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TÜV-Verband fordert Regelungen für unabhängige Prüfungen Warnung vor Cyberattacken auf Aufzüge

Materialermüdung, Verschleiß, beschädigte Absturzsicherungen und defekte Notrufsysteme, aber genauso auch unsichere Verbindungen ins Internet – der Anlagensicherheits-Report des TÜV-Verbands deckt erhebliche Mängel an tausenden von Aufzügen auf.

Moderne Aufzüge sind mehr als nur ein Ersatz für die Treppe. Aufzugsanlagen sind heute auch schon eine zentrale Komponente smarter Gebäude, in denen Zugangskontrollen, Klimatisierung oder der Brandschutz mit Hilfe digitaler Systeme geregelt werden. Das alles läuft übers Internet, denn die Aufzüge verfügen häufig über eine digitale Steuerung. Sie können aus der Ferne bedient, überwacht oder sogar gewartet werden. Genauso ist aber auch eine Manipulation aus der Ferne möglich – eine Cyberattacke auf den Aufzug. Davor warnt der TÜV-Verband in Berlin bei der Vorstellung des neuen Anlagensicherheits-Reports 2019.

Dieser zeigte, dass Aufzüge hierzulande erschreckend oft bei Sicherheitsprüfungen durchfallen. So musste der TÜV im vergangenen Jahr rund 3.100 Aufzugsanlagen wegen "gefährlicher Mängel" sofort stilllegen. Dabei zeigten sich gefährliche Mängel wie beschädigte Absturzsicherungen oder defekte Notrufsysteme. Außerdem entdeckten die Prüfer bei rund 73.500 weiteren Aufzügen "sicherheitserhebliche Mängel", die eine Reparatur der Anlagen erfordern, aber keine sofortige Stilllegung. Das entspricht 12 Prozent aller 587.500 im Betrieb geprüften Aufzüge.

Wenn Aufzüge plötzlich stehen bleiben oder sogar abstürzen

Doch nicht nur die direkt feststellbaren technischen Probleme machen den Prüfern Sorgen, sondern auch die zunehmende Digitalisierung der Aufzüge und dass es bisher keine unabhängigen Prüfungen der Software gibt, die eine Manipulationssicherheit gewährleisten. So weist der TÜV-Verband darauf hin, dass Cyberangriffe Aufzüge zwischen den Etagen zum Stehen bringen oder sogar einen Absturz herbeiführen könnten. Angreifer könnten zudem Zugriff auf die gesamte technische Gebäudeausrüstung bekommen. Dabei fehle es aber an gesetzlichen Regelungen, die eine unabhängige Prüfung kritischer Systeme wie der digitalen Aufzugssteuerung ermöglicht. Hier müsse der Gesetzgeber nachbessern.

Im Anlagensicherheits-Report sind die Mängelstatistiken aller TÜV-Prüfungen enthalten, die von den Zugelassenen Überwachungsstellen (ZÜS) im Jahr 2018 vorgenommen wurden. Zu den geprüften Anlagen gehören neben Aufzügen auch Druckbehälteranlagen wie beispielsweise Gasspeicher und Dampfkessel sowie bestimmte Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen (Ex-Anlagen), darunter Tankstellen und Flugfeldbetankungsanlagen. dhz

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