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Vergleich zwischen VW und vzbv VW-Diesel-Deal: Wie viel Geld jeder Kunde bekommt

Die Einigung von Volkswagen und Verbraucherschützern zum Diesel-Vergleich steht: Fast fünf Jahre nach Auffliegen des Abgasskandals soll es Entschädigung geben. Aber für welche Modelle gibt es wie viel?

Aufatmen bei vielen deutschen VW-Dieselkunden: Nach einer langen Auseinandersetzung bekommen zumindest die meisten Teilnehmer des Braunschweiger Musterverfahrens Schadenersatz für den Wertverlust ihrer Autos. Dabei schien eine gemeinsame Lösung, die sowohl vom Autokonzern als auch von Verbraucherschützern getragen wird, fast schon geplatzt.

Wie sieht das Angebot an die VW-Dieselkunden aus?

Der Vergleich richtet sich an 262.500 Besitzer von Dieselautos der Konzernmarken, in denen die fraglichen EA-189-Motoren verbaut sind - neben Modellen der Kernmarke VW-Pkw also etwa auch bei Audi, Skoda, Seat und den leichten VW-Nutzfahrzeugen. Sie erhalten Entschädigungen zwischen 1350 und 6257 Euro, wie VW und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vereinbarten. Es geht um die Modelljahre 2008 bis 2016. "Alle Kunden werden ein für ihr Fahrzeug und das Alter ihres Fahrzeugs zugeschnittenes Angebot in Kürze von uns erhalten", versprach VW-Rechtsvorständin Hiltrud Werner am Freitag.

Im Schnitt sollen die Zahlungen 15 Prozent des Kaufpreises abdecken. Die Gesamtsumme liegt etwa bei 830 Millionen Euro. Zudem trägt VW die Kosten zur Abwicklung des Vergleichs und zur Rechtsberatung. Wirtschaftsprüfer sollen die Umsetzung beobachten. Für Streitfragen wird eine Ombudsstelle eingerichtet.

Die Verbraucherschützer empfehlen Betroffenen, jetzt aktiv zu werden. In einem ersten Schritt sollten sie sich über den Inhalt des Vergleichs informieren – und ob sie zu den Anspruchsberechtigten gehören. Die Betroffenen sollten außerdem das Angebot, gegebenenfalls mit der Hilfe eines Anwalts, prüfen. Laut vzbv übernimmt Volkswagen die Kosten in Höhe von bis zu 190 Euro (netto), wenn der Verbraucher den Vergleich abschließt. Schlussendlich muss sich der Betroffene entscheiden, ob er den Vergleich annimmt oder eine Einzelklage erheben möchte.

Wie sollen die Dieselfahrer konkret an ihr Geld kommen? 

Alle Teilnehmer der Musterfeststellungsklage am Oberlandesgericht Braunschweig sollen Mitte März Post von VW bekommen. Darin werden sie informiert, ob sie Entschädigungen bekommen können oder nicht. Diejenigen, die das Vergleichsangebot annehmen, sollen ihre Ansprüche über eine digitale Plattform im Internet oder über ein Call-Center abwickeln können.

Welcher Betrag ihnen angeboten wird, erfahren die Dieselbesitzer, wenn sie die Fahrzeugidentifikationsnummer und das Kaufdatum angegeben haben. Nehmen sie den Vergleich an, müssen sie noch eine Kopie der Zulassungsbescheinigung (früher Fahrzeugbrief) oder eine Kopie des Kaufvertrags an VW schicken. Das Geld soll dann innerhalb von drei Monaten fließen.

Warum sind nicht alle rund 440.000 Teilnehmer der Musterklage dabei? 

Die 262.500 Dieselbesitzer sind nur eine Teilmenge der rund 440.000 Einträge für das Musterverfahren. Erst mussten Doppel- und Spaßeinträge abgezogen werden - dann alle, die zum Kaufzeitpunkt im Ausland lebten oder ihr Auto nach dem 31. Dezember 2015 kauften. Hier könne man nicht pauschal sagen, ob deutsches oder ausländisches Recht gelte und wann sie erfahren hätten, dass ihr Fahrzeug betroffen sei, erklärte vzbv-Anwalt Tobias Ulbrich. "Die Ausnahme dieser Gruppen bedeutet nicht, dass sie keine Ansprüche haben", betonte er. Sie hätten in Einzelklagen durchaus Chancen auf Erfolg.

Wie soll die Abwicklung sichergestellt werden? 

Die Musterklage will der vzbv jetzt fallen lassen. Die Verbraucher müssen sich demnach nicht selber aus dem Klageregister austragen. "Wir werden nun alles daransetzen, die Einmalzahlungen so schnell wie möglich anbieten und auszahlen zu können", sagte VW-Vorständin Werner. Der vzbv hatte darauf gedrungen, dass die Leistungen nach nachvollziehbaren Kriterien erfolgen. Döss betonte: "Wichtig war beiden Seiten, dass eine unabhängige Kontrolle der Umsetzung und eine transparente Abwicklung des Vergleichs erfolgt." Das sei nun gegeben.

Die Verbraucherschützer raten allen Betroffenen, sich von einem Anwalt beraten zu lassen, bevor sie den Vergleich annehmen oder ablehnen. Für den Fall, dass der Vergleich zustande bekommt, übernimmt VW die Kosten dafür bis zu einer Summe von 190 Euro netto.

Was passiert, wenn Kunden das Angebot nicht annehmen? 

Die Entscheidung für oder gegen den Vergleich ist bis zum 20. April möglich. Falls sie nicht mitmachen wollen, können die Kunden in Einzelklagen weiter für mehr Geld streiten. Diese sollten sie laut vzbv vor dem Oktober einreichen, da sonst Ansprüche verjähren. Es ist allerdings unklar, ob vergleichbare Bedingungen erzielt werden können. Das wird auch von einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs am 5. Mai abhängen. Dann geht es voraussichtlich unter anderem darum, ob bei Schadenersatz eine Nutzungsentschädigung gerechtfertigt ist. Die Orientierung am oft geringeren Restwert des Autos und eine Verrechnung der Laufleistung könnten die Summe für die Verbraucher drücken. "Wer weniger Risiko eingehen möchte, kann den Vergleich annehmen", sagte Müller.

Was will VW für welche Modelle zahlen?

Die außergerichtliche Entschädigung annehmen können Betroffene, die das Auto bis zum 31. Dezember 2015 gekauft und sich im Klageregister zur Musterfeststellungsklage eingetragen hatten. Die Summen gelten nicht nur für die Kernmarke VW, sondern auch für Audi, Skoda, Seat und leichte VW-Nutzfahrzeuge mit dem fraglichen EA-189-Motor.

Folgende Summen gelten jeweils gestaffelt in neun Schritten ansteigend für die Modelljahre 2008 bis 2016:

  • Audi A1, Seat Ibiza, Skoda Fabia/Praktik/Roomster, VW Polo: 1350 Euro bis 3038 Euro
  • Seat Altea/Leon/Toledo, VW Golf Plus: 1566 Euro bis 3524 Euro
  • Audi A3, Seat Exeo, Skoda Octavia/Yeti/Rapid, VW Beetle/Caddy/Golf/Golf Variant/Jetta/Scirocco: 1769 Euro bis 3979 Euro
  • Audi Q3, VW Amarok/Tiguan/Touran: 1971 Euro bis 4435 Euro
  • Audi TT Coupé, Seat Alhambra, Skoda Superb, VW Eos/Passat/Passat Variant/CC/Passat CC: 2174 Euro bis 4890 Euro
  • Audi A4/A5, VW Sharan: 2376 bis 5346 Euro
  • Audi Q5: 2579 Euro bis 5802 Euro
  • Audi A6: 2781 Euro bis 6257 Euro

Mit Inhalten aus dpa

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