die DHZ Redaktion online zusammengestellt.

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