Azubi -

Vorbereiten aufs Bewerbungsgespräch Vorstellungsgespräch: Wie bereite ich mich richtig vor?

Stell dir vor, du wärst der Chef. Was würdest du einen potentiellen Azubi im Vorstellungsgespräch fragen? Um die aufregende Situation zu üben, hilft es oft, sie einfach mal alleine durchzuspielen. Aber es gibt noch weitere Tricks, um im Bewerbungsgespräch zu punkten.

Mit deiner Bewerbung konntest du bereits Eindruck machen, deshalb steht jetzt das Vorstellungsgespräch an. Doch keine Panik! Auch wenn das eine ganz neue und vielleicht ein bisschen unangenehme Situation ist, musst du nicht nervös sein. Gut vorbereitet kann dir hier gar nichts passieren – außer, dass du danach einen Ausbildungsplatz sicher hast.

Vorbereiten aufs Bewerbungsgespräch 

Ein gutes Vorstellungsgespräch fängt bereits mit einer guten Vorbereitung an. Hier gibt es ein paar Tipps, die du schon vorab erledigen solltest.

1. Informationen über das Unternehmen sammeln

Du solltest dich bereits vor dem Vorstellungsgespräch über die Firma, bei der du gerne arbeiten möchtest, informieren. Dafür kannst du beispielsweise im Internet nachschauen, ob der Betrieb eine eigene Website besitzt und dort etwas über sich selbst und seine Arbeit berichtet. Zusätzlich oder wenn keine Internetseite vorhanden ist, solltest du auch in die Regionalzeitungen schauen und mit Freunden oder Bekannten sprechen. Oft kennt jemanden das Unternehmen oder weiß ein wenig über die Aufgaben Bescheid, die dort zu erledigen sind. Dabei geht es jedoch nicht um perfektes Detailwissen. Viele Informationen, wie die Mitarbeiterzahl oder die Geschäftsbilanzen sind zwar heute schon im Internet einsehbar, diese musst du aber nicht auswendig können.

2. Über den Beruf informieren

Hier gilt das Gleiche wie bei Punkt eins. Schau ins Netz und sprich mit Freunden, Verwandten oder Bekannten – am besten natürlich mit jemandem, der selbst in diesem Beruf arbeitet. Informationen über verschiedene Handwerksberufe findest du auch im Internet, zum Beispiel unter handwerk.de oder in der Videoserie der Deutschen Handwerks Zeitung "Azubis machen Lust aufs Handwerk". Es ist auch immer hilfreich, sich den Ausbildungsrahmenplan im Internet anzuschauen. Dabei erwartet keiner, dass du dich mit Fachwissen schon perfekt auskennst – schließlich willst du die Ausbildung ja erst beginnen. Es reicht, wenn du die groben Abläufe kennst, die in dem ausgewählten Beruf anfallen. Aber du solltest zeigen, dass es dich wirklich interessiert, wie hier gearbeitet wird, und dass du es gerne lernen willst.

3. Ein Praktikum organisieren

Die beste Vorbereitung auf das Berufsleben bietet immer noch ein Praktikum. Auf diese Weise kannst du selbst ausprobieren, ob dir die Aufgaben liegen und ob du dir vorstellen kannst, diesen Beruf Tag für Tag auszuüben. "Die Erfahrung, die man dabei in der Praxis sammelt, kann keine Internetrecherche ersetzen", sagt auch Stefan Schröter, Ausbildungsvermittler bei der Handwerkskammer für Schwaben. Die Praxiserfahrung ist es auch, mit der du im Vorstellungsgespräch ganz besonders punkten kannst. Wenn du schon ein Praktikum in dem Beruf gemacht hast, für den du dich bewirbst, solltest du das sowohl im Bewerbungsschreiben als auch beim Vorstellungsgespräch erzählen. Falls du bislang noch keine Möglichkeit hattest, ein Praktikum zu machen, und deinen möglichen neuen Chef trotzdem mit deinem praktischen Können überzeugen möchtest, kannst du ihm auch anbieten, für zwei oder drei Tage auf Probe zu arbeiten.

4. Auf Fragen vorbereitet sein

Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit möchte dein potentieller, neuer Chef von dir wissen, warum du diesem Beruf ausüben möchtest. Überlege dir vorab, was genau dich an dem Beruf so fasziniert und warum er so gut zu dir passt. Gleichzeitig solltest du dich auch fragen, warum du dich bei genau diesem Betrieb beworben hast und nicht bei anderen. An dieser Stelle kannst du auch berichten, wie du auf den Beruf und auf die Firma aufmerksam geworden bist und warum du deine Bewerbung abgeschickt hast. Zur Übung kannst du einen Rollentausch probieren – natürlich nur in Gedanken. Stell dir vor, du bist der Chef und musst ein Vorstellungsgespräch leiten. Welche Fragen würdest du stellen und was würdest du von dem möglichen neuen Azubi erwarten? Hier gibt es eine Checkliste mit den häufigsten Fragen und Tipps für mögliche Antworten:

Frage Antwortmöglichkeit
Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden? Hier kannst du einbringen, dass du bereits ein Praktikum in dem Bereich absolviert hast und dir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat. Erzähle auch, welche Tätigkeiten du genau gemacht hast. Ist die Ausbildung auf einen bestimmten Bereich spezialisiert, solltest du darauf eingehen.
Welche Voraussetzungen bringen Sie für den Beruf mit? Im Handwerk arbeitest du häufig mit Kunden zusammen, daher solltest du auf jeden Fall erwähnen, dass du kontaktfreudig bist und gut mit Menschen umgehen kannst. Arbeitgeber hören immer gerne, dass du ordentlich bist, dich gut konzentrieren kannst und Arbeiten nicht vor dir herschiebst. Das solltest du aber nur sagen, wenn es tatsächlich auf dich zutrifft. Am besten gleichst du die Anforderungen in der Stellenausschreibung mit deinen eignen Fähigkeiten ab.
Warum wollen Sie speziell in unserem Betrieb eine Ausbildung machen? Hast du dir vorher die Website des Unternehmens angeschaut, kannst du zum Beispiel antworten, dass dich der Internetauftritt positiv überzeugt hat. Hat das Unternehmen einen guten Ruf als Ausbildungsbetrieb, solltest du das auch erwähnen, und dass du hier viel lernen möchtest.
Haben Sie sich auch bei anderen Betrieben beworben? Jeder Geschäftsführer kann verstehen, dass man sich nicht nur auf eine Stelle bewirbt. Daher kannst du antworten, dass du dich auch für andere Stellen interessierst. Du kannst aber hinzufügen, dass du dich für diesen Betrieb entscheiden würdest, wenn du hier eine Zusage bekommst. Das macht einen guten Eindruck.
Was würden Sie tun, wenn Sie von uns eine Absage erhalten? Hier kannst du antworten, dass eine Absage von dem Betrieb sehr schade wäre, dass du dich aber weiter bewerben wirst. Das zeigt, dass du dich von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt.
Was sind Ihre Lieblingsfächer in der Schule und warum? Wenn dir Mathematik viel Spaß macht, kannst du das zum Beispiel damit begründen, dass du gerne mit Zahlen umgehst und dir analytisches Denken liegt. Magst du lieber Kunst, kannst du betonen, dass du sehr kreativ bist. Achte auch darauf, welches Schulfach zu deiner angestrebten Ausbildung gut passt.
Warum wollen Sie nicht studieren? Auf diese Frage kannst du beispielsweise antworten, dass du lieber praktisch arbeiten möchtest und direkt nach der Schule in das Berufsleben einsteigen willst. Du kannst auch sagen, dass du das Studium eventuell später nachholen möchtest.
Wie verstehen Sie sich mit Mitschülern und Lehrern? Arbeitgeber hören am liebsten, dass man ein eher geselliger und fröhlicher Typ ist. Denn wer mag gerne Muffel? Dazu gehört aber sicher nicht, dass man jedes Wochenende extreme Partys feiert. Dass du nicht mit allen Mitschülern und Lehrern zurechtkommst, ist klar. Daher sollte man hier antworten, dass man sich mit allen gut versteht, aber auch Lieblingslehrer und beste Freunde hat.
Nennen Sie uns drei Schwächen. Jeder hat eine oder mehrere Schwächen, sonst wäre er kein Mensch. Im Gegenteil: Es wirkt für den Ausbilder vermutlich überheblich, wenn du behauptest, gar keine Schwächen zu haben. Wenn du dir nicht sicher bist, was deine Stärken und Schwächen sind, kannst du auch gut Freunde oder Familienmitglieder befragen. Als Außenstehender fällt einem die Beantwortung der Frage häufig leichter. Alternativ kannst du auch einen Berufswahltest im Internet machen.
Haben ihre Eltern Sie bei der Berufswahl beeinflusst? Dass du mit deinen Eltern über deine Berufswahl sprichst, ist selbstverständlich. Trotzdem solltest du betonen, dass du die Entscheidung für die Bewerbung alleine gefällt hast. Das zeigt deine Selbstständigkeit.
Welche Interessen haben Sie? Machst du Sport, solltest du das hier unbedingt erwähnen, denn sportliche Menschen sind in der Regel gesünder. Das kommt beim Arbeitgeber gut an.

