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Arbeitsbeurteilung Warum Handwerker ein Zwischenzeugnis brauchen

Ein Zwischenzeugnis kann Handwerkern als Absicherung dienen, wenn es unvorhergesehen zu einem Jobwechsel kommt. Bei der Beantragung gibt es allerdings ein paar Spielregeln zu beachten. Was Sie wissen müssen.

Ulrich Kablitz ist Karrierecoach in Münster. Er berät Menschen, die sich beruflich umorientieren wollen oder vor einer wegweisenden Entscheidung stehen, seien es Existenzgründer, Manager, Studenten oder Handwerker. Eines haben all seine Kunden gemein: "Arbeitnehmer verlangen sehr selten Zwischenzeugnisse".

Ein Fehler. Das Zwischenzeugnis als wertvolles Dokument, das zuhause sorgfältig aufbewahrt sein will - diese Erkenntnis hat sich auch unter Handwerkern noch nicht überall durchgesetzt. "Zwischenzeugnisse sind meiner Ansicht nach sehr wichtig", sagt auch Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Zwischenzeugnis: Warum ist es wichtig?

Beim Zwischenzeugnis handelt es sich um eine Art Interimsbewertung. Eine gute Note schmeichelt zum einen der - oft geschundenen - Facharbeiter-Seele. "Als Arbeitnehmer kann ich meinen wirtschaftlichen Nutzen sowie meine fachliche und persönliche Entwicklung über einen längeren Zeitraum dokumentieren", sagt Kablitz.

Der entscheidende Punkt aber: Ein Zwischenzeugnis ist aus strategischen Gründen sinnvoll, dient als Absicherung. Wer als Arbeitnehmer nach Kündigung oder Jobwechsel ein schlechtes Arbeitszeugnis erhalten hat, kann sich eine bessere Bewertung im Regelfall nur erkämpfen, wenn er ein entsprechendes Zwischenzeugnis vorlegt. "Es ist Sache des Arbeitnehmers zu beweisen, dass er besser ist als Note Drei. Deswegen ist es so wichtig, sich regelmäßig ein Zwischenzeugnis zu besorgen", so Bredereck.

Denn, so der Arbeitsrechtsexperte warnend: "Mit einer Zeugnisnote Drei können Sie überhaupt nichts machen, die ist im Grunde völlig wertlos." Bredereck empfiehlt gar, bei einer Bewerbung lieber gar kein Zeugnis vorzulegen als eines, das eine schwache Bewertung ziert.

Daher gebe es noch einen zweites wichtiges Argument: Man könne bei einer Bewerbung notfalls statt des schwachen Arbeits- auch ein gutes Zwischenzeugnis vorlegen. Wie die Formulierungen auf dem Zwischenzeugnis zu deuten seien, könne man im Übrigen relativ simpel im Internet recherchieren oder man legt das Dokument - wenn man ganz sicher gehen will - einem professionellen Anwalt vor.

Zwischenzeugnis: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Das Grundproblem: Wer ein Zwischenzeugnis anfordert, weckt beim Vorgesetzten Misstrauen. Stets schwingt der Verdacht mit, man wolle sich anderweitig umsehen, mit dem Dokument auf Jobsuche gehen. Auch gibt es keinen generellen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. "Es muss einen plausiblen Grund geben", sagt Kablitz. Gute Gründe können sein:

  • Führungswechsel des Vorgesetzten
  • Versetzung in eine andere Abteilung
  • Beförderung
  • Erweiterung des Aufgabenbereichs
  • Zusätzliche Personalverantwortung
  • Lange Betriebszugehörigkeit
  • Übernahme des Betriebs
  • Stellenabbau
  • Weiterbildung (manche Anbieter fordern Zwischenzeugnisse der Teilnehmer)
  • Auslandseinsatz
 

"Wenn Sie in Elternzeit gehen oder ein Sabbatical nehmen, ist es sogar enorm wichtig, sich vorher ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen", ergänzt Bredereck. Denn solche vorübergehenden Trennungsphasen gingen oft zwangsläufig mit einer Entfremdung einher — und münden nach Erfahrung des Anwalts oft auch in eine endgültige Trennung. Besser also, man sichert sich vorher entsprechend ab. 

Zwischenzeugnis: Wie fordere ich es an?

"Es gibt Kollegen, die empfehlen, sich einmal im Jahr ein Zwischenzeugnis zu besorgen", sagt Bredereck. "Das halte ich allerdings schon aus praktischen Erwägungen zumindest für zweifelhaft." Denn wahr ist auch: Ein Zwischenzeugnis verursacht Arbeit, kostet Zeit und Nerven, ist lästig. Der richtige Zeitpunkt will also gut gewählt sein. Aber wann ist der? 

Kein guter Zeitpunkt ist zum Beispiel, wenn im Betrieb großer Auftragsdruck herrscht. Das Jahresende bietet sich eher an, auch ein Personalentwicklungsgespräch kann genutzt werden, um das Thema auf die Agenda zu bringen. "Aber Achtung: Niemals gleichzeitig eine Gehaltserhöhung verlangen", schränkt Ulrich Kablitz ein. 

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollten Arbeitnehmer das Zwischenzeugnis außerdem nicht auf Zuruf - zwischen Tür und Angel quasi - anfordern: "Schriftlich und dabei sehr höflich bleiben, gleichzeitig aber auch Termine setzen", empfiehlt Kablitz. 

Zwischenzeugnis: Wie sollte es aussehen?

Grundsätzlich unterscheidet man - ähnlich wie beim regulären Arbeitszeugnis - zwischen einfachem und qualifiziertem Zwischenzeugnis. Das qualifizierte ist deutlich umfangreicher und umfasst:

 
  • Stammdaten des Unternehmens
  • Stellen- und Tätigkeitsbeschreibung des Arbeitnehmers
  • Beurteilung einschließlich Sozialverhalten
  • Schlussformel
  • Unterschrift des Vorgesetzten  

"Man kann und sollte auf jeden Fall ein qualifiziertes Zwischenzeugnis verlangen. Ich würde versuchen, so viel Inhalt wie möglich da hineinzubekommen. Je mehr, desto besser", sagt Bredereck. Der große Vorteil hier: Die Chance, als aktueller Arbeitnehmer eine gute Bewertung zu erhalten, ist vergleichsweise groß, da ein wohlwollendes Zeugnis motivierend sei. Nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses können sich dagegen gekränkte Eitelkeiten oder Rachegelüste verhängnisvoll auf die Bewertung auswirken.  

Und noch ein Argument: Ein qualifiziertes Zwischenzeugnis wird, so Kablitz, "bei einer Kündigung fast immer eins zu eins übernommen."

Sieben Tipps für das Zwischenzeugnis

1. Vorteile eines Zwischenzeugnisses: Eine gute Beurteilung eines ungekündigten Bewerbers kommt bei einer Bewerbung gut an. Aber auch wer nicht daran denkt, einen neuen Job zu suchen, hat Vorteile. Das Zwischenzeugnis dient als Absicherung. Denn: Vom Zwischenzeugnis kann der Arbeitgeber beim Endzeugnis nicht ohne triftigen Grund abweichen.

2.  Dem Chef Loyalität signalisieren: Wenn Mitarbeiter um ein Zwischenzeugnis bitten liegt die Vermutung nahe, dass sie sich neu bewerben möchten. Darum sollten Arbeitnehmer deutlich machen, dass es nur um eine Zwischenbilanz geht. Sonst entsteht womöglich ein leichter Beigeschmack.

3. Gelegenheiten erkennen: Die beste Möglichkeit nach einem Zwischenzeugnis zu fragen entsteht bei einem Wechsel der Position oder der Aufgaben. Möglich ist es auch vor oder nach einer längeren Auszeit, z.B. der Elternzeit.

4. Nicht zu lange warten: Nach einem Positionswechsel sollten Arbeitnehmer nicht zu lange warten, bis sie um das Zwischenzeugnis bitten. So ist auch sichergestellt, dass sich der Chef noch an die guten Leistungen erinnert. Das kann in einem halben Jahr schon ganz anders aussehen.

5. Auf die Kommunikation im Betrieb achten: Manch ein Chef ist vielleicht nicht so erfreut über die Bitte nach einem Zwischenzeugnis. Dann kann es ratsam sein Anliegen direkt an den Personaler zu richten. Manchmal genügt eine E-Mail. In Betrieben, in denen aber viel mündlich abgesprochen wird, ist es besser sein Bitte auch so vorzubringen und zu sagen, wofür man die Beurteilung benötigt.

6.   Auf den Inhalt und die Formulierung achten: Ein Zwischenzeugnis ist kein Endzeugnis light. Was darin formuliert wird hat eine Bindungswirkung für das Endzeugnis. Daher sollte es Tätigkeiten und die Bewertung von Leistung und Verhalten beinhalten. Nur der Schlusssatz unterscheidet sich dann vom Endzeugnis. Er sollte in etwa so lauten: "Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit."

7. Eigene Beurteilung schreiben: Wer einen Job sucht und kein Zwischenzeugnis hat, oder nur eines das nicht so vorteilhaft ausfällt, kann sich auch selbst eine Beurteilung schreiben. Aus eigener Sicht kann man seine wichtigsten Aufgaben, besondere Projekte und Erfolge zusammenfassen. Viele potenzielle Arbeitgeber akzeptieren dies, da sie wissen, dass nicht jeder ein Zwischenzeugnis hat. dhz

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