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TV-Kritik: WDR-Doku-Serie zur Handwerksausbildung WDR-Doku-Reihe: Azubis zeigen, warum das Handwerk sie begeistert

So viel Handwerk auf einen Schlag war selten im Fernsehen. In einer vierteiligen Doku-Serie begleitet der WDR derzeit Azubis unterschiedlicher Gewerke und ihre Ausbilder bei ihrer täglichen Arbeit. Am heutigen Montag läuft die zweite Folge. Dabei geht es - aufgrund der zuvor abgeschlossenen Dreharbeiten ganz ohne Corona-Krise - um die kleinen Widrigkeiten des Alltags genau wie um die großen Herausforderungen der Branche.

Sie sind Dachdecker, Installateure, Tischler, Straßenbauer - oder sie wollen genau das noch werden. Die Charaktere, die der WDR für seine Doku-Serie "Passt, wackelt und hat Luft" als Protagonisten ausgewählt hat, sind wie ein munterer Querschnitt durch die Branche. Dachdecker-Lehrling Nick geht äußerst konzentriert zu Werke und schaut sich clever die Tricks und Kniffe von seinem Ausbilder ab.  Tischler-Azubi Alex hat sein Studium abgebrochen ("das war nichts für mich") und arbeitet sehr bedacht und mit Köpfchen. Der angehende Straßenbauer Can ist mehr der Anpacker, der Handwerk vor allem über die erste Silbe des Wortes definiert. Für Rohr-, Kanal- und Industrieservice-Lehrling Luca ist sein Ausbilder eine Art Vaterfigur - und Luca umgekehrt "der Sohn, den ich nie hatte". Und Garten- und Landschaftsbau-Azubi Robin werkelt in einer kürzeren Ausbildung frei von der Leber weg an Rosen in Gärten genau wie auf größeren Baustellen, auch wenn sein Beruf der IHK-Zugehörigkeit halber streng genommen kein Handwerk darstellt.

Die Ausbilder ihrerseits sind ebenfalls bunt gemischt. Der lockere Kumpeltyp kommt genauso vor wie der harte, fordernde Ausbilder-Knochen. Dabei macht es, so der Eindruck aus den ersten Folgen, übrigens kaum einen Unterschied, ob Frauen oder Männer als Lehrling oder Ausbilder miteinander arbeiten - die Zusammenarbeit, das Fachliche, aber auch das Menschliche sind die deutlich wichtigeren Komponenten. Und man sieht: Frauen im Handwerk sind beileibe keine Seltenheit mehr.

Handwerker als ursprüngliche Typen

Neben den ganzen Unterschieden bei den Charakteren und zwischen den Gewerken vermittelt die Reihe aber dann doch ein Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Handwerks - irgendwie, das bleibt beim Zuschauer hängen, sind das ursprüngliche, sympathische Typen. Natürlich ist die Realität komplexer, und gerade in den ersten beiden Folgen der Serie kommt das Zwischenmenschliche hinter dem Handwerklich-Fachlichen an mancher Stelle auch etwas zu kurz - aber angesichts des immer wieder gerade im Fernsehen praktizierten Handwerker-Bashings, etwa bei Tests in Verbrauchersendungen, tut so eine Herangehensweise auch mal ganz gut.

Etwas klischeehaft, aber sympathisch

Es geht nämlich meist recht locker zu in dieser Reihe des WDR, die der Kölner Sender zu Recht unter dem Label "Dokutainment", also einer Mischung aus Dokumentation und Unterhaltung, verkauft. Die Teams von Auszubildendem und Ausbilder bilden das Herzstück der Reihe, und sie sprechen in einer erfrischenden Sprache miteinander und pflegen einen derart handfest-herzlichen Umgang, dass es schon beinahe ein wenig zu klischeehaft für das Handwerk rüberkommt. Alles in allem aber wird ein positives Bild der Branche in ihren verschiedenen Facetten gezeigt. Anpacker, die im Sinne ihrer Kunden unterwegs sind, Kreative, die sich in ihrer Arbeit immer auch ein wenig selbst verwirklichen - aber auch harte Jungs, für die Arbeit eben vor allem das beherzte Wegschaffen dessen ist, was ansteht. Entsprechend kommt auch die Musik entweder locker-flockig daher oder mit harten Gitarrenklängen, wenn es etwa beim Straßenbau zur Sache geht. Das Bild des Handwerks in den ersten Folgen ist ein durchaus positives, wobei der unterhaltende Faktor sehr stark dominiert. Intensive fachliche Einblicke sind zunächst eher Mangelware. Herausforderungen der Branche werden nur in wohldosierten Mengen angesprochen - die Ausbildung von Flüchtlingen etwa schildert die Serie zu Beginn, der Fachkräftemangel kommt ein wenig zu kurz. Dennoch lautet das Prädikat: sehenswert.

Informationen zur Sendung

"Passt, wackelt und hat Luft" läuft in insgesamt vier Folgen seit dem 20. April und noch bis einschließlich 11. Mai jeweils montags um 21 Uhr im WDR Fernsehen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Wiederholungen auf verschiedenen Sendeplätzen. Alle Folgen stehen nach der TV-Ausstrahlung auch in der ARD-Mediathek zum Abruf bereit. Die DHZ begleitet die Ausstrahlung - auch für alle, die nicht dazu kommen, sich die Sendungen anzusehen.

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