Zum Schluss der Ausbildung -

Studium ohne Abitur Wegweiser für Meister und Gesellen

Der Meisterbrief gilt als Abiturersatz und ermöglicht es jedem Handwerksmeister, ein Studium aufzunehmen. Doch auch mit einer Ausbildung und drei Jahren Berufserfahrung ist das Studium ohne Abitur mittlerweile bundesweit möglich. Allerdings gelten je nach Bundesland andere Zugangsbedingungen. Einen Überblick.

Da der Anteil der Erstsemester mit Gesellen- oder Meisterbrief noch immer niedrig, ist nach Ansicht von Bildungsexperten mehr Aufklärung und Information über die Möglichkeiten zum Studium ohne Abitur nötig. Immerhin ist es mittlerweile in allen Bundesländern möglich. Doch bislang hat nur gut einer von 50 Studienanfängern den Weg an die Universität nicht über die Schule, sondern den Beruf gefunden, ermittelte das Centrum für Hochschulforschung (CHE).

Der Meisterbrief macht es einfach

Um besser über die einzelnen Studienmöglichkeiten zu informieren, hat das CHE deshalb ein Onlineportal eröffnet. Denn trotz der grundsätzlichen bundesweiten Möglichkeiten, sind die Regelungen in den Bundesländern immer noch sehr unterschiedlich. Und "für beruflich Qualifizierte gibt es viel zu wenig Beratungsmöglichkeiten", kritisiert Sigrun Nickel, Projektleiterin im CHE.

Zwar ändert auch das Internet-Portal studieren-ohne-abitur.de nichts an den oft komplizierten Zulassungsverfahren. Es gibt Studieninteressenten jedoch einen guten Überblick und zahlreiche Detailinformationen über die Regelungen in den Bundesländern beziehungsweise für bestimmte Fachrichtungen.

Vergleichsweise leicht haben es demnach Studienbewerber mit Meisterbrief. Dieser gilt in allen Bundesländern als Abiturersatz, allerdings müssen Meister beispielsweise in Baden-Württemberg an einem Beratungsgespräch teilnehmen. Bayern behält sich zudem vor, Fortbildungsabschlüsse aus anderen Bundesländern anzuerkennen.

Wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und weitere drei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, hat in einigen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen oder Berlin automatisch die fachgebundene Hochschulzulassung. Damit ist ein Studium in einem Fach möglich, das in "fachlicher Nähe" zur Berufsausbildung steht. Ob diese Bedingung erfüllt ist, entscheidet allerdings die Universität beziehungsweise Fachhochschule. In einigen Bundesländern ist zudem ein Eingangstest notwendig.

"Fachfremde" ohne Abitur haben es schwer

Schwieriger ist der Hochschulzugang, wenn Beruf und Wunschfach wenig oder gar nichts miteinander zu tun haben. In Bayern oder Rheinland-Pfalz, aber auch in Brandenburg und Bremen gibt es der Datenbank "hochschulkompass" zufolge so gut wie keine Studienmöglichkeiten für "Fachfremde" ohne Abitur.

In Nordrhein-Westfalen stehen hingegen rund 670 Studiengänge zur Wahl, Studienanfänger müssen aber in der Regel eine Aufnahmeprüfung bestehen. Einige Universitäten knüpfen die Zulassung zum Studium an ein erfolgreich absolviertes Probesemester.

Schließlich müssen Bewerber ohne Abitur auch bedenken, dass die Anerkennung ihres Abschlusses noch keinen Studienplatz garantiert. Für viele Studienfächer gilt eine Zulassungsbeschränkung, die sich meist nach der Zeugnisnote oder Wartesemestern richtet.

Weil die Abschlussnoten von Bewerbern mit Berufsausbildung nur schwer mit Abiturnoten zu vergleichen sind, gelten an vielen Hochschulen besondere Zulassungsregeln: An der Ruhr-Universität Bochum beispielsweise sind in zulassungsbeschränkten Studiengängen drei Prozent aller Studienplätze zunächst für Bewerber ohne Abitur reserviert. jtw/dapd

Mehr zum Thema erfahren Sie auch im Beitrag "Wie und wo Meister studieren können".

Das neue Portal des CHE erreichen Sie unter studieren-ohne-abitur.de.

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