5. Vorstellungsgespräch üben

Hilfreich kann es auch sein, wenn du die Situation des Vorstellungsgesprächs vorher ein- oder mehrmals übst. Vielleicht kann ein Elternteil oder jemand aus der Verwandtschaft zum Üben den neuen Chef spielen und du testest, ob deine Antworten sitzen. Ziehe dazu auch die geplante Kleidung an. Damit das Training echt ist, solltet ihr das Gespräch wirklich von vorne bis hinten durchspielen, vom Handschütteln bis zur Verabschiedung. Dazu gehört auch, sich bereits vorab Fragen zu überlegen, die du als zukünftiger Azubi gerne von dem Betrieb wissen möchtest, zum Beispiel:

  • Wie ist der Ablauf der Ausbildung? Wechselt der Azubi die Abteilungen?
  • Gibt es Schulungen für die Azubis?
  • Welche Berufsschule besucht man und wie oft?
  • Wie sehen die Übernahmechancen nach der Ausbildung aus?
  • Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung?
  • Bis wann kann ich mit einer Entscheidung rechnen?

Fehler, die man unbedingt vermeiden sollte

Mit dem Handy rumspielen, unhöflich sein oder gar die Füße auf den Tisch legen - Das alles sind Verhaltensweisen, die bei einem Vorstellungsgespräch nichts zu suchen haben. Das Video zeigt die 10 größten Fehler.

10 Fehler im Bewerbungsgespräch

Während des Vorsellungsgesprächs mit dem Handy rumspielen - das geht gar nicht. Das ist nur einer von 10 Fehlern, die die Lochis vorstellen.

Persönlicher Eindruck: So sammelst du Sympathiepunkte 

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Neben deinem handwerklichen Geschick geht es im Vorstellungsgespräch vor allem um dich als Person. Deshalb ist es wichtig, gleich zu Beginn des Gesprächs Sympathien aufzubauen. Verhalten und Aussehen müssen auf den ersten Blick angemessen sein. Trete gepflegt auf und achte auf gute Umgangsformen. Dazu gehört beispielsweise, die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen. Du solltest auf keinen Fall zu spät zum Vorstellungsgespräch kommen. Finde bereits vorab die Adresse des Unternehmens heraus und probiere möglicherweise auch schon einmal, wie lange du für den Weg dorthin brauchst. Versuche in Erfahrung zu bringen, wie deine Gesprächspartner beim Vorstellungsgespräch heißen. Dann kannst Du deinen zukünftigen Chef schon mal mit Namen ansprechen. Hier gibt es noch ein paar Tipps:

  • Derjenige, der den Raum betritt, grüßt als Erstes.
  • Beim Händedruck gilt: Nicht zu fest und nicht zu leicht. Lächle deinen Gesprächspartner an, wenn du ihm die Hand gibst.
  • Setze dich erst hin, wenn du dazu aufgefordert wirst.
  • Achte während des Gesprächs auf deine Körperhaltung, das heißt: aufrecht sitzen, aber nicht zu steif.

