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Nationale Weiterbildungsstrategie der Bundesregierung Weiterbildungsstrategie beschlossen: Was sich ändern soll

Bund und Sozialpartner wollen die Weiterbildung stärken. Geringqualifizierte sollen zudem beim Nachholen eines Berufsabschlusses gefördert werden.

Angesichts des rasanten Strukturwandels in der Wirtschaft haben sich Bund, Länder, die Sozialpartner und die Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Nationale Weiterbildungsstrategie geeinigt. "Weiterbildung muss in Zukunft zum Arbeitsalltag gehören", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU).

Wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mitteilte, solle es einen Rechtsanspruch auf die Förderung zum Nachholen eines Berufsabschlusses geben. Schon im Herbst solle dazu eine Regelung auf den Weg gebracht werden. Insgesamt gebe es in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren ohne Berufsabschluss. Daneben soll geprüft werden, inwieweit die von den Gewerkschaften vorgeschlagene Verbindung von Kurzarbeitergeld und Weiterbildung verwirklicht werden kann. Arbeitgeber-Vize Gerhard Braun erteilte den Plänen schon jetzt eine klare Absage.

Aufstiegs-Bafög wird erhöht

Als Partner der Nationalen Weiterbildungsstrategie begrüßte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), die Ergebnisse im Grundsatz: "Das gilt insbesondere für die in der Strategie verankerten Maßnahmen zur Stärkung der höheren Berufsbildung, vor allem der Meisterqualifikation", sagte er.

Wie Karliczek betonte, soll das Aufstiegs-Bafög substanziell erhöht werden. Dafür wolle sie rund 245 Millionen Euro im Jahr bereitstellen. Daneben möchte sie noch 2019 einen Innovationswettbewerb "Digitale Plattform Berufliche Weiterbildung" starten. Dabei sollen modulare interaktive Lernplattformen entwickelt werden, die einen niederschwelligen Zugang zu lebensbegleitenden Weiterbildungsangeboten ermöglichen.

BA-Chef: Wir müssen alle Arbeitskräfte im Strukturwandel mitnehmen

Bundesarbeitsminister Heil verwies auf Prognosen, wonach bis 2025 rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze durch Automatisierung und Digitalisierung verloren gingen. Gleichzeitig würden aber 2,1 Millionen neue Stellen entstehen. Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes komme es nach Ansicht von BA-Chef Detlef Scheele jetzt darauf an, möglichst alle Arbeitskräfte im Strukturwandel mitzunehmen und keinen zu verlieren. "Wir sind darauf angewiesen, das inländische Erwerbspersonenpotenzial voll auszuschöpfen", betonte er. Dies gelte unabhängig von der beruflichen Qualifikation.

Arbeitgeber gegen Verknüpfung von Kurzarbeitergeld und Qualifizierung

DGB-Vize Elke Hannack begrüßte, dass die Förderung Geringqualifizierter mit dem Ziel eines Berufsabschlusses eine Pflichtleistung der Arbeitsagenturen werden solle. Als Erfolg wertete sie außerdem, dass das von den Gewerkschaften vorgeschlagene sogenannte Transformations-Kurzarbeitergeld immerhin geprüft werde. Der Vizepräsident der Arbeitgeberverbände, Gerhard Braun, hält davon nichts. Schon immer habe es in der Wirtschaft Transformationsprozesse gegeben. Darauf müssten sich die Unternehmen einstellen und ihre Geschäftsmodelle ändern. Auch bisher sei niemand auf die Idee gekommen, das von der Arbeitslosenversicherung bezahlen zu lassen", betonte er. Dabei müsse es bleiben.

Förderung von Weiterbildungsverbünden vereinbart

Einig waren sich die Sozialpartner über die große Bedeutung der jetzt vereinbarten Förderung von Weiterbildungsverbünden – etwa mit Kammern – auf regionaler Ebene gerade für kleine und mittlere Betriebe. Handwerkspräsident Wollseifer wies darüber hinaus darauf hin, dass die Förderinstrumente für die betriebliche Weiterbildung noch stärker auf den Bedarf von Kleinstbetrieben angepasst werden müsse. Nur so könne auch in kleinen Handwerksbetrieben der strukturelle Wandel gelingen.

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