Stuttgart -

Nachgefragt Was darf ein Barbier?

Barber-Shops bereichern die Haar-Szene. Wenn es mit rechten Dingen zugeht, haben die Friseure nichts gegen diese Entwicklung einzuwenden. Es gibt aber auch Klagen. Über den feinen Unterschied zwischen Bart- und Kopfhaar sprach DHZ-Redakteur Gerd Kistenfeger mit Achim Kraisel, Experte für Handwerksrecht bei der Handwerkskammer Region Stuttgart.

DHZ: Was sind denn nun eigentlich Barbiere?
Kraisel: Barbiere oder Barber-Shops betreiben oder sind in der Regel Herrensalons mit einer besonders maskulin-modischen Ausrichtung. Bärte spielen im Kontext zu Frisuren mit einer sehr markanten Schnittführung die entscheidende Rolle. Es geht um Rasur und Nassrasur, Trimmen des Barts und Entfernen von Ohr- und Nasenhärchen – und dies nicht selten mit orientalischen Arbeitstechniken. Fakt ist, dass die Zahl der Shops zunimmt.

DHZ: Was darf denn ein Barbier überhaupt?
Kraisel: Ganz pauschal ausgedrückt: An die Barthaare darf ein Barbier , an die Kopfhaare aber nur ein in die Handwerksrolle eingetragener Friseurbetrieb. Zur Ausübung ist in der Regel ein Meisterbrief erforderlich, aber selbstverständlich darf ein Friseurbetrieb auch Barbiertätigkeiten ausüben.

DHZ: Viele Friseure reden von un-fairem Wettbewerb – warum?
Kraisel: Die Qualifizierung im Friseurhandwerk bis zum Meister verschlingt viel Geld und braucht Zeit. Zu Recht beklagen die Friseure eine Wettbewerbsverzerrung, wenn Barbiere ins Friseurhandwerk eingreifen, also zum Beispiel auch Herrenhaare schneiden.

DHZ: Wer kontrolliert die Verstöße?
Kraisel: Die Handwerkskammer kommt auf jeden Fall ins Spiel, wenn ein Barbier ohne Friseur- oder Meisterausbildung klassische Friseurdienstleistungen anbietet. Bei einer Betriebsuntersagung oder einem Bußgeldverfahren ist die Handwerkskammer eingebunden. Sie untersucht dabei, ob eine Eintragung in die Handwerksrolle als Friseurbetrieb möglich ist und ist dabei verpflichtet zu prüfen, ob eine Sondergenehmigung greift.

DHZ: Wie geht das?
Kraisel: In einem derartigen Verfahren muss zunächst geprüft werden, ob ein triftiger Grund vorliegt, weshalb es dem Antragsteller nicht zumutbar ist, die Meisterprüfung abzulegen. Im nächsten Schritt beurteilt dann die Handwerkskammer, ob ausreichende Kenntnisse und Fertigkeiten vorliegen, die sich in etwa auf Meisterniveau bewegen. Ist dies nicht der Fall, verlangt die Hand-werkskammer Sachkundeprüfungen in der Praxis, in der Fachtheorie sowie im betriebswirtschaftlichen Bereich. Besteht der Antragsteller die Sachkundeprüfungen, wird ihm die Sondergenehmigung erteilt und er wird in die Handwerksrolle eingetragen. Er darf dann einen regulären Friseurbetrieb führen, er darf sich aber nicht „Meisterbetrieb“ nennen und darf auch keine Lehrlinge ausbilden.

DHZ:
Was empfehlen Sie?
Kraisel: Ganz einfach: Wer nicht in die Handwerksrolle eingetragen ist, darf keine Friseurleistungen anbieten – andernfalls liegt unerlaubte Handwerksausübung vor.

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