Finanzen -

Edelmetalle Warum der Goldpreis ab Dezember steigt

Gold erlebt seinen Tiefpunkt in der Regel Mitte November. Danach setzt das Edelmetall zu einer Aufwärtsbewegung an, die bis Ende Februar andauert. Warum der Dezember ein guter Zeitpunkt ist, um die Gewichtung von Gold im Depot auf die gewünschte Größenordnung anzupassen.

Für die Gold-Hausse führen manche Experten ein Bündel von Gründen an. Beliebt ist etwa das Argument, bei Krisen flüchteten die Anleger scharenweise in das Edelmetall. Sehr gerne geteilt wird auch die Ansicht, dass Gold immer oder jederzeit vor Inflation schützt. Beides ist kann in Frage gestellt werden: In echten Krisen, in denen Investoren ihr Risiko reduzieren wollten, war bisher der US-Dollar das Mittel der Wahl. Und der Vergleich von Goldpreis und Inflation zeigt: Beide laufen manchmal über Jahre nicht parallel.

Sinkt der Realzins, gewinnt Gold an Wert

Grund für die Gold-Hausse dürfte vor allem der Realzins, also die Verzinsung des Geldes nach Abzug der Inflationsrate, sein. Sinkt der Realzins, gewinnt Gold deutlich an Wert. Das war etwa zwischen 2008 und 2013 der Fall. Als der Realzins von drei auf minus ein Prozent fiel, katapultierte es den Goldpreis von 800 auf 1.800 Dollar. Das gleiche Phänomen gibt es ab Ende 2018, als der Realzins der zehnjährigen US-Treasuries von plus ein Prozent auf minus ein Prozent sank. Im Gegenzug kletterte der Goldpreis von 1.200 auf über 2.000 Dollar.

Und heute? Gold ist schon teuer und der Realzins kann bei minus einem Prozent kaum noch fallen. Es stimmt: Der Realzins war noch nie so negativ. Das heißt jedoch nicht, dass er nicht weiter fallen kann. Die Zinswende lässt seit zehn Jahren auf sich warten.

Depot anpassen

Zudem zeigt der Blick auf die vergangenen 30 Jahre, dass Gold seinen Tiefpunkt in der Regel Mitte November hat. Danach setzt das Edelmetall zu einer Aufwärtsbewegung an, die bis Ende Februar andauert. Dieser saisonale Aspekt ist keine Garantie für einen Preisanstieg, aber die Wahrscheinlichkeit ist auf der Seite der Goldkäufer. Deshalb sind November und Dezember eine gute Zeit, um die Gewichtung von Gold im Depot auf die gewünschte Größenordnung anzupassen. Die erste Hälfte des Zukaufs könnte bei einer Goldschwäche in Richtung 1.800 Dollar erfolgen und die zweite, wenn das Metall kraftvoll nach oben zieht.

Zum Autor: Mirko Kohlbrecher ist Investmentstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten