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Nachwuchs bleibt bestimmendes Thema Was Handwerksbranchen von 2018 erwarten

Branchen-Ausblick auf 2018: Fachkräftesuche und Gewinnung von Lehrlingen stehen vielfach im Vordergrund. Die viel diskutierte, mögliche Wiedereinführung der Meisterpflicht sehen einige als Chance, andere wiederum als Risiko.

Konjunkturell könnte es für das Handwerk im Moment kaum besser laufen. Unabhängig davon gibt es die eine oder andere Herausforderung, mit der sich die Branchen auseinandersetzen müssen. Die DHZ wollte wissen, was die Gewerke im kommenden Jahr am meisten beschäftigt, aber auch, welche Chancen sich ergeben. Das Ergebnis: Nachwuchssuche , Nachfolge und Digitalisierung treiben die Betriebe um. Bewusst kommen dieses Mal auch ein paar kleinere Gewerke zu Wort.

Maler und Lackierer

Maler

Die Maler wollen bundesweit eine "attraktive und durchschlagende" Nachwuchskampagne aufbauen. "Damit stehen wir nicht allein, sondern im Gegenteil in einem harten Wettbewerb um die Köpfe und Herzen der jungen Leute", sagt Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsfürer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz. Parallel dazu will der Verband die Ausbildungsordnung neu gestalten.

Die Digitalisierung soll der Branche neue Chancen bieten – dem Verband selbst aber auch. Denn, so Bucksteeg, der Organisationsgrad der Betriebe könne die Innungen nicht zufriedenstellen. Die Meisterpflicht wieder auszudehnen, sieht der Verband dagegen als Risiko. Dieser Vorstoß könne nach hinten losgehen.

Dachdecker

Auch für die Dachdecker ist der Nachwuchsmangel die größte Herausforderung. Trotz eigentlich guter Bedingungen sinken die Ausbildungszahlen. Der Zentralverband will Innungen und Betriebe bei der Lehrlingssuche deshalb stärker unterstützen, zum Beispiel mit der Bewerberplattform dachdecker­deinberuf.de und dem Ausbildungsknigge.

Größte Chancen sieht der Verband in der guten Auftragslage. Allerdings profitiere die Branche nur bedingt vom Bauboom. Ein Grund ist der überwiegende Geschossbau, also der Bau von Wohnungen, für die nur wenige Dächer gebraucht werden. Die Betriebe hoffen deshalb auf die Förderung der energetischen Sanierung, die vor allem den Dachdeckern nutzen würde.

Maßschneider

Maßschneiderin

Nachwuchsgewinnung und Nachfolgesicherung bewegen die Maßschneider ebenfalls am meisten. Der Verband will deshalb die Zahl der Betriebe erhalten und ihre Ausbildungsbereitschaft erhöhen, "damit die nach wie vor hohe Anzahl an qualifizierten Bewerbern ausgebildet werden kann", sagt Inge Szoltysik-Sparrer, Vorsitzende des Bundesverbandes der Maßschneider.

Die Branche will aber auch "am Kleidungsbewusstsein der Bevölkerung rütteln", denn die Schneider spüren einen Sinneswandel bei der Frage, wo und wie Kleidung hergestellt wird. Neben den Kunden, die von vornherein einen hohen Qualitätsanspruch mitbringen, gebe es einen Trend zur Nachhaltigkeit.

Schornsteinfeger

Schornsteinfeger

Noch gibt es laut Bundesverband (ZIV) kaum unbesetzte Lehrstellen, doch die Schornsteinfeger brauchen in den kommenden Jahren deutlich mehr Mitarbeiter, als zurzeit ausgebildet werden. Der Appell gehe daher an die Betriebe, mehr auszubilden als nötig, um erst gar keinen Mangel an Fachkräften entstehen zu lassen.

Neben den Kernaufgaben sieht der Verband das Erschließen neuer Tätigkeitsfelder als Weg, jungen Menschen einen Beruf mit Perspektive zu bieten. Der ZIV will außerdem gegen die Aufweichung von Sicherheitsstandards kämpfen.

Kürschner

Die Kürschner sehen derzeit vor allem Chancen. Wolfgang Lastner ist begeistert von der Entwicklung ihres jungen Labels "WePreFur". Die von den "WePreFur"-Mitgliedern verwendeten Felle stammen aus nachhaltiger, waidgerechter Jagd. "Jeder unserer Teilnehmer verzeichnet einen Anstieg in der Nachfrage von 'WePreFur'-Materialien", freut sich der Vizepräsident des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks. Stärker nachgefragt würden auch die anderen Dienstleistungen der Kürschner wie Umarbeitungen und Änderungen. Das Motto "Natur statt Plastik und Sondermüll" habe etliche Kunden zum Nachdenken angeregt.

Fleischer

Das Konsumklima ist gut. Umso mehr klagen die Fleischer über Nachwuchsmangel. Die Fachkräftesicherung bleibe die größte Herausforderung. Denn der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) erwartet, dass die wirtschaftliche Situation der Betriebe auch 2018 so gut bleibt wie in diesem Jahr. Mehr noch – die Betriebe würden im kommenden Jahr ihre Auslastung weiter steigern, vermutet der DFV. Grund sei das Interesse der Kunden an hochwertigen, regionalen und handwerklich hergestellten Lebensmitteln.

Kfz-Gewerbe

Kfz-Mechaniker

Diesel-Diskussion und kein Ende. Die massiven Einbrüche beim Verkauf der Diesel-Pkws sind deshalb sicherlich das derzeit wichtigste Thema für das Kfz-Gewerbe. Die Händler haben laut Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) hunderttausende unverkäuflicher Diesel-Fahrzeuge auf Lager – mit entsprechend hohen Wertverlusten.
Chancen für das Kfz-Gewerbe sieht der Verband vor allem darin, das Diesel-Problem anzugehen. Konkret heißt das, alle Diesel-Fahrzeuge ab Emissionklasse 5 abwärts mit Hardware nachzurüsten.

Der ZDK will alle nachgerüsteten Fahrzeuge damit jetzt und in Zukunft vor Fahrverboten rechtssicher schützen. Software-Updates reichten nicht aus, den Ausstoß an Stickoxiden signifikant zu reduzieren. Die Förderung der Nachrüstung dürfe dabei nicht auf Privatleute beschränkt, sondern sollte mit dem Fahrzeug verknüpft werden, so der Verband, damit auch die Händler eine schnelle Nachrüstung der gebrauchten Lagerfahrzeuge garantieren könnten.

Drechsler und Holzspielzeugmacher

Die Drechsler und Holzspielgzeugmacher wollen die Meisterpflicht für die betriebliche Zulassung zurück. "Auch wir arbeiten daran, die vergangene politische und handwerkspolitische Anerkennung für unser kulturelles Gewerk zurückzubekommen", sagt Bundesinnungsmeister Walter Hoppe. Ausbildungswillige Betriebe sowie Qualität und Vielfalt der Produkte sollen dadurch gestärkt werden. Zweite große Herausforderung sei die Neuordnung der schulischen Ausbildung der Lehrlinge.

Die gute wirtschaftliche Lage helfe im Moment, die guten Produkte weiter am Markt zu etablieren. Ein Risiko sieht Hoppe darin, dass die Politik in Deutschland unüberlegt Vorgaben von europäischer Ebene aus vorauseilendem Gehorsam übernimmt und damit die Branche gefährde.

Augenoptiker

Augenoptiker

Den Wert guten Sehens möchten die Augenoptiker im kommenden Jahr stärker betonen. Hintergrund ist die vermehrte Nutzung von Smart­phones und Tablets. Weit mehr als 50 Prozent der Deutschen würden diese Geräte regelmäßig zur Hand nehmen, doch nur ein Zehntel besitze eine dafür geeignete Brille.

Die Digitalisierung empfinden die Augenoptiker nur für die Kunden als Risiko. Mit der Online-Versorgung gäben die Verbraucher ein Stück ihrer Sehqualität her. Für die Branche dagegen sei Digitalisierung eine große Chance. Verbandspräsident Thomas Truckenbrod: "Sie erlaubt dem Augenoptikerhandwerk, den Menschen mit technisch noch besseren Lösungen zu einer gesteigerten Sehqualität zu verhelfen."

Friseure

Nachwuchsgewinnung bleibt auch für die Friseure das bestimmende Thema. Ziel sei es, vernünftige Löhne und insgesamt noch attraktivere Rahmenbedingungen zu schaffen. "Wir wollen mit Verdi verhandeln, um einen neuen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag abzuschließen, insbesondere für die Ausbildungsvergütung", sagt Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Große Hoffnungen setzt die Branche auf das Bachelorstudium "Beauty-Management", das ab kommenden Frühjahr neue Karrierewege im Friseurhandwerk aufzeigen soll.

Parkettleger

Die Parkettleger verweisen ebenfalls auf ihr Fachkräftproblem. Die Ausbildungsoffensive "Das ist Bodenhandwerk" helfe zwar gegenzusteuern, aber das Problem werde die Branche noch einige Zeit belasten.

In der derzeit diskutierten Wiedereinführung der Meisterpflicht sieht der Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik eine Chance, sich am Markt gegenüber Dumpingfirmen besser zu behaupten. Risiken entdeckt Geschäftsführer Edgar Leonhardt weniger im betrieblichen Alltag als in den ökonomischen Ramenbedingungen, etwa durch Bürokratieaufbau, steigende Abgaben oder zunehmende Regulierung. fm

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