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TV-Kritik: WDR - "Könnes kämpft" über Pfusch am Bau Warum Handwerker genauso geprellt werden können wie Bauherren

Wenn es um Verbraucherthemen geht, kann Dieter Könnes nicht weit sein. Er moderiert die Sendung "Servicezeit", deckt darüber hinaus in einer separaten Produktion namens "Könnes kämpft" Missstände in allen möglichen Branchen auf und setzt sich dabei für Menschen ein, denen übel mitgespielt wurde. Nun widmete er sich in Folge 50 dem Pfusch am Bau und dessen Hintergründen - Prädikat: angenehm ausgewogen und erkenntnisreich.

Fernsehreportagen über Baupfusch und gefrustete Häuslebauer sind oft eines: sehr einseitig. Da werden Baufirmen und Handwerker wild in einen Topf geworfen - alles Böse, die die wehrlosen privaten Bauherren um ihr Geld bringen und unbewohnbare Häuser hinterlassen.

Weil nun die WDR-Sendung "Könnes kämpft" in ihren bislang 49 Folgen immer konsequent auf Seiten der Verbraucher stand und diesen Standpunkt hin und wieder auch trotz guter Argumente der anderen Seite behielt, war in der 50. Folge mit dem leicht reißerischen Titel "Traumhaus adé - mit Baupfusch in die Pleite" Spannung geboten. Um es vorweg zu nehmen: Die Jubiläumsfolge war ein sauberes Stück Journalismus.

Natürlich durften die typischen Momente nicht fehlen, in denen in solchen Sendungen über Emotionen eine gewisse Fallhöhe aufgebaut, die Wichtigkeit des Anliegens unterstrichen wird. Das Ehepaar Wolf aus Bergheim bei Köln etwa wurde Opfer einer Baufirma, die so ziemlich alles verpfuscht hat, was man verpfuschen kann. Anderthalb Jahre nach Baubeginn ist die Doppelhaushälfte noch nicht fertig. Sie leben auf einer Baustelle - und das macht die beiden sichtlich fertig, wie im Interview klar wird.

Die Baufirma Hill Hauskonzepte hat aufgrund deutlicher Forderungen schon fast das gesamte Geld erhalten, ohne dass das Haus annähernd fertig wäre - und dann sind da auch noch die Mängel. Gegen sämtliche planerische Vorschriften sei hier verstoßen worden, sagt ein Sachverständiger. Alle Abdichtungen am Haus seien falsch gearbeitet, sodass sich Feuchtigkeit im Haus festsetzen werde - mit allen Folgen. Familie Wolf hat schlichtweg Angst, dass sie bald in dem mangelhaften Haus nicht mehr wohnen kann, alleine die nötige Sanierung würde bei einem Hauspreis von 260.000 rund 150.000 Euro kosten - es geht um die Existenz.

Könnes schürft tiefer

Dieter Könnes macht sich also auf zu eruieren, woran derlei Pfusch liegt. Er trifft einen Baubegleiter, der private Bauherren während der Bauphase unterstützt, und der erklärt, dass die Qualität am Bau in den letzten Jahren nachgelassen habe, was einerseits am großen Bedarf liege und andererseits an der geringen Zahl an qualifizierten Handwerkern, die teils mit ungelernten Kräften ausgeglichen werde - ein Teufelskreis. Es wäre nun ein Leichtes gewesen, den Schwarzen Peter den ausführenden Handwerkern zuzuschieben, doch erfreulicherweise gibt Könnes diesem Reflex nicht nach, sondern schürft tiefer.

Er besucht Zimmerermeister Sven de Boer, der den Dachstuhl des missglückten Hauses in Bergheim im Auftrag der Firma Hill gebaut hatte - und der lässt seinerseits kein gutes Haar an den Praktiken der Baufirma. "Da ist nur Chaos, der Bauleiter ist gar nicht ansprechbar. Da waren Wände so schief, das ist schon relativ ungewöhnlich heutzutage", erzählt de Boer - und gibt an, dass er trotz vollständiger Ausführung der Arbeiten von der Baufirma noch nicht komplett bezahlt worden sei. Also nicht nur der private Bauherr als Geprellter, sondern auch der Handwerker?

