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Untersuchung der Bertelsmann Stiftung Warum an den Berufsschulen immer mehr Lehrer fehlen

Berufsschullehrer gehören untrennbar zur dualen Ausbildung in Deutschland dazu. Doch in Zukunft wird es eine große Lücke geben zwischen dem Bedarf an Lehrern und dem Angebot. Nach Angaben der Bertelsmann Stiftung werden viel zu wenige Berufsschullehrer ausgebildet.

Sieben Jahre dauert die Ausbildung zum Berufsschullehrer. Daher gilt es die langfristige Entwicklung der Schülerzahlen im Auge zu behalten, damit es nicht zu einem derartigen Mangel kommen kann. Doch genau das hat die Kultusministerkonferenz nach Ansicht der Stiftung versäumt. So  hat sie den Bildungsforscher Klaus Klemm beauftragt, eine eigene Untersuchung mit Blick auf die Geburtenraten sowie die Zahl der vorhandenen Berufsschullehrer und der in Ausbildung zu erstellen.

125.000 Berufsschullehrer gehen in den Ruhestand

Das Ergebnis: Bis zum Jahr 2030 werden an den Berufsschulen bundesweit etwa 60.000 neue Lehrkräfte gebraucht. Ausgebildet wird aber viel zu wenig. Das Problem liegt der Bertelsmann Stiftung zufolge vor allem daran, dass bis zum Jahr 2030 fast die Hälfte der rund 125.000 Berufsschullehrer in den Ruhestand geht. Es mangelt also an Nachwuchs und dieser Mangel könnte sich wiederum negativ auf das gesamte Ausbildungssystem und in der Folge auch auf die Wirtschaft auswirken. Anders als die Kultusministerkonferenz hat Klaus Klemm laut Bertelsmann Stiftung in seine Berechnung mit einbezogen, dass die Geburtenraten derzeit wieder steigen und es demnach auch wieder mehr Schüler bzw. Berufsschüler geben wird.

Zeigt sich bereits jetzt in vielen Grund- und auch weiterführenden Schulen ein Mangel an Lehrern, so wird dieser spätestens ab 2025 in den Berufsschulen besonders deutlich, warnt der Bildungsforscher. Nach seinen Berechnungen benötigen Berufsschulen bis zum Jahr 2020 jährlich durchschnittlich 4.000 neue Lehrer, ausgebildet werden derzeit allerdings nur rund 2.000 Lehrkräfte pro Jahr. Ab 2025 wird sich der Lehrermangel an Berufsschulen dann noch stärker zuspitzen: Bis 2030 entsteht ein jährlicher Bedarf von 4.800 Lehrkräften, um ausscheidende Lehrkräfte zu ersetzen und eine größer werdende Schülerzahl zu bewältigen. "Dieser Trend wird sich in den Jahren bis 2035 sogar noch verstärken, sodass der jährliche Einstellungsbedarf nach 2030 auf über 6.000 Lehrkräfte steigt", meldet die Stiftung.

Gegen den Lehrermangel: Mehr Quereinsteiger, weniger Teilzeitkräfte und eine spätere Pensionierung

Der Vorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, nennt die Zahlen "alarmierend" und weist zugleich darauf hin, dass es noch möglich wäre dagegen etwas zu unternehmen. Er fordert eine bundesweite Gesamtstrategie und dass die Politik etwas tut, damit mehr Berufsschullehrer ausgebildet werden. "Es hilft nicht, wenn die Länder sich Lehrer gegenseitig abwerben", sagte er mit Blick darauf, dass der Lehrermangel in den ostdeutschen Flächenländern besonders stark ausfallen wird. Hier steigt die Zahl der Schüler kontinuierlich an von derzeit 276.000 auf 303.000 im Jahr 2035. Auch in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg gäbe es eine Zunahme. Dagegen rechnet die Bertelsmann Stiftung in den Flächenländern im Westen mit einer zeitweiligen Entspannung, weil die Schülerzahlen bis etwa 2025 um zehn Prozent zurückgehen und erst danach wieder zunehmen dürften.

Dräger macht folgende konkrete Vorschläge, um den Mangel an Berufsschulen zu bewältigen: Quer- und Seiteneinsteiger systematisch zu qualifizieren und dafür bundesweit einheitliche und verbindliche Standards einzuführen; Teilzeitkräfte unter den Berufsschullehrkräften dazu zu motivieren, ihr Stundendeputat aufzustocken; die an der Grenze zur Pensionierung stehenden Berufsschullehrer sollen länger unterrichten. dhz

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