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Handwerk fordert Entlastung Warum die Stromkosten trotz sinkender EEG-Umlage steigen

Die EEG-Umlage sinkt, dennoch steigen die Stromkosten im nächsten Jahr wohl weiter an. Andere Kostenbestandteile machen die Entlastung zunichte. Wirtschaftsverbände fordern eine Verringerung der Steuern, Umlagen und Abgaben. Das Handwerk kritisiert eine Benachteuiligung gegenüber der Industrie.

Trotz einer weiteren Entlastung bei der EEG-Umlage im kommenden Jahr wird sich dies kaum auf der Stromrechnung bemerkbar machen. Manche Experten rechnen gar mit leicht steigenden Stromkosten. Der Grund: Andere Kostenbestandteile wie der Anschluss der Meereswindparks und die Beschaffungskosten für Strom steigen.

"Es ist grundsätzlich nicht ausreichend, die Höhe der EEG-Umlage zu stabilisieren, vielmehr müssen die Umlage sowie der Strompreis insgesamt dringend gesenkt werden" sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke angesichts der anhaltend hohen Stromkosten für Handwerker. Milliardenschwere Begünstigungen sehr großer Stromverbraucher bei der EEG-Umlage sollten deshalb aus Bundesmitteln und nicht durch die übrigen Stromverbraucher finanziert werden, forderte er.

Kostentreiber Beschaffungspreis für Strom

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Energieverbandes BDEW, Stefan Kapferer, ist "leider nicht mit einer Entlastung der Stromkunden zu rechnen" Anders als in den Vorjahren treibe nicht die EEG-Umlage, sondern der Beschaffungspreis für Strom die Kosten nach oben. Für eine Megawattstunde, die 2019 geliefert werde, haben die Kunden nach den Angaben des Energieverbandes in diesem Jahr rund 50 Euro bezahlt, während es im Vorjahr 40,50 Euro und davor durchschnittlich 30 Euro waren.

Höhere Kosten für Steinkohle und Gas sowie deutlich höhere Preise für die Verschmutzungsrechte spiegelten sich im Preis wider, hieß es beim BDEW. So hätten sich Preise für die so genannten CO2-Zertifikate binnen Jahresfrist mehr als verdreifacht. Produziert ein Kraftwerk bei der Stromerzeugung das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) muss es deutlich mehr bezahlen.

Im Umkehrschluss führt der höhere Preis für die Strombeschaffung zu einer geringeren EEG-Umlage. Denn auch für den aus erneuerbaren Energien produzierten Strom gibt es an der Strombörse mehr Geld, so dass die für den Ökostrom garantierten Preise weniger stark über die vom Großteil der Stromkunden zu zahlende EEG-Umlage bezuschusst werden müssen. Für 2019 wird sie um 0,387 Cent auf 6,405 Cent je Kilowattstunde zurückgehen. Aufgefressen wird dieser Rückgang aber fast ganz durch die um 0,379 auf 0,416 Cent gestiegene Offshore-Umlage. Unter dem Strich werden auch 2019 die Stromkunden knapp 23 Milliarden Euro an EEG-Umlage bezahlen.

Strompreisentwicklung: "Profiteur ist der Finanzminister"

Erhebliche Auswirkungen auf den Strompreis haben zudem die Kosten für die Netzübertragung. Sie gehen zwar für die Fernnetze zurück. Aber auf regionaler Ebene können sie je nach Ausbaunotwendigkeiten steigen.

Derzeit machen die Netzentgelte bei kleinen Handwerksbetrieben und Privatkunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden knapp ein Viertel der Stromkosten aus. Auf die Beschaffung des Stroms entfällt etwas mehr als ein Fünftel. Der Rest, knapp 55 Prozent, geht auf das Konto von Steuern und Umlagen, wobei allein die EEG-Umlage rund 23 Prozent ausmacht.

Auch wenn die Entwicklung des Strompreises in einzelnen Regionen unterschiedlich ausfällt, ist er für viele Kunden über die vergangenen Jahre deutlich gestiegen. Viele Wirtschaftsverbände fordern deshalb eine Verringerung der Steuern, Umlagen und Abgaben. "Betrachtet man die Strompreisentwicklung der letzten zehn Jahre, ist eines auffällig: Profiteur ist der Finanzminister", sagte BDEW-Chef Kapferer. Um die Stromkunden zu entlasten, spricht er sich dafür aus, die Stromsteuer auf das "europarechtliche Minimum" zu senken. Die besondere Ausgleichsregelung für die Industrie sollte – wie auch vom Handwerk gefordert – seiner Meinung nach über Steuern finanziert werden.

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