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BFH: Urteile mit Licht und Schatten Privatdarlehen: Wann die Abgeltungssteuer genutzt werden kann

Nicht jeder kann die günstige Abgeltungsteuer nutzen. In einigen Ausnahmefällen ist sie ausgeschlossen. Drei Urteile des Bundesfinanzhofs mit Licht und Schatten für den Steuerzahler.

Für private Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden wird seit 2009 normalerweise die Abgeltungsteuer fällig. Das bedeutet 25 Prozent Einkommensteuer, darauf 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Von der Abgeltungsteuer profitieren vor allem Steuerzahler, deren persönlicher Steuersatz deutlich über 25 Prozent liegt.
Doch kein Grundsatz ohne Ausnahme: Die günstige Abgeltungsteuer wird in einigen Fällen ausgeschlossen und der Kapitalanleger muss Zinsen mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Denkbar sind hier insbesondere folgende Situationen:
  • Situation 1: Bei Darlehen zwischen Angehörigen, wenn der Darlehensnehmer die Darlehenszinsen steuerlich absetzen kann.
  • Situation 2: Ein Anteilseigner ist zu mindestens zehn Prozent an einer GmbH beteiligt und gewährt dieser ein verzinsliches Darlehen.
  • Situation 3: Ein Anteilseigner ist mindestens zu zehn Prozent an einer GmbH beteiligt und eine ihm nahe stehende Person gewährt der GmbH ein verzinsliches Darlehen.
Der Bundesfinanzhof (BFH) hat zu diesen drei Situationen zwei steuerzahlerfreundliche Urteile gefällt.

Positiv-Urteil: Darlehen zwischen Angehörigen

Gewähren Eltern ihrem Kind ein privates Darlehen, damit sich dieses eine Immobilie zu Vermietungszwecken kaufen kann, können die Eltern darauf pochen, dass die erhaltenen Zinsen nur mit der 25-prozentigen Abgeltungsteuer besteuert werden (BFH, Az. VIII R 9/13, Az.: VIII R 44/13 und Az.: VIII R 35/13). Die Einschränkung nach § 32a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1a EStG führt zu einer Ungleichbehandlung. Einzige Voraussetzung: Der Darlehensgeber darf keinen beherrschenden Einfluss auf den Darlehensnehmer ausüben können.

Praxis-Tipp: Von einem beherrschenden Einfluss kann ausgegangen werden, wenn der Darlehensnehmer aufgrund seiner finanziellen Situation von einem Fremden gar kein Darlehen bekommen hätte (BMF, Schreiben v. 18.1.2016, Az. IV C 1 – S 2252/08/10004:017; Rz. 136). Mit anderen Worten: Können Sie ein Darlehensangebot von der Bank für den Darlehensnehmer vorlegen, muss das Finanzamt die erzielten Zinsen mit der 25-prozentigen Abgeltungsteuer besteuern.

Beispiel: Handwerker Huber und seine Frau leihen ihrer Tochter im Rahmen eines Privatdarlehens 200.000 Euro für den Kauf einer Immobilie, die zur Vermietung bestimmt ist. Sie erhalten dafür Zinsen in Höhe von 5.000 Euro pro Jahr. Die Tochter hat auch ein Darlehensangebot von einer Bank bekommen.

Folge: Die Tochter kann die Schuldzinsen als Werbungskosten absetzen. Nach dem neuen BFH-Urteil und den Grundsätzen des BMF-Schreibens vom 18.1.2016  müssen die Eltern für die 5.000 Euro Zinsen nur 1.250 Euro Einkommensteuer und 68,75 Euro Solidaritätszuschlag bezahlen (= Abgeltungsteuer). Bisher verlangte das Finanzamt Steuern in Höhe von 2.215,50 Euro (= Besteuerung mit persönlichem Steuersatz).

