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Die Technik funktioniert, aber rentabel ist sie nicht immer Wärmepumpen bei der Altbausanierung

Gemeinhin gelten Wärmepumpen für Sanierungen im Altbau als ungeeignet. Dass es möglich ist, dennoch respektable Jahresarbeitszahlen zu erreichen, wird an zwei Objekten im Großraum Stuttgart deutlich.

Den attraktiven Stuttgarter Stubensandstein an der Fassade seines 1951 erbauten Wohnhauses mit einer dicken Dämmschicht zu überziehen, käme Hans-Peter Hobbach nie in den Sinn. „Das Haus wurde von meinem Schwiegervater, Inhaber eines Sandsteinbruchs, sehr solide gebaut. Diese Bausubstanz möchte ich erhalten“, sagt der pensionierte Zahnarzt. Trotzdem wollte er die 390 m2 große Wohnfläche nicht länger mit Energie aus Erdöl erwärmen, was ihn rund 8.000 Euro pro Jahr kostete.

Sole-Wasser-Wärmepumpe

In der Firma Burkhardt fand er einen Partner im Handwerk, der sich traute, zwei Sole-Wasser-Wärmepumpen mit sechs Erdsonden à 98 Meter zu planen und zu installieren, obwohl das Haus hauptsächlich über klassische Radiatoren beheizt wird. „Da wir auf eine Nachtabsenkung verzichten, konnten wir die Vorlauftemperatur auf 40 °C absenken und eine Jahresarbeitszahl von 3,4 realisieren. Das heißt, aus einer Kilowattstunde Strom generieren wir 3,4 Kilowattstunden Wärme“, erklärt Firmenchef Michael Burkhardt. Obwohl die Heizung im Sommer durchlaufen muss, spart der Bauherr rund 4.000 Euro Betriebskosten pro Jahr.

Dennoch hat sich der Heizungstausch für Hans-Peter Hobbach finanziell nicht gelohnt. „Bei den hohen Strompreisen rentiert sich die Investition eigentlich nicht. Hier muss die Politik endlich reagieren“, fordert Hobbach und findet in Paul Waning einen Verbündeten. Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Wärmepumpe sieht den Strom beim Preis benachteiligt, weil im Zuge der Energiewende zahlreiche Steuern und Abgaben wie die EEG-Umlage oder der KWK-Aufschlag in den Strompreis einfließen, während Gas und Öl davon verschont bleiben.

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Luft-Wasser-Wärmepumpe
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Aufgrund der deutlich geringeren Investitionskosten hat die Luft-Wasser-Wärmepumpe inzwischen den Erdwärmegeräten den Rang abgelaufen. Oliver Nick, dessen Handwerksbetrieb sich auf die Installation von Wärmepumpen spezialisiert hat, zeigt im Mehrfamilienhaus seines Schwiegervaters in Leonberg, was möglich ist. Im Gebäude aus dem Jahr 1961 wurde der Ölkessel durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt. Zusätzlich unterstützt eine Solarthermie-Anlage die Warmwasseraufbereitung. Heizkostenersparnis insgesamt: 5.000 Euro.

Doch damit wollten sich Nick und der Bauherr nicht zufriedengeben. Durch den Austausch der Fenster sowie die Dämmung von Fassade und Dach konnte das Haus mit vier Wohnungen auf den KfW-Standard 85 gebracht werden. Oliver Nick geht davon aus, dass die Wärmepumpe nach der Sanierung eine Jahresarbeitszahl von mehr als 4,0 erreicht.

Mit seinem vor sechs Jahren gegründeten Betrieb zeigt der Diplom-Ingenieur, dass sich die Spezialisierung auf die Wärmepumpe durchaus lohnt. Rund 80 Prozent des Umsatzes generiert die Firma Nick nach seinen Angaben mit Wärmepumpentechnik.

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