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IW-Studie Weiterbildung für Ältere bringt Milliardenrendite

Bis zur Rente mit 67 zu arbeiten ist für viele Handwerker unrealistisch, etwa für Mauerer oder Fliesenleger. Die Handwerksverbände fordern daher schon länger, ältere Mitarbeiter gezielt umzuschulen. Von einer verstärkten Weiterbildung älterer Arbeitnehmer würden aber nicht nur die Beschäftigten profitieren, sondern die gesamte Wirtschaft.

Nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln lässt sich durch mehr Qualifizierung eine "Aktivierungsrendite" von 97,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 erzielen.

Die Rendite ergebe sich vor allem aus einem im Durchschnitt um zwei Jahre verzögerten Rentenbeginn. Bis zum Jahr 2035 belaufe sich die Rendite einer konsequenten Aktivierung älterer Beschäftigter sogar auf knapp 141 Milliarden Euro, betont das IW.

Auch aus der Perspektive der Beschäftigten lohne sich die Weiterbildung in der zweiten Lebenshälfte. Frauen über 45 Jahren erzielten nach einer Weiterbildung im Durchschnitt eine Lohnsteigerung um 6,5 Prozent, bei Männern liegt der Einkommenszuwachs den Angaben zufolge bei 3,9 Prozent.

Weiterbildung statt Frührente

Eine Weiterqualifizierung zahlt sich nach Einschätzung der Wissenschaftler damit auch bei einem vorübergehenden Einkommensverzicht während der Weiterbildungsphase aus - sofern die Ausbildungskosten nicht zu hoch sind und die Beschäftigten nicht zu früh in Rente gehen.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht das ähnlich. Nur mit einer Weiterbildung könne verhindert werden, dass Handwerker berufsunfähig werden und so eine Rentenkürzung hinnehmen müssten. Einen einmal erlernten Beruf bis zur Rente auszuüben, sei  heute nicht mehr realistisch.

Nach Ansicht des ZDH können Handwerker mit gezielten Weiterbildungen in ihrer Branche bleiben. So gibt es im Baugewerbe zum Beispiel Bedarf  bei der Durchführung der Baustellenbeaufsichtigung, in der Ausbildung, im Bereich des Arbeitsschutzes, der Akquise oder im Einkauf. Diese Tätigkeitsfelder würden im Übrigen auch eine größere Berufserfahrung voraussetzen, die gerade ältere Mitarbeiter mitbringen. dapd/rh

 

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