Negativ-Urteil: Darlehen eines Gesellschafters an seine GmbH

Gewährt ein Gesellschafter seiner GmbH ein Darlehen und ist mindestens zu zehn Prozent an dieser GmbH beteiligt, muss er die erhaltenen Darlehenszinsen mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz als Kapitalerträge versteuern (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 Satz 1b EStG). Das haben die Richter des Bundesfinanzhofs nun bestätigt (BFH, Az.: VIII R 23/13). Es liegt insoweit kein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz vor.

Praxis-Tipp: Bei der Ermittlung der Zehn-Prozent-Grenze sind sowohl unmittelbare als auch mittelbare Beteiligungen einzubeziehen (BMF, Schreiben v. 18.1.2016, Rz. 137).

Beispiel: Handwerkerin Müller ist zu 100 Prozent an der Müller-Bau-GmbH beteiligt. Sie gewährt ihrer GmbH ein Darlehen und erhält dafür pro Jahr 12.000 Euro Zinsen. Ihr persönlicher Einkommensteuersatz liegt bei 38 Prozent.

Folge: Da Frau Müller mindestens zu zehn Prozent an der Müller-Bau-GmbH beteiligt ist, kommt die Abgeltungsteuer nicht zu Anwendung. Für Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag werden 4.810,80 Euro fällig.

Positiv-Urteil: Abgeltungsteuer bei Darlehen einer nahe stehenden Person

Bisher haben die Finanzämter die Besteuerung von Zinsen mit der 25-prozentigen Abgeltungsteuer abgelehnt, wenn eine nahe stehende Person des Gesellschafters der GmbH ein Darlehen gewährt hat (§ 32d Abs. 2 Nr. 1b Satz 2 EStG). Doch dieser Regelung haben die BFH-Richter nun die rote Karte gezeigt (BFH, Az.: VIII R 31/11). Die Abgeltungsteuer kann nur versagt werden, wenn der Darlehensgeber auf die Gesellschafter einen beherrschenden Einfluss ausüben kann.

Beispiel: Eine Oma gewährt einer GmbH, an der ihre beiden Enkelkinder zu jeweils mehr als zehn Prozent beteiligt sind, ein Darlehen. Ihr persönlicher Einkommensteuersatz beträgt 40 Prozent. Die Zinsen aus diesem der GmbH gewährten Darlehen betragen 5.000 Euro im Jahr.

Folge: Nach dem BFH-Urteil muss die Oma die Zinsen nicht mit 40 Prozent versteuern, sondern mit dem 25-prozentigen Abgeltungsteuersatz.

Abgeltungssteuer: Das sollten Handwerker beachten

Wer Kapitalerträge erzielt, muss Abgeltungssteuer zahlen. Was einfach klingt, kann unter Umständen jedoch kompliziert werden. Doch sich damit zu befassen lohnt sich - denn die Abgeltungssteuer kann unter bestimmten Voraussetzungen vorteilhaft sein.

Für private Kapitaleinnahmen hat der Gesetzgeber 2009 eine eigene Besteuerung geschaffen. Die Grundsätze der Abgeltungsteuer: Alle Kapitalerträge werden besteuert, ein Werbungskostenabzug ist ausgeschlossen, alle Kapitalerträge werden pauschal mit 25 Prozent zuzüglich des Solidaritätszuschlags und gegebenenfalls mit Kirchensteuer besteuert. Sie müssen in der Einkommensteuererklärung nicht mehr aufgeführt werden. Hört sich erst einmal einfach an, ist es in der Praxis aber dann leider doch nicht.  

Welche Kapitalerträge werden mit der Abgeltungsteuer besteuert?

Als Kapitalerträge werden alle laufenden Erträge wie Zinsen und Dividenden, aber auch realisierte Kursgewinne aus dem Verkauf von Aktien und anderen Wertpapieren behandelt. Das Gute an der Abgeltungsteuer ist, dass Sie sich als Kapitalanleger eigentlich gar keine Gedanken mehr darüber machen müssen, ob bestimmte Kapitalerträge zu versteuern sind oder nicht. Diese Entscheidung nimmt Ihnen die Bank ab, bei der Sie Ihr Geld angelegt haben. Denn die Abgeltungsteuer wird direkt von der Bank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Wie werden die steuerpflichtigen Kapitalerträge und die Abgeltungsteuer ermittelt?

Die Kapitalerträge werden nach einem bestimmten Schema ermittelt. Steuerpflichtig sind die erzielten Erlöse. Davon zieht die Bank den Sparer-Pauschbetrag ab, falls für das Konto, für das die Kapitalerträge anfallen, ein Freistellungsauftrag vorliegt. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt für Ledige 801 Euro pro Jahr und für zusammenveranlagte Ehegatten 1.602 Euro pro Jahr.

Werbungskosten im Zusammenhang mit Einkünften aus Kapitalvermögen sind tabu, dürfen seit 2009 also nicht mehr abgezogen werden. Von den verbleibenden steuerpflichtigen Kapitalerträgen behält die Bank 25 Prozent Abgeltungsteuer und den Solidaritätszuschlag ein.

  Schema zur Ermittlung der Abgeltungsteuer  
  Erzielte Kapitalerträge ………. Euro
- Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro/1.602 Euro (ledig/zusammenveranlagte Ehegatten)  
= Steuerpflichtige Kapitalerträge  
x 25% = Abgeltungsteuer  
x 5,5% von der Abgeltungsteuer = Solidaritätszuschlag  

Wer profitiert von der Abgeltungsteuer?

Die Abgeltungsteuer ist für alle privaten Kapitalanleger profitabel, deren persönlicher Einkommensteuersatz mehr als 25 Prozent beträgt. Den Spareffekt verdeutlicht das folgende Beispiel:

Handwerkerin Müller spart mit Ihrem Ehegatten für die private Altersvorsorge. Sie erzielt zusätzlich zum zu versteuernden Einkommen von 150.000 Euro pro Jahr etwa 6.000 Euro Zinsen aus einer Sparanlage.

  Steuerlast ohne Abgeltungsteuer Steuerlast mit Abgeltungsteuer
Zu versteuern mit persönlichem Einkommensteuersatz 156.000 Euro 150.000 Euro
Zu versteuern mit Abgeltungsteuer 0 Euro 6.000 Euro
Steuerbelastung (Einkommensteuer, Soli) 51.239 Euro 50.162 Euro

Fazit

Neben der Steuerersparnis von 1.077 Euro ist ein weiterer Vorteil der Abgeltungsteuer, dass der Kapitalanleger sich mit dem Thema "Kapitalerträge" in seiner Steuererklärung nicht mehr auseinandersetzen muss.

Wie funktioniert das mit der Kirchensteuer?

Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge bei Anwendung der Abgeltungsteuer wird normalerweise auch von der Bank oder dem Versicherungsunternehmen ans Finanzamt abgeführt, wenn Sie katholisch oder evangelisch sind. Haben Sie dem Einbehalt jedoch widersprochen, müssen Sie die Anlage KAP ausfüllen und ankreuzen, dass noch die Kirchensteuer ermittelt und festgesetzt werden.

Mein Steuersatz liegt unter 25 Prozent: Wie verhalte ich mich?

Die Abgeltungsteuer ist für Kapitalanleger nicht mehr vorteilhaft, wenn ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt. Das sind oftmals Handwerker, die sich im Ruhestand befinden oder die durch hohe Investitionen in ihr Einzelunternehmen ein sehr niedriges zu versteuerndes Einkommen haben.

Liegt der persönliche Einkommensteuersatz unter 25 Prozent, kann man in seiner Einkommensteuererklärung eine "Günstigerprüfung" beantragen. Dazu müssen allerdings alle in einem Jahr erzielten Kapitalerträge in der Anlage KAP erfasst werden. Das Finanzamt überprüft dann, ob der persönliche Grenzsteuersatz des Kapitalanlegers tatsächlich unter 25 Prozent liegt. Ist das der Fall, wird der Differenzbetrag zur Abgeltungsteuer wieder erstattet. kös

  Der Beitrag wurde am 14. August 2017 aktualisiert.

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