Unternehmensführung -

Bewerber-Knigge Vorstellungsgespräch: Wie verschiebt man es?

Das Vorstellungsgespräch ist die letzte Hürde vor dem neuen Job. Doch manchmal kommt einem Bewerber etwas Wichtiges – oder nicht ganz so Wichtiges – dazwischen. Wie verschiebt man ein Jobinterview, ohne es sich direkt mit dem potenziellen Arbeitgeber zu verscherzen?

Nach negativen Erfahrungsberichten muss man im Internet nicht lange suchen. Ein wiederkehrendes Lamento von Bewerbern lautet: Nachdem man den Termin fürs Vorstellungsgespräch verschieben wollte, kam prompt die endgültige Absage des Unternehmens. Offenbar legen es viele Arbeitgeber negativ aus, wenn ein Kandidat um einen Ersatztermin bittet. Möglicherweise drängt sich ihnen der Verdacht auf, dass der Bewerber unzuverlässig oder einfach nicht genügend an der Stelle interessiert sei.

Vorstellungsgespräch verschieben: Welche Gründe gibt es?

"Das Interesse muss erkennbar sein. Wichtig ist uns zu sehen, ob der Bewerber direkt einen neuen Termin abmachen will oder einfach gar nichts sagt", sagt Rüdiger Schmitt, Sprecher der Friseurkette Klier. Klier beschäftigt in deutschlandweit mehr als 1.500 Salons insgesamt rund 10.000 Mitarbeiter. Auf 900 bis 1.000 Azubis schätzt Rüdiger Schmitt die Zahl der Neueinstellungen pro Jahr. Damit kommt von etwa 10.500 Jung-Friseuren, die deutschlandweit 2017 einen Azubi-Vertrag unterschrieben haben, fast jeder zehnte in einem Klier-Salon unter.

Und das sind vor allem Frauen. 80 Prozent der Azubis im Friseurhandwerk sind weiblich, bei Klier beträgt der Frauenanteil sogar 95 Prozent. Das macht einen Unterschied. So würden viele Frauen bei Klier ihr Jobinterview absagen, weil ein Kind krank geworden ist und Betreuung braucht. "Das kommt bei uns häufiger vor", so Schmitt. "Und es wird zu 100 Prozent akzeptiert."

"Wir haben einen Bewerbermarkt", meint er. Nicht einmal Vorstellungsgespräche bei der Konkurrenz sind daher noch ein No-Go. "Wenn jemand die Einladung eines anderen Unternehmens vorzieht und das offen kommuniziert, dann ist er nicht automatisch von der Liste gestrichen", meint Schmitt. Es sei schließlich normal, dass Bewerber eine Rangliste ihrer Favoriten erstellen. Und wenn der eigene Name anfangs nicht ganz oben auftauche, der Kandidat sich aber doch noch umentscheide, sei das nichts Verwerfliches. Aber was, wenn ein Bewerber zum Vorstellungsgespräch gar nicht erst erscheint? "Wenn er sich zeitnah meldet und einen nachvollziehbaren Grund nennt und Bemühen signalisiert, dann kriegt er eine zweite Chance", versichert Schmitt.

Vorteil: Mehr Stellen als Bewerber

Angebot und Nachfrage wirken sich offenbar grundlegend auf die Rekrutierungspraxis aus. Haben die Unternehmen weniger Auswahl an fähigen Kräften, lassen sie ihnen mehr durchgehen. Ist das Angebot üppig, können sie erbarmungsloser aussieben. Tatsächlich war nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit die Gesamtzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen von Oktober 2017 bis September 2018 erstmals seit 1994 höher als die Zahl der gemeldeten Bewerber. 565.300 Lehrstellen standen nur 535.600 Bewerbern gegenüber. Probleme, Nachwuchskräfte zu finden, haben vor allem Gastronomie und Hotellerie, Bäcker und Fleischer – und eben Friseure. Zudem ist speziell Klier wegen vermeintlicher Dumpinglöhne bereits in die Kritik geraten, der Ruf ist angeschlagen.

Auf der anderen Seite gibt es noch immer Gewerke, in denen es deutlich mehr Bewerber als Stellen gibt, zum Beispiel bei Tischlern, Fachinformatikern oder Kfz-Mechatronikern. Auch große Unternehmen haben weiterhin die Qual der Wahl.

Vorstellungsgespräch verschieben? Ja, das sollte grundsätzlich möglich sein. Zu forsch und fordernd sollten Bewerber dabei aber vielleicht doch nicht auftreten.

5 Tipps: So verschieben Sie Ihr Vorstellungsgespräch

Zeitpunkt

Bewerber sollten das Jobinterview möglichst früh absagen, nicht erst am selben Tag und schon gar nicht 20 Minuten vorher. Es sei denn, es handelt sich um einen echten Notfall.

Telefon

Greifen Sie zum Hörer und sprechen Sie persönlich mit Ihrem Ansprechpartner im Unternehmen. Bitte nicht per E-Mail oder WhatsApp-Nachricht absagen. Eine elektronische Nachricht kann untergehen – und wirkt irgendwie feige.

Absagegrund

Eine Absage ohne Begründung ist ein Affront. Liefern Sie Ihrem Ansprechpartner daher einen Grund – am besten einen guten. Gute Gründe für eine Terminverlegung sind Termine im aktuellen Job oder familiäre Angelegenheiten. Wenn man selbst oder das Kind krank geworden ist, zum Beispiel. Auch ein lange geplanter Urlaub oder die Hochzeit eines guten Freundes sind absolut akzeptabel. Ein Vorsorgetermin beim Arzt dagegen lässt sich verschieben – und könnte als mangelndes Interesse ausgelegt werden. Auch der Verweis auf ein anderes Bewerbungsgespräch gefällt ganz sicher nicht jedem.

Ersatztermin

Sagen Sie nicht einfach nur ab, sondern fragen Sie umgehend nach einem Ersatztermin. So zeigen Sie, dass Sie noch immer an der Stelle interessiert sind. Am besten, Sie machen direkt ein oder zwei neue Terminvorschläge. Pluspunkt für Eigeninitiative!

Wiederholung

Wer zweimal um eine Verlegung bittet, wirkt unprofessionell, unorganisiert, fast schon unverschämt. Darum: Beim zweiten Mal unbedingt erscheinen – und nur absagen, wenn es wirklich gar nicht anders geht.

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