Umgangsformen im Handwerk besonders wichtig

Im Handwerk haben die Mitarbeiter oft direkten Kundenkontakt. Daher ist es wichtig, dass die Arbeitnehmer höflich sind, pünktlich kommen und auch so einfache Dinge beachten, wie dem Kunden die Hand zur Begrüßung zu geben. Im Vorstellungsgespräch kannst du zeigen, dass du genau diese Dinge beherrscht. Um etwas über das richtige Verhalten zu erfahren, den sich Handwerksunternehmer von ihren Mitarbeitern vor Ort beim Kunden erwarten und der auch beim Vorstellungsgespräch hilfreich sein kann, kannst du dir die folgenden Kurzfilme anschauen. Du solltest offen mit dem Ausbilder sprechen, ihm dabei in die Augen schauen und zwischendurch ruhig auch mal lächeln. Denn eigentlich ist es doch eine gute Chance, die du da gerade bekommst, oder nicht?

Kleider machen Leute: Was ziehe ich an?

Berücksichtige bei deiner Kleiderwahl, was am besten zur Branche beziehungsweise zum ausgewählten Ausbildungsberuf passt. Für die passende Kleidung gibt es kein Patentrezept. Wichtig ist, dass du ordentlich und sauber angezogen bist. In einem Büroberuf wird mehr Wert auf formelle Kleidung gelegt als beispielsweise in einer Schreinerei. Am besten ist es, wenn du dich ein wenig über die Firma und die Mitarbeiter informierst und dich an deren Kleidungsstil anpasst. Informier dich zum Beispiel auf der Homepage über den Stil des Unternehmens. Das gibt oft einen Anhaltspunkt und du siehst, welcher Dresscode hier gewünscht ist. Wenn du dich herrichtest gilt: Nicht zu viel Parfüm, nicht zu viel Schminke und nicht zu viel Schmuck. Piercings solltest du gegebenenfalls rausnehmen.

App macht "Fit fürs Vorstellungsgespräch"

App für Bewerbung

Antworten rund ums Vorstellungsgespräch liefert nun auch das Smartphone. E ine App der Bundesagentur für Arbeit hilft, Vorstellungstermine zu verwalten und vorzubereiten. Die App "Bewerbung: Fit fürs Vorstellungsgespräch" ist für alle Smartphones mit Apple- und Google-Betriebssystem erhältlich. Dort findest du verschiedene Kategorien:



  1. Termine: Hier können Nutzer die Termine für ihre Vorstellungsgespräche speichern. Name des Unternehmens und Ansprechpartner können ebenfalls gespeichert werden. Eine Erinnerungsfunktion meldet sich mehrmals vor dem Termin. Außerdem kann man sich gezielt auf den Beruf und das Unternehmen vorbereiten und das Vorstellungsgespräch nachbereiten.
  2. Typische Fragen: Dies Funktion zeigt Fragen, die in den meisten Vorstellungsgesprächen gestellt werden. So können sich die Bewerber gezielt vorbereiten und wissen, was sie erwartet.
  3. Checklisten: Die Checklisten geben Tipps, was man zwei Wochen vor dem Termin oder drei Tage vorher erledigen sollte, wie zum Beispiel passende Kleidung auszuwählen.
  4. Videos: Kurze Filme helfen ebenfalls bei der Vorbereitung. Behandelt werden Fragen wie "Was verrät deine Körpersprache?" oder "Wie ist der Ablauf eines Vorstellungsgesprächs?" jtw/aro
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten