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SHK-Handwerk kann profitieren Wärmepumpe: Großes Potenzial für den Klimaschutz

Im Neubau schon Marktführer, aber im Bestand kaum nachgefragt. Das Potenzial der Wärmepumpe für den Klimaschutz wird nicht ausgeschöpft, so eine Studie.

Obwohl die Wärmepumpe im Neubau seit 2017 das meistverbaute Heizungssystem ist, bleibt ihr Potenzial für die Wärmewende in Deutschland noch weitgehend ungenutzt. Denn die meisten neuen Heizungen werden beim Austausch alter Geräte in Bestandsgebäuden installiert. Hier kommt die Wärmepumpe aber nur auf einen Marktanteil von sechs Prozent – im Gegensatz zu gut 45 Prozent im Neubau. Eine Studie von Pricewaterhouse Coopers (PwC) empfiehlt daher eine stärkere Verbreitung der Wärmepumpe, um den Klimaschutz bei Gebäuden zu erhöhen.

Strom in Deutschland zu teuer

Dass Wärmepumpen bei Modernisierungen nicht stärker nachgefragt werden, hat verschiedene Ursachen. Eine liegt im Missverhältnis der Energiepreise, so die PwC-Studie. „Der Strom für Wärmepumpen ist im Verhältnis zu Heizöl und Erdgas viel zu teuer“, konstatiert Kai Schiefelbein, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP). Der Geschäftsführer des Herstellers Stiebel Eltron wünscht sich eine spürbar sinkende EEG-Umlage, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber Öl und Gas auszugleichen.

Effektivität hängt von Vorlauftemperatur ab

Ein weiterer Grund, warum sich so wenig Bauherren beim Heizungstausch für eine Wärmepumpe entscheiden, liegt in der Technologie. Wärmepumpen arbeiten besonders effektiv bei geringer Vorlauftemperatur. Was in gut gedämmten Neubauten mit Fußbodenheizung locker gelingt, wird in älteren Häusern mit Radiatoren-Heizkörpern zum Pro­blem. Die Hersteller arbeiten daher mit Hochdruck an der Entwicklung von Produkten mit höheren Vorlauftemperaturen. Stiebel Eltron will schon im August eine Luft-Wasser-Wärmepumpe auf den Markt bringen, die bei einer Vorlauftemperatur von 65 Grad Celsius eine Jahresarbeitszahl von 3,3 erreicht – das heißt, die Wärmepumpe wandelt den benötigten Strom in das 3,3-fache an Wärmeenergie um. Bei Vorlauftemperaturen von 35 Grad Celsius schaffen Wärmepumpen das 4,5-fache.

Wissenstransfer ins Handwerk

Damit die Wärmepumpen ihre maximale Effektivität erreichen, müssen sie exakt dimensioniert sein, was hohe Anforderungen an die Planung und Installation stellt. Ob Kapazitäten und Know-how im Handwerk hierfür ausreichen, bezweifeln manche Branchenkenner. Mit kostenfreien Onlineangeboten zur Aus- und Weiterbildung will der Bundesverband Wärmepumpe den Wissens­transfer ins Handwerk steigern.

Beim Zentralverband des SHK-Handwerks sieht man keinen grundsätzlichen Mangel in der Ausbildung, auch nicht in der technischen Ausstattung der Bildungszentren. „Der Markt definiert sich durch Angebot und Nachfrage. Von unseren Betrieben bekommt er genau die Leistungen, die er haben möchte. Und zwar in ausreichender Menge und Qualität“, sagt Verbandssprecher Frank Ebisch. Eine gesteigerte Nachfrage werde den Weiterbildungsbedarf erhöhen. „Das haben wir im Blick.“

Derweil forschen Wissenschaft und Industrie daran, die Planung und Installation für Wärmepumpen zu vereinfachen. „Es darf für den Handwerker keinen Unterschied machen, ob er ein Gasbrennwertgerät installiert oder eine Wärmepumpe. Noch sind wir nicht ganz so weit, aber wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagt Viessmann-Geschäftsführer Fank Voßloh. Er wünscht sich vor allem ein besseres Image für die SHK-Handwerker und hat auch gleich einen Vorschlag parat: Gas – Wasser – Laptop.

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