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Mit dem e-Crafter auf Probefahrt durch Hamburg VW Nutzfahrzeuge startet in die Elektromobilität

Der neue VW e-Crafter ist kräftig im Anzug, aber nicht schneller als 90 km/h. Als Tankstelle empfiehlt sich eine eigene Wallbox.

Das Zuklappen der Tür ist das einzige wirklich laute Geräusch. Dann herrscht Stille. Auf zur ersten Fahrt mit dem neuen e-Crafter. Bremse treten und den Gang auf Dauerbetrieb stellen, dann kann es losgehen. Zumindest beinahe.

Wer mit dem neuen Volkswagen E-Crafter losfahren möchte, der muss angeschnallt sein, sonst läuft nichts. Also, Gurt anlegen und Gas geben. Das 3,5-Tonnen-Fahrzeug hat den für ein elektrifiziertes Nutzfahrzeug üblichen, kräftigen Anzug. Dafür sorgt eine Synchronmaschine des Typs EEM 85, die bis zu 136 PS und 290 Nm Drehmoment leisten kann. Ist die erlaubte Geschwindigkeit erreicht, gleitet der e-Crafter förmlich über die Straße. Selbst die 400 kg Nutzlast sind kaum zu spüren. Bei Tempo 90 ist Schluss, ab hier regelt VW das Fahrzeug ab.

Volkswagen Nutzfahrzeuge erlaubt dem ersten e-Crafter eine Zuladung von 970 kg. Das sind fast 500 weniger als bei dem mit Diesel angetriebenen Pendant. Und auch die 4,2-t-Variante muss in der elektrifizierten Version mit weniger Zuladung auskommen. Immerhin passen hier dann 1.720 kg drauf. Schuld am schwereren Leergewicht sind zu einem großen Teil die Batterien. Hier hat sich VW Nutzfahrzeuge für Energieträger mit 35,8 kWh entschieden.

Laut Nutzeranalyse sind 170 km Reichweite genug

e-Crafter

Eine gute Kalkulation der täglichen Fahrleistung ist ebenfalls notwendig. Denn VW hat sich entschieden, dem Fahrzeug ein Batteriepaket zu verpassen, mit dem der Handwerker maximal 170 km weit pro Batterie­ladung fahren kann. Grundlage für die Kalkulation war laut VW eine ausführliche Nutzeranalyse, nach der im Stadtverkehr durchschnittlich nicht mehr als 70 bis 100 km gefahren werden. Entsprechend hat VW den e-Crafter für den urbanen Verkehr konzipiert.

Zur Premiere kommt der e-Crafter als Hochdach-Kastenwagen mit einer Länge von knapp 6 m, einer Breite von 2 m und einer Höhe von 2,6 m. Die maximale Ladelänge liegt bei 3,45 m, die Höhe bei 1,86 m und die Breite zwischen den Radkästen bei 1,38 m. Damit bietet er ein Ladevolumen von 10,7 m3 und büßt im Vergleich mit dem Diesel-Modell nichts ein. Es passen auch hier vier Europaletten ins Fahrzeug. Gleichzeitig gibt es bei der Einrichtung des Laderaums keinerlei Einschränkungen.

15.000 Euro teurer als vergleichbarer Diesel

Für einen Basispreis von 69.500 Euro muss der Handwerker mit dem e-Crafter auch in Zukunft keine Fahrverbote fürchten. Ab wann sich die Mehrkosten von etwa 15.000 Euro im Vergleich zum Diesel-Modell amortisieren lassen, wird sich allerdings erst noch herausstellen müssen.

Immerhin liegt der Energiegehalt bei 21,5 kWh auf 100 km, was laut VW einem Durchschnittsverbrauch von 2,1 l Diesel entspricht. Ein Traumwert in dieser Fahrzeugkategorie, die normalerweise bei 10 l Diesel auf 100 km liegt. Zudem fallen Kosten für Wartungen und Betriebsmittel wie Öl weg. Außerdem verschleißen durch die Rekuperation die Bremsen nicht so schnell.

Dafür sollte jeder Handwerker zumindest in eine Wallbox mit 7,2 kW investieren. Mit dieser lässt sich der e-Crafter in fünf Stunden und 20 Minuten wieder vollständig auf­laden. Mit einem herkömm­lichen Stromanschluss dauert es ganze 17 Stunden. Das ist für den täg­lichen Gebrauch doch eher unrealistisch. Richtig schnell wiederum geht es mit einer Schnellladestation. In 45 Minuten sollen 80 Prozent der Batteriekapazität erreicht sein. Wer 100 Prozent erreichen möchte, der muss für die restlichen 20 Prozent noch mal mit einer guten halben Stunde rechnen.

Für VW Nutzfahrzeuge ist der e-Crafter der Start in eine Elektromobilitätsoffensive. Jetzt muss sich zeigen, ob die Fahrzeuge auch im Markt ankommen.

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