Steuertipps -

Antrag noch bis 31. Juli 2020 möglich Vorsteuerabzug für Privatgegenstände: So überzeugen Sie das Finanzamt

Sind Sie ein selbständiger Handwerker und haben 2019 privat beispielsweise einen Pkw gekauft und haben diesen mindestens zu zehn Prozent unternehmerisch genutzt, können Sie für die Umsatzsteuer aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Kosten für 2019 einen Vorsteuerabzug geltend machen. Die Frist hierfür endet am 31. Juli 2020.

Grundsätze zum Vorsteuerabzug für private Wirtschaftsgüter

Als Unternehmer haben Sie umsatzsteuerlich verschiedene Wahlrechte, wenn Sie Ihr privates Auto oder einen Teil Ihres privaten Gebäudes zu mindestens zehn Prozent für Ihren Handwerksbetrieb nutzen. Gemeint sind folgende Wahlrechte (Abschnitt 15.2c Absatz 2 Nr. 2b Umsatzsteuer-Anwendungserlass):

  • Wahlrecht 1: Sie können den Gegenstand bzw. das Gebäude im Privatvermögen (= nichtunternehmerischer Bereich) belassen. Dann haben Sie keinen Anspruch auf einen Vorsteuerabzug.
  • Wahlrecht 2: Sie ordnen diesen Gegenstand oder das Gebäude zu 100 Prozent Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zu. Dann steht Ihnen auch der 100-prozentige Vorsteuerabzug für diese zuordneten Gegenstände oder für das Gebäude zu. Im Gegenzug müssen Sie jedoch für die nichtunternehmerische Nutzung Umsatzsteuer ans Finanzamt bezahlen.
  • Wahlrecht 3: Sie ordnen den Gegenstand oder das Gebäude im Umfang der tatsächlichen unternehmerischen Verwendung Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zu. In diesem Fall steht Ihnen der Vorsteuerabzug anteilig zu.

Praxis-Tipp: Wird der Privatgegenstand oder das private Gebäude zu weniger als zehn Prozent unternehmerisch genutzt, steht Ihnen kein Vorsteuerabzug aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Kosten zu. Hier greift ein Zuordnungsverbot zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen.

Zuordnung muss durch Zuordnungsentscheidung getroffen werden

Da in der Regel erst am Jahresende feststeht, ob ein Privatgegenstand oder ein privates Gebäude zu mindestens zehn Prozent unternehmerisch genutzt wurde, haben Unternehmer in den Umsatzsteuervoranmeldungen 2019 noch keine Vorsteuer für diese Gegenstände oder Gebäude geltend gemacht.

Das Finanzamt erwartet jedoch eine eindeutige Zuordnungsentscheidung des Unternehmers (Abschnitt 15.2c Abs. 14 Satz 2 Umsatzsteuer-Anwendungserlass). Diese Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen muss in einer zeitnah erstellen Umsatzsteuerjahreserklärung nach außen dokumentiert werden (BFH, Urteil v. 7.7.2011, Az. V R 42/09).

Praxis-Tipp: Das bedeutet im Klartext: Möchten Sie einen Privat-Pkw, einen anderen Privatgegenstand oder ein privates Gebäude Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen 2019 zuordnen und eine Vorsteuererstattung beantragen, ist die Zuordnung nur zeitnah, wenn sie bis zum 31. Juli 2020 erfolgt. Das gilt selbst dann, wenn Sie aufgrund einer Fristverlängerung erst viel später die Erklärungen einreichen müssten. Schaffen Sie es nicht, die Umsatzsteuerjahreserklärung 2019 bis zu diesem Stichtag einzureichen, sollte dem Finanzamt die Zuordnung zumindest in einem formlosen Schreiben bis spätestens 31. Juli 2020 mitgeteilt werden.

Bundesfinanzhof legt Problematik dem Europäischen Gerichtshof vor

In der Praxis kommt es häufig vor, dass die Umsatzsteuerjahreserklärung mit den Vorsteuern für solche zu mindestens zehn Prozent unternehmerisch genutzter Gegenstände oder Gebäude deutlich nach Ablauf der gesetzlichen Abgabefrist – also deutlich nach dem 31. Juli – erfolgt. Der Vorsteuerabzug wird in diesem Fall verweigert.

Der Bundesfinanzhof hat mit Beschlüssen vom 18. September 2019 (Az. XI R 3/19 und XI R 7/19) den Europäischen Gerichtshof eingeschaltet. Nun muss der EuGH entscheiden, ob diese strenge Zuordnungsfrist in Ordnung ist oder ob Unternehmer mehr Zeit haben, das Zuordnungswahlrecht nachweislich und offensichtlich auszuüben.

Praxis-Tipp: Liegen Sie mit dem Finanzamt bereits für die Vorjahre im Clinch wegen einer verweigerten Vorsteuererstattung, sollten Sie mit Hinweis auf die zu erwartenden Urteil des Bundesfinanzhofs Einspruch gegen nachteilige Umsatzsteuerbescheide einlegen. Für die Zuordnung 2019 sollte die Frist 31. Juli 2020 unbedingt eingehalten werden.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten