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Nachhaltige Geldanlage Wald-Investments: Nachwachsende Gewinne

Wälder können hohe Erträge bringen. Und einen Diversifikationseffekt für das Portfolio. Bei Investments sollten Anleger aber genau hinschauen.

Eine Geldanlage mit Sachwertcharakter, die Jahr für Jahr solide wächst – unabhängig von Börsenturbulenzen und dem Konjunkturzyklus. Das ist es, was Anleger in Zeiten niedriger und zum Teil negativer Zinsen und nicht mehr ganz günstiger Aktien händeringend suchen. Und die es auch gibt: Nämlich Wald.

Die Idee ist einfach. Der Anleger investiert in ein Stück Wald, das aufgeforstet wird. Jedes Jahr wachsen die Bäume und deren Wert steigt. Nach zehn bis 15 Jahren werden die Bäume gefällt und das Holz wird verkauft. Der Anleger bekommt seinen Einsatz zurück und eine Rendite oben drauf.

In der Tat verspricht Wald attraktive Renditen. Gemessen am NCREIF Timberland Property Index, der sich aus der Wertentwicklung großer privater Waldportfolios in den USA zusammensetzt, lag der Zuwachs seit Mitte der achtziger Jahre im zweistelligen Bereich – und das pro Jahr.  

Wald-Investments derzeit schwierig

„Ganz so einfach ist es jedoch nicht“, schränkt Uwe Groh von der ICM Vermögensberatung in Neuss ein. „In den vergangenen rund zehn Jahren kamen viele Angebote an Waldinvestments in Form geschlossener Fondsmodelle auf den Markt. Doch die meisten dieser Vehikel enttäuschten.“

In der Tat boten etliche Initiatoren Waldinvestments in Osteuropa oder Südamerika an. Zum Teil mit Renditeversprechungen im zweistelligen Bereich. „Dabei aber haben viele Anleger die Risiken übersehen“, sagt Michael Gödert von der FiNUM.Private Finance AG. „Dazu zählen nicht nur die politische Unsicherheit in einigen dieser Länder, sondern auch Stürme oder Ungeziefer, die dem Wald Schaden zufügen können.“ 


Hinzu kommt die professionelle Bewirtschaftung. „Das bringt erhebliche Kosten mit sich, die die Rendite schmälern“, sagt Groh. „Anleger müssen außerdem einen sehr langen Atem haben und dann ist der Erfolg vom Holzpreis abhängig, der unmöglich zu prognostizieren ist.“ Aus diesem Grund rät der Experte von solchen Fondsmodellen ab. Aktuell sind allerdings auch kaum Angebote dieser Art am Markt, was auch daran liegen dürfte, dass diese Vehikel mit der neu eingeführten AIFM-Richtlinie offenen Fonds gleichgestellt wurden. „Gerade für kleinere Anbieter, die oft hinter Waldinvestments stecken, sind dadurch die Kosten enorm gestiegen“, erklärt Groh.

So klappt die nachhaltige Geldanlage dennoch

Aber gibt es andere Wege, über die sich ein Waldinvestment umsetzen lässt. „Wem es vor allem um die Rendite geht, der kann über Fonds oder Exchange Traded Funds in Aktien von Unternehmen, die Wald bewirtschaften oder in der Holzindustrie tätig sind, investieren“, sagt Gödert. „Das kann zum Beispiel aus Gründen der Diversifikation interessant sein.“

Aber auch aufgrund der Rendite. Der S&P World Timber & Forestry Index, der die 25 größten Unternehmen, die in der Bewirtschaftung von Wald oder in der holzverarbeitenden Industrie tätig sind, enthält, hat im Schnitt über zehn Prozent jährlich in den vergangenen fünf Jahren gebracht. Der Pictet-Timber Fonds konnte im gleichen Zeitraum sogar rund zwölf Prozent jährlich zulegen.

Für vermögendere Anleger, die in echten Wald investieren wollen, gibt es aber noch eine Alternative: Der Kauf eines Waldstücks. Tatsächlich finden sich in den einschlägigen Immobiliensuchmaschinen auch Angebote. „Langfristig dürften sich damit schon zwei bis drei Prozent Rendite erwirtschaften lassen“, meint Groh. „Allerdings sind dafür höhere Summen notwendig, die Bewirtschaftung bringt erhebliche Kosten mit sich und erfordert einen hohen eigenen Einsatz.“ Dieser Weg lohnt sich deshalb auch nur für denjenigen, für den Waldbesitz ein Hobby ist. Und der damit vielleicht seinen ökologischen Fußabdruck verbessern will.

Nachhaltigkeitsfonds und -ETFs  ISIN Anlageschwerpunkt Wertentwicklung  Wertentwicklung 
laufendes Jahr 3 Jahre p.a.
Deka UmweltInvest CF DE000DK0ECS2 Umwelt allgemein 12,14 Prozent 14,21 Prozent
GreenEffects NAI-Wertefonds IE0005895655 Umwelt allgemein 8,33 Prozent 13,79 Prozent
ÖkoWorld ÖkoVision Classic C LU0061928585 Umwelt allgemein 10,09 Prozent 13,66 Prozent
Guggenheim MSCI Global Timber ETF US18383Q8794 Wald/Holz 5,58 Prozent 13,31 Prozent
ishares Global Timber & Forestry ETF IE00B27YCF74 Wald/Holz 4,15 Prozent 12,27 Prozent
Pictet Timber P EUR LU0340559557 Wald/Holz 4,89 Prozent 10,71 Prozent

Quelle: Morningstar; Daten vom 17.05.17; sortiert nach 3-Jahres-Performance

Interview

„Nachhaltigkeit kostet Rendite“

Anlageexperte Michael Gödert von FiNUM.Private Finance in Wülfrath erläutert, warum Nachhaltigkeit Geld kostet, sich aber trotzdem für jedes Portfolio eignen kann.

Michael Gödert FiNUM.Private Finance

Herr Gödert, ist nachhaltige Geldanlage nur ein Modethema?

Gödert: Nein. Immer mehr Anleger erkennen, dass die Gesundheit der Natur ein wichtiges Gut ist. Die steigende Nachfrage ist deshalb kein Strohfeuer, sondern eine nachhaltige Entwicklung.

Stimmt denn das Argument, dass man damit mehr Rendite erzielt?

Gödert: Nein. Sie müssen zweierlei bedenken: Zum einen schließen Sie einen großen Teil des Investmentuniversums aus, womit Sie auf Renditechancen verzichten. Zum anderen müssen Sie das Universum laufend überprüfen, was Geld und damit Rendite kostet. Aus meiner Erfahrung heraus ist nachhaltige Geldanlage eher ein emotionales Thema, bei dem die Rendite eine untergeordnete Rolle spielt.

Für alle anderen heißt das dann Finger weg?

Gödert: Nicht unbedingt. Aus Gründen der Diversifikation kann sich die Beimischung sehr wohl eignen. Sie können damit Bereiche wie Wald oder die Holzindustrie abdecken, die in der klassischen Geldanlage keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Und es lässt sich unter Umständen das Rendite-Risiko-Profil des Portfolios verbessern

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