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Weihnachtsmärkte Warten aufs Christkind

Der Größte, der Älteste, der Außergewöhnlichste: Jede Stadt hat ihren ganz speziellen Weihnachtsmarkt, der auf die kommenden Festtage vorbereitet.

Warten aufs Christkind
Die Weihnachtspyramide auf dem "Striezelmarkt" in Dresden überragt das Marktgetümmel. -

Der Hauptmarkt liegt im Dunkeln, alle Augen richten sich auf die erleuchtete Empore der Frauenkirche. Und dann erscheint es, das Nürnberger Christkind mit weißem Kleid, goldener Krone und blonden Locken und spricht: "Ihr Herrn und Fraun, die Ihr einst Kinder wart, Ihr Kleinen, am Beginn der Lebensfahrt, ein jeder, der sich heute freut und morgen wieder plagt: Hört alle zu, was Euch das Christkind sagt!"

Mit diesem Auszug aus dem feierlichen Prolog eröffnet das Christkind traditionell jedes Jahr am Freitag des ­ersten Adventwochenendes den Christkindlesmarkt in Nürnberg. Kinder sitzen mit großen Augen auf den Schultern ihrer Väter und lauschen dem Chor, der „Stille Nacht“ singt. Und zum Abschluss läuten festlich die Glocken der Frauenkirche.

Weihnachtsmarkt
© Ralf Schedlbauer/Stadt Nürnberg

Anschließend beginnt das bunte Treiben zwischen den vielen kleinen, geschmückten Buden und Verkaufsständen, deren Angebot von würzigem Anis bis hin zu den schrumpeligen Zwetschgenmännchen reicht. Der Geruch von gebrannten Mandeln und Glühwein liegt in der Luft. Die Kleinen fahren Kinderkarussell und weihnachtliche Klänge wehen über den Platz. Die Nürnberger Spezialitäten dürfen natürlich nicht fehlen: Nürnberger Rostbratwürstel und als Nachtisch Nürnberger Lebkuchen.

Lebkuchenbier statt Punsch

Auf dem Weihnachtsmarkt in den historischen Gassen der "heimlichen Hauptstadt des Bieres" – Kulmbach – wärmen die Besucher ihre kalten Hände nicht klassisch an heißen Punsch- oder Glühweintassen. Es gibt stattdessen speziell gebraute Biere wie das Weihnachtsbier, das Lebkuchenbier oder der Eisbock.

Weihnachtsmarkt
© Roland Beck/Burg Hohenzollern

Wer über den wohl ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands schlendern möchte, der muss zwischen dem 28. November und 24. Dezember nach Dresden zum "Striezelmarkt". Seit dem Jahr 1434 findet dieser Weihnachtsmarkt in der barocken Altstadt statt. Benannt wurde er nach einem Gebäck, dem "Striezel", einem Vorläufer des Dresdner Christstollens. Eine weitere Besonderheit überragt mit gut 14 Metern das Getümmel des Marktes – die größte, erzgebirgische Weihnachtspyramide der Welt. Zum Pyramidenfest werden die Figuren und Motive auf den sechs Stufen zum Leben erweckt.

In der Glasbläserstadt Lauscha im Thüringer Wald dreht sich zur Weihnachtszeit alles um die buntglitzernde und zerbrechliche Kugel. Der Legende nach war es ein armer Glasbläser, der seinen Weihnachtsbaum statt mit teuren Winterfrüchten mit Äpfeln und Birnen aus Glas schmückte. Seitdem ist die Stadt nicht nur für die gläserne Kugel bekannt, sondern für jegliche Art gläsernen Weihnachtsschmucks.

Majestätisch recken sich die verschneiten Türme der Burg Hohenzollern in den Himmel. Im Burghof werben buntgekleidete Gaukler mit Kunststücken, Musiker mit mittelalterlichen Klängen und Händler um die Gunst der Besucher.Am ersten und zweiten Adventswochenende findet auf dem ehemaligen Stammsitz des Hauses Hohenzollern südlich von Stuttgart ein romantischer Weihnachtsmarkt zwischen den königlich-mitteralterlichen Mauern statt. Hier darf sich jeder wie ein Burgfräulein oder ein kleiner Ritter fühlen.

Ein Mosaik aus Fenstern

Weihnachtsmarkt
© Stadt Gengenbach

Der würzige Duft des Adventmarkts, Stimmengewirr und Lachen der großen und kleinen Besucher schwebt, durch die kalte Luft. Plötzlich wird es still. Das Rathaus der Stadt Gengenbach im Schwarzwald liegt im Dunkeln. Zuerst nur ein Licht, dann nach und nach werden es immer mehr. Sie streifen über die 200 Jahre alte Rathausfassade. Dann endlich öffnet sich das Fenster und ein neuer Bildausschnitt erscheint. Allabendlich wiederholt sich um Punkt 18 Uhr das "Fensteröffnungs-Ritual", bis sich aus allen 24 geöffneten Fenstern das Mosaik zusammenfügt.

Zum diesjährigen 15. Jubiläum wird nicht nur ein Bild zu sehen sein, sondern hinter jedem Fenster verbirgt sich einer der Höhepunkte der vergangenen Jahre, mit bekannten Motiven von Künstlern wie Marc Chagall und Kinderbuchhelden wie Jim Knopf und Räuber Hotzenplotz.

Eines haben diese und die vielen ­anderen Weihnachtsmärkte in ganz Deutschland aber gemeinsam: Sie gehören zur Adventszeit wie Lebkuchen, Kerzenschein und Glühweinduft – und läuten stimmungsvoll die weihnachtlichen Festtage ein.

Die Märkte auf einen Blick

Nürnberger Christkindlesmarkt:christkindlesmarkt.de
Kulmbacher Weihnachtsmarkt: kulmbach.de
Dresdner Striezelmarkt: dresden.de
Lauschaer Kugelmarkt:kugelmarkt.com
Weihnachtsmarkt auf Burg Hohenzollern:burg-hohenzollern.com
Gengenbacher Adventskalenderhaus:stadt-gengenbach.de

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