Menschen + Betriebe -

Neuer Selbstbedienungs-Automat Warum die Kunden der Metzgerei Klein von einem Roboter bedient werden

Die Metzgerei Klein kann ihre Kunden 24 Stunden am Tag bedienen – mit Hilfe eines Roboters. Dahinter stecken viele Monate Entwicklungsarbeit und ein ausgeklügeltes System.

Sogenannte Regiomaten, an denen Kunden auch außerhalb von Öffnungszeiten Lebensmittel kaufen können, kennt fast jeder. Wer bei Metzgermeister Josef Klein aus Straß in Landkreis Neu-Ulm einkauft, steht jedoch nicht vor einem gewöhnlichen Automaten, sondern wird von einem Roboterarm bedient. Ursprünglich plante Klein einen begehbaren Laden. "Da unser Laden aber nicht in einem Gewerbegebiet ist, hätten wir uns wieder an die Ladenöffnungszeiten halten müssen." Außerdem habe er Bedenken gehabt, dass Kunden Dreck oder Tiere mit in den Laden bringen könnten.

Eher aus einem Spaß heraus sei dann im Gespräch mit einem Bekannten des Unternehmens Kirschenhofer die Idee mit dem Roboterarm entstanden. Das Unternehmen ist auf Robotertechnik für die Autoindustrie spezialisiert. Gemeinsam tüftelten sie mit der Metzgerei an dem Roboter. Nach rund einem dreiviertel Jahr intensiver Entwicklungsarbeit konnte der Roboter vor gut zwei Monaten in Betrieb genommen werden. Auf Schienen fährt der Arm durch einen Kühlraum der Metzgerei, in dem Regale mit den Waren stehen und sammelt die Bestellungen ein. Kunden können den Roboter von außen durch ein Fenster beobachten.

Roboter

Sortiment aus 75 Artikeln

Den Aufbau seines Selbstbedienungs-Automaten vergleicht der Metzgermeister mit einem Online-Shop. Auf einem Display werden selbstgeschossene Bilder der Waren angezeigt. Die Kunden können zwischen rund 75 Artikeln auswählen, diese anklicken und ihre Artikel in den Warenkorb hinzufügen. Die Metzgerei bietet unter anderem eine große Auswahl an Aufschnitten, Brühwürsten wie Käsewiener, Debrezinern oder Weißwürste, verschiedene Fleischsorten oder Suppeneinlagen an. Über QR-Codes an den Regalen wählt der Roboterarm die entsprechenden Artikel aus und legt sie in einen Korb. Die QR-Codes haben laut Klein noch einen weiteren Vorteil. "Der Roboter erkennt dadurch, wenn etwas abgelaufen sein sollte. Dann nimmt er den Artikel automatisch aus dem Regal." Das sei gerade zu Urlaubszeiten praktisch.

"Es ist wirklich sehr viel Hirnschmalz in das System geflossen", sagt Klein. "Wir haben versucht an alle Eventualitäten zu denken." So ist zum Beispiel auch die Ausgabe der Waren über das Lieferband mit drei Lichtschranken überwacht. Wenn ein Artikel etwa vom Band fällt, wird das registriert und der Betrag entsprechend vom Endpreis abgezogen.

Die Bezahlung funktioniert kontaktlos mit Karte, Handy oder Uhr. "Alles was als Zahlungsmedium geht, außer Bargeld." Wenn die Karte autorisiert ist, fährt der Roboter, der auf einer Schiene steht, innen los und sammelt aus den Regeln die Artikel ein, legt sie in einen Korb. Durch einen Ausgabeschacht werden die Artikel rausgefahren.

Roboter als Entlastung

"Die erste richtige Feuertaufe war die erste Januarwoche, in der wir Betriebsurlaub hatten", sagt Klein. Gut 500 Kunden hätten in dieser Zeit an dem Automaten bestellt. Überraschend viele, wie Klein feststellt. "Der Automat wird deutlich besser angenommen als wir das erwartet hätten". Und das nicht nur bei der jungen Zielgruppe. Auch ältere Leute, wie der über 70-jährige ehemalige Bürgermeister, seien vom Automaten begeistert. Anfangs hätten ihnen einige Leute vorgeworfen, mit dem Roboter Personal zu ersetzen. Doch das Gegenteil sei der Fall. "Er dient viel mehr zur Entlastung." Bislang betreiben er und seine Eltern nur dieses eine Geschäft. Wenn sich das Roboter-Konzept bewährt, wäre es laut Klein denkbar, an einem anderen Standort eine Filiale mit dieser Technik auszustatten.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten