Unternehmensführung -

Erfolgreich im Team arbeiten Was Betriebe vom Profisport lernen können

Teamgeist, Führung, Fehlerkultur: Sport und Geschäft sind sich im Kern ähnlicher, als man gemeinhin annehmen würde. Über die wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Bei den olympischen Winterspielen in Südkorea ist Teamgeist gefragt: Die begehrten Medaillen werden nicht immer unbedingt die besten Sportler mit nach Hause nehmen, sondern jene, die als Team am besten zusammenarbeiten.

"In einem harmonisch funktionierenden Team identifiziert sich jeder mit seiner Rolle, seiner Position und der damit gesetzten Aufgabe und respektiert die Rolle des anderen", erklärt Ilka Piechowiak. Die Hamburgerin ist heute als Führungskräftetrainerin tätig – und blickt als ehemalige Handball-Nationalspielerin auch auf eine erfolgreiche Karriere als Profi-Sportlerin zurück. "Wer seine Expertise kennt und weiß, in welchen Situationen er übernehmen oder abgeben muss, sorgt für die perfekte Nutzung der Ressourcen im Team“, so die Expertin. "Funktionierende Teams kennen sich und jeden einzelnen so gut, dass sie wissen, was wer zu welchem Zeitpunkt am besten kann."

Vom Sport lernen die Kraft des Teams gegen den Wettbewerb zu richten

Das gilt sowohl im Sport als auch in der Wirtschaft. Denn wie beim Mannschaftssport und dem Profi-Sport in Teams sind auch bei Teams in Unternehmen klare Rollen und Verantwortlichkeiten wichtig. Macher, Kämpfer und Kreative ergänzen sich oftmals perfekt, während Teams, deren Mitglieder alle vom selben Typus sind, Schwierigkeiten haben. "Die Kunst liegt darin, die geballte Kraft des Teams gegen den Wettbewerb zu richten und nicht gegen die eigenen Kollegen", erklärt Thorsten Otremba, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Delta Management Consultants. "In weniger erfolgreichen Organisationen wird viel Kraft und Energie darauf verwendet, die eigene Position stärken zu wollen."

Zu einem funktionierenden Team gehört auch der richtige Umgang mit Fehlern. Schlimm ist es nicht, einen Fehler zu machen – sondern nicht aus Fehlern zu lernen und es beim nächsten Mal nicht besser zu machen. "Beim Sport gibt es vom Trainer zeitnah ein klares, konstruktives Feedback", erläutert Ex-Profisportlerin Piechowiak. Der Sportler bekomme Hinweise, die zum besseren Ablauf beitragen. "Der Sport ist also ein Vorbild im Akzeptieren, dass Fehler zur Selbstentwicklung beitragen und dass der wertschätzende Umgang mit Mitarbeitern – trotz negativer Kritik – möglich ist", sagt Piechowiak. Ein in der Unternehmenskultur verankerter offener und fairer Umgang mit Fehlern biete Chefs wie Mitarbeitern die Möglichkeit, ihr Gesicht zu wahren, erklärt Delta-Geschäftsführer Otremba. Zugleich könne sofort daran gearbeitet werden, die Ursache für den Fehler abzustellen.

Olympia schauen ist bei der Arbeit tabu

Wettkämpfe der olympischen Spiele finden während der üblichen Arbeitszeiten statt. So manchem Arbeitnehmer droht hier ein Dilemma, denn auch dann gilt der Grundsatz: Bei der Arbeit muss gearbeitet werden, erklärt Peter Kaumanns, Rechtsanwalt in der Düsseldorfer Kanzlei Terhaag & Partner. Deshalb sei es nicht erlaubt, während der Arbeitszeit den Fernseher einzuschalten, die Spiele am Radio mit zu verfolgen oder auch einen Live-Ticker im Internet zu beobachten. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Abmahnung. Natürlich gibt es aber auch Chefs, die selbst Sportfans sind – und deshalb bei wichtigen Spielen schon mal ein Auge zudrücken, wenn es die betrieblichen Gelegenheiten zulassen.

Vorgesetzte müssen vorangehen

Ein Team kann aber noch so gut sein – ohne gute Führung funktioniert es nicht. Vorderste Aufgabe eines Kapitäns, Teamchefs oder Vorgesetzten ist es, voranzugehen – auch außerhalb des Platzes. "Erfolgreiche und akzeptierte Führungspersönlichkeiten – im Sport wie im Business – haben den Zugang zu den Herzen der Menschen", erklärt Ex-Handballprofi Ilka Piechowiak. "Sie strahlen Vertrauenswürdigkeit und professionelle Härte aus, die sich Sportler wie auch Mitarbeiter wünschen." Und auch Kontrolle muss sein, damit ein Team erfolgreich ist. Egal ob sie eng oder an der langen Leine erfolgt – wichtig ist, dass sie wertschätzend ist und nicht demotivierend. Zudem dürfen seitens der Führungskräfte keine unrealistischen Vorgaben gemacht werden. Denn nichts ist demotivierender als ein Ziel, das gar nicht erreicht werden kann.

Einen entscheidenden Unterschied zwischen Sport und Wirtschaft gibt es aber doch: "Im Sport wird auf ein ganz bestimmtes Ereignis hingearbeitet", so Delta-Unternehmensberater Thorsten Otremba. "In der Wirtschaft geht es darum, alle Mitarbeiter kontinuierlich zu Spitzenleistungen zu motivieren. Das erfordert eine besonders talentierte Führungsmannschaft."

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