Recht + Steuern -

Das Finanzamt feiert mit Weihnachtsfeier und Co.: So sparen Sie Steuern

Weihnachtsfeier 2018 schon geplant? Auch ans Finanzamt gedacht? Vorsicht: Bei einer Weihnachtsfeier greifen die strengen steuerlichen Regelungen zur Betriebsveranstaltung.

Bei der Weihnachtsfeier sitzt ein ungebetener Gast mit am Tisch. Die Rede ist vom Finanzamt. Denn bei einer Weihnachtsfeier greifen die strengen steuerlichen Regelungen zur Betriebsveranstaltung. Das bedeutet: Liegen die Kosten der Weihnachtsfeier für einen Arbeitnehmer über 110 Euro, drohen nachteilige lohnsteuerliche und umsatzsteuerliche Konsequenzen. Was bei der Weihnachtsfeier steuerlich zu beachten ist, erfahren Sie in den folgenden Passagen.

Sind die Kosten für die Weihnachtsfeier 2018 für einen Arbeitnehmer zu hoch, muss der Arbeitgeber Lohnsteuer abführen und der Vorsteuerabzug kann verloren gehen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Pro-Kopf-Kosten der teilnehmenden Arbeitnehmer mehr als 110 Euro betragen. Bei dieser 110-Euro-Höchstgrenze handelt es sich übrigens um einen Bruttowert.

Je nachdem, ob der Arbeitgeber die Lohnsteuer oder die Vorsteuerkürzung ermittelt, gelten folgende Grundsätze (BMF, Schreiben v. 14.10.2015, Az. IV C 5 – S 2332/15/10001):

  • Lohnsteuer : Bei der Lohnsteuer ist der 110-Euro-Höchstbetrag ein Freibetrag. Das bedeutet: Liegen die Kosten je Arbeitnehmer bei 130 Euro, muss der Arbeitgeber für die übersteigenden 20 Euro Lohnsteuer ans Finanzamt abführen.
  • Umsatzsteuer : Bei der Umsatzsteuer handelt es sich bei dem Höchstbetrag von 110 Euro um eine Freigrenze. Überschreiten die Kosten für einen Teilnehmer als den Höchstbetrag von 110 Euro, entfällt der Vorsteuerabzug für die gesamten Aufwendungen für diesen Teilnehmer.

Weihnachtsfeier: Folgen bei Überschreitung der 110-Euro-Grenze

Bei Ermittlung der Kosten je Teilnehmer werden die Gesamtkosten durch die Anzahl der teilnehmenden Gäste (nicht der eingeladenen Gäste!) geteilt. Dürfen Arbeitnehmer eine Begleitperson zur Weihnachtsfeier mitbringen, werden ihnen die Kosten dieser Begleitperson zugerechnet.

Beispiel: Die Kosten je Teilnehmer an der Weihnachtsfeier betragen 80 Euro. Von den 20 geladenen Arbeitnehmern bringen 18 Mitarbeiter eine Begleitperson mit. Folge: Da die Teilnahmekosten für diese 18 Mitarbeiter jeweils 160 Euro betragen, werden 50 Euro als Arbeitslohn betrachtet, für den Lohnsteuer abzuführen ist. Der Vorsteuerabzug aus den Aufwendungen dieser 18 Mitarbeiter entfällt komplett.

So wird die 110-Euro-Grenze ermittelt

Um steuerlich auf Nummer Sicher zu gehen und den Wegfall des Vorsteuerabzugs und die Fälligkeit von Lohnsteuer zu verhindern, sollten Betriebsinhaber die Feier so durchkalkulieren, dass die Teilnehmer selbst bei Nichtanwendung der positiven Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs noch unter der 110-Euro-Grenze bleiben.

Beispiel: Sie mieten für die Weihnachtsfeier ein Ritteressen. Die Saalmiete beträgt 1.000 Euro, Speisen und Getränke 3.000 Euro und eine Minne-Sängerin 500 Euro. Zu der Veranstaltung sind 80 Gäste eingeladen. 25 Arbeitnehmer bringen jeweils eine Begleitperson mit.

So rechnet das Finanzamt: Das Finanzamt geht derzeit von Gesamtkosten von 4.500 Euro und von Pro-Kopf-Kosten je Teilnehmer von 56 Euro aus (4.500 Euro : 80 Teilnehmer). Es rechnet die Kosten für die Begleitperson dem Arbeitnehmer zu. Das führt dazu, dass die Pro-Kopf-Kosten für die 25 Arbeitnehmer mit Begleitung bei 112 Euro liegen. Für die auf diese Arbeitnehmer entfallenden Kosten wird Lohnsteuer fällig und der Vorsteuerabzug ist verloren.

Praxis-Tipp: In dem BMF-Schreiben v. 14.10.2015 finden Sie auch Hinweise, welche Kosten in die Gesamtkosten der Weihnachtsfeier zur Ermittlung der 110-Euro-Grenze einzubeziehen sind. Liegen die Kalkulierten Kosten über der 110-Euro-Höchstgrenze, sollten Sie klären, ob wirklich alle erfassten Aufwendungen zu Gesamtaufwendungen rechnen. Rechnerische Selbstkosten (anteilige Lohnaufwendungen für eigene Mitarbeiter, die mit der Organisation der Feier tätig werden, Kosten für Heizung und Wasser in den eigenen Räumlichkeiten) gehören beispielsweise nicht in den Gesamtbetrag der Aufwendungen für die Weihnachtsfeier.

