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Familie: Vorsorge und Absicherung Vorsorgen ist nicht nur eine Geldfrage

Wer sich und seine Familie absichern will, muss heute nicht viel anders machen als früher. Vor allem aber geht es nicht allein um die Vermehrung von Vermögen.

Kaum ist eine Familie gegründet, sind Sohn oder Tochter auf der Welt, stellt sich den Hauptverdienern eine ganz entscheidende Frage: Wie kann man dafür sorgen, dass es seinen Lieben auch dann gut geht, wenn einem selbst etwas passiert?

Noch vor ein paar Jahren gab es hier vor allem ein Produkt, zu dem viele griffen: die Kapitallebensversicherung. Inzwischen jedoch bieten viele Gesellschaften sie nicht einmal mehr an. Heißt das, dass auch die Absicherung schwieriger geworden ist?

Immer ein Muss: Die Risikolebensversicherung

Nein, das heißt es nicht. Denn schon früher, betont Bianca Boss vom Bund der Versicherten, war die Kapitallebensversicherung eigentlich kein Produkt für die Hinterbliebenenabsicherung – auch wenn sie sehr häufig dazu abgeschlossen wurde. Das Problem: Durch die Kombination von Sparen und Versichern entstehen zwar hohe Abschlussgebühren und Raten. Im Todesfall ist die Versicherungssumme aber zu niedrig, um damit wirklich Schutz zu bieten. Aus diesem Grund sollten Absichern und Sparen immer getrennt passieren.

Somit gilt heute, was bereits damals galt: Das wichtigste Netz für die Familie ist die Risikolebensversicherung. Dabei jedoch wichtig: Nicht nur die Versicherungssumme sollte gut berechnet sein. Familien müssen sich auch darüber Gedanken machen, wer alles versichert werden muss und wohin das Geld im Ernstfall fließt. Oftmals werden Risiko-Lebensversicherungen nur auf den Hauptverdiener abgeschlossen. Tatsächlich ist es jedoch ebenso wichtig, den Ehepartner und auch die Kinder entsprechend abzusichern. Und darüber hinaus auch im Hinblick auf alle anderen elementaren Risiken vorzusorgen (siehe Kasten).

Nie ausschließlich: Immobilien

Und auch wohin das Geld im Ernstfall fließt, muss gut überlegt sein. Oftmals, weiß Sascha Anspichler, Geschäftsführer der FP Asset Management GmbH in Freiburg, denken Firmeninhaber nur daran, ihren Familien Geld zukommen zu lassen. Ebenfalls wichtig ist es jedoch auch, dafür zu sorgen, dass der Betrieb weiterlaufen kann. Auch hier kann eine auf das Unternehmen ausgestellte Risiko-Lebensversicherung sinnvoll sein. Von dem Geld können dann beispielsweise ein (vorübergehender) Geschäftsführer oder zusätzliche Kräfte finanziert werden.

Wobei Betriebsinhaber auch und gerade bei der Absicherung des betrieblichen Alltagsgeschäftes nicht nur vordergründig in Geld- oder Anlagedimensionen denken sollten, wie der Vermögensverwalter betont. Mindestens ebenso wichtig ist es aus seiner Sicht, „dass frühzeitig auch Wissen weitergegeben wird und elementare Aufgaben auch ad hoc vom Team oder vielleicht auch von Familienmitgliedern übernommen werden können“. Hat allein der Firmeninhaber das Knowhow – und nimmt es mit ins Grab-, muss in der Folge vielleicht der Betrieb schließen.

Betongold ist "hohes Einzelrisiko"

Ist die Situation in Sachen Versicherungen relativ einfach, wird es bei Immobilien kompliziert. Zwar setzen gerade Selbstständige oftmals auf das sogenannte Betongold. Damit gehen sie aber ein "hohes Einzelrisiko" ein, wie Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) betont, auch wenn vielen das nicht bewusst ist.
Wenn überhaupt, so der Experte, kann die Immobilie nur ein Baustein zur Altersvorsorge sein, nie der erste und schon gar nicht der einzige.

Am ehesten noch rät Morgenstern zum sogenannten "Rentenhaus", also zur vermieteten Immobilie. "Aber nur wenn vorher alle wichtigen Parameter geklärt sind." Sinken später die Preise und lässt sich die Immobilie nicht mehr vermieten, kann dies fatale Folgen haben. Von der selbstgenutzten Immobilie als Sicherung fürs Alter rät er eher ab. Das erste Problem: Sie bindet Liquidität und wird im Ernstfall dringend Geld benötigt, lässt sie sich vielleicht nicht verkaufen. Ein weiteres: Kommen Haus und Besitzer in die Jahre, steigen die Kosten, die Einkommen nach der aktiven Berufszeit aber fließen zumeist deutlich geringer.

Immer hilfreich: die aufgestockte Rente

Vor dem Invest in eine Immobilie empfehlen Experten denn auch, dafür zu sorgen, dass auch im Alter zusätzliches Geld fließt. Hierzu ist es wichtig, zunächst einmal möglichst exakt zu ermitteln, wie groß die Versorgungslücke zur gesetzlichen Rente ist, und dann – unabhängig von der Risikolebensversicherung – entsprechend anzusparen. In welcher Form dies geschieht, darin sind sich alle Experten einig, hängt von vielen Faktoren und auch von der eigenen Persönlichkeit ab.

Wer auf eine einmalige Kapitalleistung spart, braucht am Ende einen guten Entnahmeplan. Sonst kann es passieren, dass das Geld schon vor dem Lebensende aufgebraucht ist. Einfacher zu handhaben sind Rentenversicherungen, auch wenn hier das Risiko besteht, bei frühem Tod Geld zu verlieren.

Bei Selbständigen kann inzwischen auch wieder die freiwillige Weiterzahlung in die gesetzliche Rente eine Option sein, findet Ans­pichler. Zinsen bekommt man bei sicheren Anlageformen derzeit nirgendwo, der Staat bietet zumindest Zuverlässigkeit. In jedem Fall sollten insbesondere Familien, so Morgenstern, die Rürup- und Riesterförderungen ausnutzen, wobei Letzteres vor allem für Familien empfehlenswert ist. Auch hier allerdings elementar: Verträge genau prüfen. "Die Konditionen differieren erheblich."

Nicht für jeden: Aktien

Geldanlagen in Aktien sind deutlich attraktiver als jeder Sparplan, darin sind sich beide Experten einig. Allerdings können Aktien nie die alleinige Absicherung sein und vor allem: Sie sind nicht für jeden geeignet. Und dabei geht es nicht einmal um das richtige Können – das kann man sich aneignen beziehungsweise durch Fondsmanager oder Vermögensberater einkaufen. Entscheidend sind vor allem zwei Aspekte: das eigene Alter und der Wohlfühlfaktor.

Wer schwankende Aktienkurse bedrohlich findet und Unsicherheit nicht aushalten kann, dem würde er nie zu einem solchen Invest raten, so Anspichler. Aber auch wer Ende 50 ist, für den passen sichere Anlageformen besser – und dies umso mehr, wenn er bis dahin noch nie mit Aktien zu tun hatte. Der beste Einstieg in die Welt der Kurse, betont der Experte, sei in jungen Jahren. Wer dann für die Rente investiert, hat nicht nur Zeit, mögliche Tiefs passieren zu lassen. Er lernt im Laufe der Jahre auch den Märkten zu vertrauen.

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