Branche -

Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD) Wann Brandschutzschalter eingebaut werden sollten

Im Oktober 2019 wurde eine Norm in neuer Version veröffentlicht, die den Brandschutz verbessern soll: die DIN VDE 0100-420. Dabei geht um den Einbau von sogenannten Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD) – meist Brandschutzschalter genannt. Die Norm empfiehlt den Einbau für Gebäude mit besonderen Brandrisiken – und fordert sie nicht mehr pauschal.

Brandschutzschalter sollen verhindern, dass Gebäude durch Störstellen in den elektrischen Leitungen in Brand geraten. Kommt es in einem Stromkreis zu einer unregelmäßigen Spannung und damit zu einem sogenannten Fehlerlichtbogen – ein blauer Funke, den man auch manches Mal sehen kann, wenn man einen Stecker aus der Steckdose zieht – soll die Schutzeinrichtung dafür sorgen, dass der ganze Stromkreis keine neue Energie mehr bekommt und sich abschaltet. Pro Stromkreislauf ist also ein solcher Schalter nötig, der die Leitungen überwacht und im Fehlerfall abschaltet.

Die dazugehörige Norm mit der Bezeichnung DIN VDE 0100-420 - "Schutz gegen thermische Auswirkungen" von der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE) wird bereits seit dem Jahr 2016 diskutiert und sollte den Einbau als anerkannte Regel der Technik verpflichtend machen für Räume , in denen Holzvertäfelungen vorhanden sind, brennbare Dämmstoffe eingebaut wurden oder sich der Raum direkt unter dem Dachstuhl befindet. Zudem sollte der Einbau für Schlaf- und Aufenthaltsräume in Kindertagesstätten, Seniorenheimen oder barrierefreien Wohnungen gelten.

Brandschutzschalter: Möglichkeit um Brandrisiko zu reduzieren

Nach längeren Diskussionen steht nun fest, dass die Norm nicht mehr den pauschalen  Einbau der Brandschutzschalter fordert, sondern bei Vorliegen eines besonderen Risikos organisatorische, anlagentechnische oder bauliche Maßnahmen getroffen werden müssen, um die schädlichen Auswirkungen von Fehlerlichtbögen zu vermeiden. Der Einbau eines Brandschutzschalters stellt dabei eine mögliche Variante dar.

Um das objektspezifisch vorliegende Risiko bewerten zu können ist für bestimmte Räumlichkeiten und Orte in der Planungsphase eine Risiko- und Sicherheitsbewertung durchzuführen. Das teilten nun der Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), der Deutsche Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) in einer gemeinsamen Veröffentlichung mit. Die Verbände haben zudem eine gemeinsame Praxishilfe erarbeitet, die Planer, Elektriker und Bauherren bei der Umsetzung der Risiko und Sicherheitsbewertung bei Gebäuden in Holztafel bzw. rahmenweise, Massivholzbauweise und in Holzskelelettbauweise unterstützen sollen. Sie kann hier heruntergeladen werden.>>>

Brandrisiko: Mängel in der Elektrik

"Mit der vorliegenden Lösung, obliegt es in den meisten Fällen dem Bauherrn, ob er die zusätzliche Sicherheit einer Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung haben möchte oder nicht", sagt dazu Roland Glauner vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), der sich seit Jahren dafür einsetzt, keine generelle Einbaupflicht von Brandschutzschaltern normativ zu verankern.

"Wir wissen, dass Mängel in einer elektrischen Anlage für etwa 30 Prozent aller Gebäudebrände verantwortlich sind. Deshalb ist es grundsätzlich löblich, wenn hier Ursachenforschung betrieben wird und am Ende Maßnahmen angewendet oder eingebaut werden, die dieses Risiko deutlich reduzieren", sagt Glauner. "Durch die enge inhaltliche Zusammenarbeit mit dem ZVEH der vergangenen Monate haben wir festgestellt, dass sich im Bereich der Fehlerlichtbögen bereits durch konsequente Anwendung der anerkannten Regeln der Technik, sowohl bei Niederspannungsanlagen als auch im Bereich des Bauwesens, viele Fehlerquellen ausschließen lassen. Bspw. kommen aufgrund der Bauweise und der Verlegeregeln Nagetierverbiss und zu enge Leitungsradien gar nicht mehr als Fehlerquelle in Frage." Bei der nun vorliegenden differenzierten Betrachtungsweise und Möglichkeit zur Auswahl von Schutzmaßnahmen, geht es dem ZDB auch darum, dass der Bauherr sich der ausgewählten Maßnahme und der damit eventuell einhergehenden Mehrkosten bewusst ist.

Brandschutzschalter: Keine Nachrüstpflicht

"Risikominimierung" und "ein hoher Sicherheitsstandard" , der mit Fehlerlichtbogenschutzeinrichtungen erreicht wird – für den ZVEH sind das Argumente, die ganz klar für den Einbau einer solchen Schutzeinrichtung sprechen. Brandschutzschalter erkennen frühzeitig Lichtbögen, die als mögliche Brandursache in der elektrischen Anlage gelten. Dabei sind diese Schutzeinrichtungen nach Angaben des E-Handwerks – gerade in Relation zu baulichen Brandschutzmaßnahmen – eine kostengünstige Alternative, um die Sicherheit für die Bewohner zu erhöhen.

Zusätzlich würden auch die eingesteckten Elektrogeräte mit überwacht, was einen deutlichen Mehrwert darstellt. "Bei Neubauten lassen sich die Fehlerlichtbogenschutzeinrichtungen im Zuge der Errichtung der elektrischen Anlage ohne großen Aufwand einbauen. Aber auch ein nachträglicher Einbau ist sinnvoll und oft ohne große Investition möglich", erklärt Andreas Habermehl, Referent Normung und Innovation beim ZVEH, und verweist darauf, dass die Norm nur für Neubauten anzuwenden ist. Eine Nachrüstpflicht besteht nicht.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten