Betrieb -

Bericht der Drogenbeauftragten Drogen und Sucht – Wenn Mitarbeiter berauscht sind

Viele Jugendliche kiffen. Wie der aktuelle Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zeigt, gehört Cannabis in Deutschland und Europa zu den am häufigsten konsumierten Drogen. Doch was passiert, wenn ein Mitarbeiter oder Lehrling berauscht zur Arbeit kommt? Wie kann oder muss der Arbeitgeber hier eingreifen und was kann er tun, wenn er nur einen leisen Verdacht hat? Ein Leitfaden gibt Auskunft.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Kündigung: Tipps und Fallstricke
Viele Jugendliche kiffen.
Cannabis ist die meistkonsumierte illegale Droge in Deutschland, aber gleichzeitig nimmt nach dem aktuellen Bericht der Bundesregierung auch die Verbreitung synthetischer Drogen zu. -

Etwa fünf Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland konsumierten im vergangenen Jahr Cannabis. Ein Drittel der Personen, die wegen Drogenproblemen 2011 eine Suchtberatungsstelle aufsuchten, wiesen einen problematischen Cannabiskonsum auf. So ist das Kiffen mittlerweile die meist konsumierte Droge in Deutschland und Europa. Das zeigten die Jahresberichte der der deutschen und europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, die die Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans am Donnerstag vorstellte.

Neben dem Konsum von Cannabis nimmt aber auch der Anteil der Konsumenten von synthetischen Drogen und Stimulanzien wie Amphetaminen und Ecstasy zu. Zwar sind die Zahlen der Drogenabhängigen insgesamt nicht angestiegen, doch sie bleiben beunruhigend hoch. Das zeigt auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in ihrem Jahrbuch "Sucht 2012".

Bericht der Drogenbeauftragten
© DBDD

Demnach sind rund 1,3 Millionen Deutsche alkoholanhängig. Weniger bekannt ist, dass bis zu 1,9 Millionen Deutsche medikamentenabhängig sind. Sucht ist ein Alltagsproblem und die meisten Menschen hängen immer noch an legalen Drogen.

Gefahren am Arbeitsplatz

Problematisch wird es auch, wenn die Sucht Auswirkungen auf das Arbeitsleben hat. Dann müssen Arbeitgeber eingreifen, denn hach der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" sind Arbeitgeber nach dem § 7 dazu verpflichtet, auf die Arbeitssicherheit im Betriebe und damit darauf zu achten, dass Personen, die erkennbar nicht in der Lage sind, Arbeitsaufgaben ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, davon ferngehalten werden.

Grundlage der Unfallverhütungsvorschriften ist das siebte Sozialgesetzbuch (SGB VII). Und darin ist auch für Mitarbeiter vorgeschrieben, dass sie durch ihr Verhalten weder sich selbst noch andere gefährden dürfen. Nach § 15 SGB VII gilt das auch für den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln, die einen gefährdenden Zustand verursachen können.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen weist darauf hin, dass es in der Verantwortung des Vorgesetzten liegt, unmittelbar zu prüfen, ob der Betroffene die Arbeit noch ohne Gefährdung für andere ausführen kann, wenn Hinweise vorliegen, dass ein Beschäftigter unter akutem Einfluss einer psychoaktiven Substanz steht.

Schritt für Schritt zum Ziel

Als Unterstützung geben die Suchtexperten auf ihrer Internetseite sucht-am-arbeitsplatz.de einen Stufenplan für das Vorgehen der Arbeitgeber vor, falls diese einen Verdacht haben, dass ein Mitarbeiter oder Lehrling süchtig ist. Er sieht folgendes vor:

  • Um ein Gespräch zu beginnen, muss demnach immer ein konkreter Anlass für die Einleitung der Intervention vorliegen. Es müssen also Auffälligkeiten bei den Mitarbeitern festgestellt werden, dass diese von Suchtmitteln Gebrauch gemacht haben. "Auffälligkeiten" bedeuten, dass ein Verstoß gegen arbeitsvertragliche bzw. dienstrechtliche Pflichten oder deren Vernachlässigung stattgefunden hat.
  • Danach sollte sich der Arbeitgeber das Ziel der Intervention klarmachen. Ziel sollte es immer sein, dem Arbeitnehmer seine Pflichten klarzumachen, die er mit seinem Arbeitsvertrag eingegangen ist. Dem Beschäftigten sollte konkrete Unterstützung angeboten werden – möglicherweise auch durch externe Hilfeangebote. Dann sollte der Arbeitgeber seinem Angestellten aber auch über mögliche Sanktionen aufklären, die greifen, sofern erneute Pflichtverletzungen sichtbar werden.
  • Da es generell schwierig ist, Menschen mit Suchtproblemen auf ihren Substanzkonsum, bzw. auf ihr Suchtverhalten anzusprechen, sollte vor dem Gespräch eine gute Vorbereitung stattfinden. Die Betroffenen reagieren mit sehr unterschiedlichem Abwehrverhalten, wenn sie auf ihren riskanten oder gar schädlichen Konsum und damit verbundenes Fehlverhalten angesprochen werden. Manche werden aggressiv, andere versuchen eher Mitleid zu wecken oder geben sich gleichgültig. Das Abwehrverhalten sollte nicht als bewusstes und berechnendes Verhalten betrachtet werden. Betroffene sind durch eine Suchtproblematik eventuell nicht in der Lage, anders auf Kritik zu reagieren.
  • Nach dem ersten Gespräch muss der Arbeitgeber beobachten, ob eine positive Verhaltensänderung dazu geführt hat, dass die arbeitsvertraglichen Pflichten erfüllt werden. Bei positiver Änderung sind keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen einzuleiten. Doch in jedem Fall sollte nach sechs bis acht Wochen ein Rückmeldegespräch durchgeführt werden. Bei erneuter Vernachlässigung von Pflichten oder Störungen am Arbeitsplatz wird das zweite Gespräch des Stufenplans eingeleitet.
  • Dieses Muster sollte der Arbeitgeber bis zu vier Stufen bzw. vier Gesprächen beibehalten. Kommt es nach dem vierten Stufengespräch weiterhin zu Auffälligkeiten, so werden im fünften und letzten Gespräch letztmalig Unterstützungen und Hilfeangebote unterbreitet. Eine Weigerung der Aufnahme einer Therapie hat zur Folge, dass ein Kündigungsverfahren eingeleitet wird bzw. disziplinarrechtliche Entscheidungen herbeigeführt werden.

Für dieses Konzept hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen auch einen ausführlichen Leitfaden erstellt, der alle Schritte nochmals genauer darlegt. Er kann hier heruntergeladen werden.

Externe Unterstützungsangebote sowie Beratungsstellen zum Thema finden Sie hier.

Hier lesen Sie mehr über den Bericht der Drogenbeauftragtes der Bundesregierung.

Eine Zusammenstellung der Informationen zum Jahrbuch "Sucht 2012" bekommen Sie hier.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten