Kinostart am 8. November Was Frauen um halb vier machen

Eine junge Bäckerin kämpft gegen den Ruin des Familienbetriebs. Der Kinofilm "Was machen Frauen morgens um halb vier? startet am 8. November in den Kinos. Gedreht wurde in zwei bayerischen Bäckereien.

Daniela Lorenz

Brigitte Hobmeier in einer Filmszene in der Backstube. Gedreht wurde in zwei oberbayerischen Betrieben in Holzkirchen und Bad Tölz. - © Movienet Film GmbH

Mit beiden Händen knetet Franzi Schwanthaler den Teig, ihre Wangen sind mit Mehl verschmiert. Nachdem ihr Vater einen Herzinfarkt erlitten hat, führt die Tochter den Familienbetrieb weiter. Da stellt sie fest, dass die Bäckerei kurz vor der Pleite steht. Als dann auch noch ein Discountbäcker im Dorf öffnet und Semmeln für zehn Cent verkauft, scheint das Schicksal besiegelt. Doch nicht mit der resoluten Bäckermeisterin. Sie krempelt die Ärmel hoch, sucht nach neuen Absatzmärkten – und findet sie im Nahen Osten.

Mehr wird nicht verraten, denn der deutsche Film startet am 8. November in den Kinos – zunächst nur in Bayern. 2013 wird er dann als Weihnachtskomödie in der ARD zu sehen sein. Wer ihn jetzt nicht im Kino sehen kann, muss aber nicht so lange warten: Im Frühjahr 2013 ist er auch auf DVD erhältlich. In den Hauptrollen sind Brigitte Hobmeier (wird 2013 die Buhlschaft im Salzburger "Jedermann" spielen), Muriel Baumeister, Thomas Unger (der neue "Garmisch-Cop") und Peter Lerchbaumer zu sehen.

Die Szenen rund um Bäckerei und Backstube wurden in zwei oberbayerischen Betrieben gedreht. Schauplatz für die Außenfassade und den Laden war die Bäckerei Ludwig Bauer im malerischen Bad Tölz. "Die Dreharbeiten waren anstrengend, aber auch interessant", erzählt Betriebsinhaber Ludwig Bauer. "Wir hatten während dieser Zeit Betriebsurlaub, denn die Dreharbeiten wären neben dem Kundenbetrieb schlecht gegangen."

Super nett, aber auch anstrengend

Nicht zu modern sollte die Backstube für den Film sein, um eine alteingesessene Bäckerei darzustellen. Gefunden hat das Filmteam die geeignete Backstube in Holzkirchen bei München. "Das Team war super, ganz nett, aber es war auch anstrengend", stimmt Inhaber Robert Hohenadl mit Ludwig Bauer überein. Während Ludwig Bauer seinen Betrieb geschlossen hatte, lief bei Robert Hohenadl das Tagesgeschäft weiter. Allerdings konnte er seine Arbeit nicht wie gewohnt um zehn Uhr am Vormittag beenden: "Wir mussten um sechs Uhr mit unserer Arbeit fertig sein, dann kam das Drehteam und manchmal ging es dann bis nachts um 21 Uhr."

Das hieß für Robert Hohenadl immer wieder Stollen- und Breznteig für die Dreharbeiten anrühren. Für den Bäckermeister eine einmalige Erfahrung: "Es war sehr interessant, mitzuerleben, wie ein Film gedreht wird. Nach zehn Drehtagen hat es uns dann leidgetan, als das Team wieder weg war."

Die Darsteller mussten richtig ran an den Teig, immerhin geht es um einen Großauftrag und die Rettung der Bäckerei. Von Bäckermeister Hohenadl bekamen sie einen Schnellkurs im Backen von Brezn und Stollen. Brigitte Hobmeier, die aus einer Bäckerfamilie stammt, hat sich, so der Profi, "toll angestellt".

DHZ-Interview mit Hauptdarstellerin Brigitte Hobmeier

DHZ: Frau Hobmeier, Sie stammen aus einer Bäckerfamilie. Wie war es so aufzuwachsen?
Hobmeier: Das ist ein Traum für jedes Kind. Ich durfte in den Ferien immer zu meinen Großeltern, die in Niederbayern eine Bäckerei hatten. Ich war dann die ganzen Ferien über da, durfte in der Backstube mithelfen, zuschauen und probieren. Meistens kam ich ein paar Kilo schwerer wieder nach Hause, weil ich so viel Tortenbodenteig geschleckt hatte. Inzwischen hat mein Onkel die Bäckerei übernommen und ich fahre immer noch gerne hin, denn ich kenne keine besseren Semmeln als seine. Dort wird noch alles selbst gemacht, in der Bäckerei wie in der Konditorei, auch der Blätterteig. Wenn ich heute hinkomme, ist mein erster Weg immer noch in die Bäckerei und wenn ich wegfahre, ist meine Tasche voll Brot, Knödelbrot und Semmeln. Der Ort bedeutet für mich viele schöne Erinnerungen.

DHZ: Haben Sie bei diesen Voraussetzungen für Ihre Hauptrolle noch einmal Backen lernen müssen?
Hobmeier: Die Bewegungen kenne ich ja tatsächlich von meinem Onkel. Ich bin als Kind immer neben ihm gesessen, wenn er Brezn gedreht hat. Das sind Bewegungen, die bei mir Kindheitserinnerungen auslösen: Wie ich in der Backstube mithelfen durfte und von rechts nach links gerannt bin, um die durchgedrehten Würste der Brezn von der einen Arbeitsfläche auf die andere zu tragen. Ich erinnere mich auch an meinen Onkel, wie er den Brotteig knetet. Diese sinnliche Erfahrung, wie man mit Teig arbeitet und wie er sich anfühlt, war mir nicht fremd. Aber inzwischen ist einige Zeit vergangen und für den Film musste ich jetzt natürlich üben, wie man eine Breze wirklich dreht und wie man diese Schlinge da reinkriegt oder wie man zwei Brote gleichzeitig knetet. Wenn ich aus der Maske kam, habe ich immer gleich in der Bäckerei gefragt: "Wo darf ich Teig kneten?" So habe ich mich vorbereitet, damit man mir das in der Szene dann auch glaubt. Natürlich habe ich auch meinem Onkel gegenüber den Stolz, dass er mich nicht auslacht, wenn er den Film sieht und sagt: "Wie hast du dich denn da angestellt?"

DHZ: Hat sich durch den Film Ihre Einstellung zum Bäckerhandwerk verändert?
Hobmeier: Meine Einstellung zum Bäckerhandwerk war und ist immer voller Achtung und Ehre. Bäckerhandwerk steht für Qualität, Kreativität und größte Verantwortung in der Verarbeitung von Lebensmitteln. Im Gegensatz dazu stehen bei Aufbackdiscountern ja keine Personen mehr dahinter und dadurch geht verloren, dass die Menschen wissen, was es bedeutet, eine Brezen herzustellen und dass das ein relativ langer Arbeitsprozess ist.