Die Baufirma Hill Hauskonzepte weist diesen Vorwurf weit von sich und erklärt, dass nicht nur alles bezahlt worden sei, sondern noch Gegenforderungen anhängig seien. Und auch Hochbau-Techniker Matthias Adamczyk hat Probleme mit der Firma und erwägt, sie anzuzeigen. Er habe kein Geld bekommen, etwa 35.000 Euro stünden aus, und solange werde auf der Baustelle in Bergheim natürlich von seiner Firma nichts mehr gemacht.

Die Firma Hill gibt auch hier Kontra: dies sei eine falsche Behauptung, vielmehr sei die Rechnungsstellung des Handwerkers nicht korrekt. All dies macht die Suche nach dem Schuldigen nicht eben einfacher, wird aber auch der komplexen Gemengelage rund um verpfuschte Bauträume eher gerecht, als die leider oftmals im Fernsehen gelebte Praxis, mit dem Finger auf einen Schuldigen zu zeigen.

Auch der Fachkräftemangel spielt eine Rolle

Könnes geht sogar noch einen Schritt weiter und untersucht den Fachkräftemangel als eines der konkreten Probleme bei Pfusch am Bau. Aufträge ohne Ende, aber keiner will den Job machen - dieses altbekannte Problem schildert Bauunternehmer Kai Buschhaus, der sich mit arbeitswilligen Kräften aus dem Ausland behilft, die er "ausbildet, ohne eine förmliche Ausbildung dahinter zu legen", wie er sagt.

Buschhaus setzt auf Qualität, aber wenn andere Betriebe unter denselben Umständen dies nicht tun, kann die Qualität eben auch schnell leiden. Das beweisen weitere Fälle von Baupfusch von anderen Firmen, denen Könnes im Verlauf der Sendung nachspürt - etwa schlecht abgedichtete Bodenplatten oder Dachböden ohne Belüftung, in denen sich der Schimmel breit macht.

Die Firma Allkauf etwa, die mit dem bekannten RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff, wirbt - darauf reitet Könnes als öffentlich-rechtliche Konkurrenz allerdings ein wenig zu offensichtlich herum - hat auch so manchen Bauherren den letzten Nerv gekostet - was mitunter zur Trennung von Beziehungen führte. Keine der Firmen möchte sich vor der Kamera zu den Vorwürfen äußern, obwohl Könnes alle abklappert.

Viel Inhalt, viel Tiefgang

Dann testet er noch Fertighausverkäufer mit versteckter Kamera - Ergebnis: der Kunde wird mit fragwürdigen Mitteln unter Druck gesetzt, schnell abzuschließen, besucht die Firma Nordhaus, die wertige Qualitätshäuser mit angestellten Vertrieblern und Handwerkern ohne Subunternehmer - allerdings nicht zum Schnäppchenpreis - baut und trifft den Anwalt Peter Mauel, der sich geprellter Häuslebauer annimmt - unter anderem der Wolfs aus Bergheim, die nun hoffen dürfen, dass sie schon bald Nachbesserungen am Haus erhalten.

Könnes hatte am Ende ganz schön viel Inhalt und Tiefgang in die 45 Minuten gepackt und zahlreiche Aspekte berücksichtigt, weil er neugierig auf das Thema war, die richtigen Protagonisten auftrieb, ihnen die richtigen Fragen stellte - und ganz offensichtlich weder mit Scheuklappen noch mit einer vorgefertigten Meinung in seine Recherche ging. Leider ist letzteres zunehmend auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen immer weniger die Regel. Deshalb muss man den Hut ziehen: Gut gekämpft, Könnes.

Link zur Sendung

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