Lohnsteuerprüfung: Mit Musterprozess beim Bundesfinanzhof kontern

Bei einer Lohnsteuerprüfung des Finanzamts erleben viele Arbeitgeber oftmals eine böse Überraschung. Und zwar dann, wenn von den geladenen Gästen viel Gäste die Weihnachtsfeier absagen. Denn das Finanzamt geht bei Ermittlung der 110-Euro-Grenze von den tatsächlich feiernden Gästen und nicht von den geladenen Gästen aus. Doch das sieht das Finanzgericht Köln ganz anders. Bei der 110-Euro-Grenze soll stets die Anzahl der geladenen Gäste herangezogen werden (FG Köln, Urteil v. 27.6.2018, Az. 3 K 870/17).

Beispiel: Sie laden 40 Gäste zur Weihnachtsfeier ein. Für Catering und Band fallen 4.200 Euro. Wegen einer Grippewelle nehmen nur 30 Gäste an der Feier teil.

  So rechnet das Finanzamt So rechnen Sie
Kosten für Feier 4.200 Euro 4.200 Euro
Kosten je Teilnehmer 140 Euro (4.200 Euro : 30 Gäste) 105 Euro(4.200 Euro : 40 Gäste)
Lohnsteuer Ja Nein
Vorsteuererstattung Nein ja

Gegen nachteilige Lohnsteuerhaftungsbescheide nach einer Lohnsteuerprüfung sollten Arbeitgeber Einspruch einlegen und mit Hinweis auf einen Musterprozess zu dieser Angelegenheit ein Ruhen des Verfahrens beantragen (BFH, Az. VI R 31/18). Das heißt es abwarten, ob der Bundesfinanzhof das Urteil des Finanzgerichts Köln bestätigt.

Weihnachtsgeld 2018: Gehaltsumwandlung steuerfrei

Arbeitnehmer, die für ihr Alter durch eine betriebliche Altersvorsorge vorsorgen, profitieren 2018 von einer höheren Steuerfreistellung ihrer Beitragszahlungen. Stammen die Beiträge zu einer betrieblichen Altersvorsorge aus einer Gehaltsumwandlung, gilt Folgendes (Steuerrecht - § 3 Nr. 63 EStG; Sozialversicherungsrecht - § 1 Abs. 1 Nr. 9 Sozialversicherungs-Entgeltverordnung):

Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds Direktzusage, Unterstützungskasse
Steuerfreiheit bei Entgeltumwandlung bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrundlage West In unbegrenzter Höhe
Sozialversicherungsfreiheit bei Entgeltumwandlung bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrundlage West bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrundlage West

Damit bleiben 2018 Beitragszahlungen in Höhe von bis zu 6.240 Euro (8 Prozent von 78.000 Euro) steuerfrei und in Höhe von 3.120 Euro (4% von 78.000 Euro) beitragsfrei.

Weitere beliebte Steuertipps für die Weihnachtszeit

Private Geschenke: Beschenken Sie Kunden oder Geschäftsfreunde zur Weihnachtszeit, achten Sie darauf, dass die Geschenkaufwendungen nur bis zu einem Nettobetrag von 35 Euro pro Jahr und Empfänger als Betriebsausgaben abgezogen werden dürfen. Bei Überschreitung der 35-Euro-Grenze kippen der Betriebsausgaben- sowie der Vorsteuerabzug.

Betriebliche Geschenke: Kann der beschenkte Kunde oder Geschäftspartner sein Präsent ausschließlich betrieblich nutzen (z.B. Werkzeug), dürfen die Kosten auch dann gewinnmindernd verbucht werden, wenn die Kosten über dem Nettobetrag von 35 Euro liegen.

Rabatte: Zur Mitarbeiter-Motivation können Sie Ihren Mitarbeitern zur Weihnachtszeit einen 100 Prozent-Rabatt auf Waren und Dienstleistungen gewähren. Bei Zuwendungen bis zu 1.080 Euro pro Jahr muss der Arbeitnehmer für diesen Vorteil weder Lohnsteuer noch Sozialabgaben bezahlen.

Gutscheine: Verkaufen Sie in der Weihnachtzeit doch mal Geschenkgutscheine. Auf den Gewinn wirkt sich der Gutscheinverkauf erst aus, wenn der gekaufte Gutschein (ggf. nächstes Jahr) eingelöst wird. Umsatzsteuer wird auch erst bei der späteren Einlösung des Gutscheins fällig, wenn der Gutscheininhaber alle Leistungen des Waren- und Dienstleistungssortiments mit seinem Gutschein abrufen kann.

Handwerker-Bonus: Machen Sie doch Werbung mit dem Handwerkerbonus. Um die Weihnachtszeit haben die meisten potentiellen Kunden mehr Geld auf dem Konto und erteilen vielleicht einen Auftrag, um mit der Steueranrechnung für Handwerkerleistungen von 20 Prozent der Arbeitsleistung, maximal 1.200 Euro pro Jahr, die Steuerlast 2018 noch gezielt drücken zu können.

Lohnsteuerfreibetrag: Beliebt ist auch die Beantragung eines Lohnsteuerfreibetrags für 2018. Das ist bis 30. November 2018 möglich. Hier melden Arbeitnehmer dem Finanzamt schon jetzt sämtliche Werbungskosten des Jahres 2018. Das Finanzamt gewährt einen Lohnsteuerfreibetrag, der bei Ermittlung des Dezembergehalts zum Einsatz kommt. Folge: Weniger Lohnsteuer und somit ein höheres Dezember-Nettogehalt.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten