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Augmented Reality im Gebäudereiniger-Handwerk Wasser, Wischmopp und Datenbrille

Sensoren und Datenbrillen sollen die Gebäuereinigung effizienter machen und die Ausbildung erleichtern. Der Einzug der Augmented Reality im Handwerk könnte aber auch Arbeitsplätze kosten.

Die ARD-Krimireihe "Tatort" widmet der Augmented Reality gleich zwei Filme in dieser Saison. Auch der Erfolg der App Pokémon Go und die Entwicklung von Datenbrillen wie Microsoft HoloLens schaffen viel Aufmerksamkeit für das Thema.

Wer von Augmented Reality spricht, meint die Erweiterung der Wahrnehmung des Menschen durch digitale Elemente – Realität und Virtualität verschmelzen mithilfe einer Datenbrille zu einem Gesamtbild. In den nächsten Jahren könnte Augmented Reality auch Arbeitsprozesse in der Wirtschaft umkrempeln.

Großes Potenzial bietet die Technik für das Gebäudereinigerhandwerk. Martin Cudzilo, Inhaber einer Reinigungsfirma, hat die Software "AR-Check" erfunden, um Arbeitsabläufe seines Personals mit digitaler Hilfe zu vereinfachen. Seine Produktidee hat er sich inzwischen patentieren lassen und will sie nun auf den Markt bringen. Das Interesse ist groß. Neben Unternehmen aus der Branche wollen millionenschwere IT-Konzerne einsteigen. Cudzilo ist überzeugt, dass das Produkt in den nächsten zwei Jahren verfügbar ist.

Ausbildung per Software

Die Kombination aus Datenbrille, Software und mit Sensoren ausgestattetem Reinigungsgerätem soll ungelerntes Personal ohne lange Ausbildung zu qualifizierten Fachkräften machen. Das klingt gewagt, schließlich ist die Gebäudereinigung ein anerkannter Handwerksberuf, dessen Ausbildung drei Jahre dauert. Auch die Einarbeitung ausländischer Mitarbeiter soll dank der Software mühelos funktionieren. Die Augmented Reality wäre so auch ein Integrationswerkzeug für den Arbeitsmarkt.

Augmented Reality-Gebäudereiniger2

Was eher realitätsfern als -erweiternd klingt, wird bei einem Blick auf die Funktionsweise der Software nachvollziehbar: Wichtigste Arbeitskleidung für die Reinigungskraft der Zukunft ist die Datenbrille. Über diese erhält sie alle Informationen, die für die professionelle Gebäudereinigung benötigt werden. Wer sich mit Anweisungen auf Deutsch schwertut, wählt einfach seine Landessprache aus. Von Arabisch bis Chinesisch, jede Sprache kann in die Software eingespielt werden. "Fehlende Sprachkenntnisse müssen kein Hinderungsgrund mehr für eine Einstellung sein", sagt Cudzilo. Der Personalverantwortliche spare kostbare Zeit bei der Einweisung und vermeide Missverständnisse, die zu Fehlern führen.

Putzen von Rot nach Grün

Neue Mitarbeiter können sich über die Datenbrille Erklärvideos zu den Reinigungsvorgängen vorspielen lassen. Danach werden die Reinigungsaufträge Schritt für Schritt abgearbeitet. Noch nicht behandelte Oberflächen markiert die Datenbrille rot. Erst wenn alles vollständig gereinigt wurde, färbt sich die Markierung zu Grün. Doch wie kann eine Software richtiges Putzen kontrollieren?

Entscheidend sind Sensoren an den Reinigungsgeräten, die mit der Datenbrille kommunizieren. Sensoren im Handschuhgummi der Reinigungskraft erkennen zum Beispiel, mit welchem Anpressdruck und in welcher Geschwindigkeit gearbeitet wird. "Anhand dieser Parameter erkennt die Software, ob Tisch oder Toilette gründlich gereinigt worden sind", erklärt Cudzilo.

Kontrolle per Datenbrille

Über die Software kann auch festgelegt werden, wie häufig Objekte gereinigt werden müssen. "Das Programm weiß dann, dass die Toilette täglich sauber gemacht werden muss und die Fenster nur monatlich", sagt Cudzilo. Damit ließen sich überflüssige Arbeiten vermeiden.

Die Datenbrille erkennt per Kamera anhand einer Farbcodierung, ob für die Reinigung das passende Hilfsmittel genutzt wird. Wer mit dem Toilettenschwamm über den Schreibtisch fährt, bekommt einen Fehlerhinweis. Zudem könnte die Software mit QR-Codes auf den Reinigungsmitteln erkennen, ob diese für den Vorgang geeignet sind.

Cudzilos Software hat allerdings auch Schwächen. Schmutz auf den Oberflächen erkennt sie nicht und kann nur anhand der Reinigungstechnik auf den Reinigungserfolg schließen. Wird der Betriebsinhaber über die abgeschlossene Reinigung informiert, kann er daraus nicht schließen, dass jedes Fenster streifenfrei ist. Zudem hat die AR-Technik auf unvorhergesehene Reinigungsarbeiten noch keine Antwort parat. Ist eine volle Kaffeetasse umgekippt, muss die Reinigungskraft ohne Anweisung selbstständig reagieren.

Augmented Reality könnte Mitarbeiter sparen

Cudzilo erwartet, dass Abnehmer seiner Software durch die steigende Effizienz 20 bis 30 Prozent ihrer Kosten sparen können. Das dürfte allerdings auch zu Lasten einiger Mitarbeiter gehen, die durch die Digitalisierung in der Gebäudereinigung ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Zur Markteinführung will Cudzilo sein Programm und das Zubehör auf einer Online-Plattform anbieten. Neue Reinigungsgeräte benötigen Interessenten nicht. Die Sensoren sollen als Nachrüstsets für Altgeräte angeboten werden. Für die Nutzung der Software werden Kunden eine Lizenzgebühr in Form eines Abo-Modells zahlen. Genaue Beträge kann Cudzilo noch nicht nennen, weil diese von der gesamten Kostenentwicklung der Augmented-Reality-Technik abhängen würden.

Geht Cudzilos Plan auf, könnte es die Augmented Reality bald vom "Tatort" ins Handwerk schaffen.

Weitere Infos zur Software finden Sie unter www.ar-check.com

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