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In vino veritas! Aber auch Rendite? Wein als Kapitalanlage: Worauf Sie achten sollten

Die Wirtschaft brummt und vielen Betrieben geht es gut. Wer jetzt überlegt sein erwirtschaftetes Geld sinnvoll anzulegen, muss sich etwas anderes einfallen lassen als Sparbuch und Co. In Wein zu investieren kann eine interessante Alternative sein.

Angesichts des anhaltenden Niedrigzinsniveaus fällt es selbst Profis nicht leicht profitable Geldanlagen zu finden. Wo hole ich, ohne zu große Risiken einzugehen, die besten Prozente heraus? Beim letzten Besuch bei meinem Südtiroler Lieblings-Winzer beteuerte er mir mit einem Augenzwinkern, dass seine Weine eine hervorragende Investition seien. Wo sonst bekomme man heute noch 11,5 Prozent bei höchster "Liquidität"?

Zwar war der Tipp des Winzers nicht ganz ernst gemeint. Doch kenne ich auch Weinliebhaber, die diesem Rat durchaus folgen. Ihre Schätze lassen sie gerne im Weinkeller liegen, um sich an deren Wertentwicklung zu erfreuen und bei Bedarf lieber im Restaurant ein Schlückchen Wein zu genießen.

Wein als Kapitalanlage: Große Gewächse bieten mehr Potenzial

Kann Wein denn wirklich Kapitalanlage sein? Als "Alternatives Investment" ist die Anlage in Wein ähnlich komplex, wie die in Hedgefonds, Immobilien oder Rohstoffen. Beim Wein gibt es eine Vielzahl an Rebsorten, Anbaugebieten, Cuvées, Jahrgängen etc. - was es dem Laien fast unmöglich macht, ein Weinportfolio aufzubauen, das sowohl Lager- als auch Renditepotenzial verspricht. Erschwerend benötigt man Lagerbedingungen, die die Qualität des Weines auch langfristig erhalten. Also sollte man lieber gleich die Finger davon lassen?

Schaut man sich jedoch die teilweise atemberaubenden Preisentwicklungen international renommierter Weine an, kommt man schon ins Grübeln, ob es nicht sinnvoll wäre, den heimischen Keller in ein kleines privates Chateau umzuwandeln. So konnte man z.B. mit guten Bordeaux-Weinen seit 1996 im Durchschnitt eine Wertsteigerung von fast 10 Prozent p.a. erzielen. Da einige Tropfen dieser Region als die erlesensten der Welt gelten, überrascht dieses Ergebnis vielleicht nicht einmal. Umso erstaunlicher ist jedoch, dass man mit den jahrelang unterschätzten Top-Weinen deutscher Herkunft im gleichen Zeitraum sogar eine noch bessere Rendite erzielen konnte. Auch mit Spitzengewächsen aus Italien, Spanien und den USA waren in Einzelfällen zweistellige Jahresrenditen möglich.

Gut sortierter Weinkeller schlägt Aktien

Noch attraktiver wird das Wein-Investment, wenn man es mit liquiden Aktienmärkten vergleicht: ein geschickt zusammengestelltes weltweites "Trauben-Portfolio" konnte seit 1996 fast 1000 Prozent Wertzuwachs erzielen. Demgegenüber erscheinen die knapp 370 Prozent beim DAX oder die ca. 260 Prozent beim Dow Jones geradezu mickrig, wobei man beim US-Index noch Dividenden hinzurechnen müsste. Gold glänzte im Vergleichszeitraum lediglich mit ca. 240 Prozent Plus.

Bleibt neben der Lagerung das Problem, an die richtigen Flaschen in ausreichender Menge zu kommen, denn häufig gibt es lange Wartezeiten, um endlich auf die Subskriptionsliste der erfolgversprechenden Weingüter zu kommen. Hier ist es ratsam, sich an den Weinhändler Ihres Vertrauens zu wenden, der Ihnen mit Tipps und Empfehlungen behilflich sein kann. Die Auswahl der richtigen Etiketten ist entscheidend für den Anlageerfolg. Flaschen, die nicht zu den klassifizierten Crus des Médoc gehören oder zumindest große Namen aus Bordeaux, Burgund oder Champagne tragen, bleiben bei den Weinauktionen manchmal unveräußerlich. Der Markt für hochwertige Weine ist sehr eng. Und manchmal muss man die Liquidität der Anlage wörtlich nehmen und den Wein selbst genießen, wenn sich kein Käufer findet.

Wenn Ihnen das physische Investment trotzdem zu aufwändig und riskant erscheint, dann kann man an der Börse auch indirekt investieren, z.B. in Aktien von Spirituosenherstellern und Weinhändlern. Selbst ein "Wein-Basket"-Zertifikat wird im Börsen-Sortiment geführt. Letzteres versorgte seine Anleger in den vergangenen fünf Jahren durchaus mit hochprozentigen Renditen.

Egal wie schlimm es an den Börsen auch immer kommen mag: gegessen und getrunken wird immer. In diesem Sinne: Zum Wohl!

Autor ist Udo Rieder, Vermögensverwalter der KSW Vermögensverwaltung AG, Nürnberg.

Udo Rieder
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