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Leitartikel Ausbildungszahlen: Vorerst erfreuliche Bilanz

Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge hat sich erhöht - vor allem dank des Engagements der Betriebe. Doch das Handwerk bietet noch viele Möglichkeiten.

Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen. Aus Sicht des Handwerks sogar mit einer erfreulichen Bilanz. Zum 31. August 2015 gab es insgesamt rund 111.000 neue Ausbildungsverhältnisse, die bei den Handwerkskammern registriert waren. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 2,1 Prozent; davon 1,8 Prozent im Westen und 4,3 Prozent im Osten. Vor allem die letzte Zahl überrascht sehr positiv, da in vorausgehenden Jahren gerade in den neuen Bundesländern die Entwicklung anders verlaufen war.

In den einzelnen Bundesländern stellt sich die Entwicklung unterschiedlich dar. Hessen und Bayern verzeichnen noch leichte Rückgänge. Dies mag auch mit unterschiedlichen Ferienterminen zu tun haben.

Bringt 2015 die Trendwende?

Die eigentliche Bilanz des gerade begonnenen Ausbildungsjahres wird erst später gezogen. Noch gehen bei den Handwerkskammern zahlreiche neue Lehrverträge zur Registrierung ein. Und viele Kammern weisen darauf hin, dass in ihrem Bereich noch etliche Lehrstellen unbesetzt sind. Es ist zu hoffen, dass sich hierfür noch Bewerber finden. Angesichts der Zahlen wird man allerdings wohl doch davon ausgehen können, dass in der Endabrechnung ein Plus bleiben wird. Das wäre schon mal sehr erfreulich; denn die Zahl der Neuabschlüsse bei Lehrverhältnissen in Handwerksbetrieben war zuletzt über mehrere Jahre rückläufig.

Und zur Erinnerung: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse in Handwerk lag auch schon mal etwa doppelt so hoch wie die jetzige Bilanz. Da wäre es schon ein Erfolg, wenn das Jahr 2015 eine Trendwende einläuten würde. Um das abschließend beurteilen zu können, braucht es noch verlässlichere Daten zur Gesamtentwicklung bei den derzeitigen Ausbildungsverhältnissen.

Chancen ergreifen

Das Handwerk hat aber auch viel unternommen, um auf die Attraktivität einer Ausbildung hinzuweisen. Die Imagekampagne kümmert sich genauso darum wie viele Einzelaktivitäten der Handwerksorganisationen vor Ort. Klappern gehört auch hier zum Handwerk. Die Hauptrolle kommt allerdings den Betrieben zu, die in Schulen und mit anderen Aktivitäten für ihre Ausbildungsplätze und die damit verbundenen Karrie­reperspektiven werben müssen.

Die berufliche Bildung ist nach wie vor in der Zange zwischen demographischem Wandel und geändertem Bildungswahlverhalten. Darauf gilt es zu reagieren und dafür gibt es auch Chancen; und zwar insbesondere in folgenden Bereichen:

Erstens muss das Handwerk mehr Wege bieten, damit auch Abiturienten erkennen, dass es im Handwerk Karriere mit Lehre gibt. Dies gilt auch für diejenigen, die erkennen, dass das Studium doch nicht das Richtige für sie ist.

Zweitens muss das Potential von Jugendlichen mit Migrationshintergrund besser für die Berufsausbildung erschlossen werden. Aktuell kommt hier die Zielgruppe der jungen Flüchtlinge hinzu. Letzteres eine große, aber gewiss eine lohnende Herausforderung. Das kann nur gelingen, wenn zum einen eine entsprechende Betreuung sichergestellt ist und wenn zum anderen die Betriebe die Gewissheit haben, dass diese Auszubildenden während der Ausbildung und mindestens noch zwei Jahre danach nicht von Abschiebung bedroht sind.

Drittens muss im Fokus bleiben, die traditionellen Zielgruppen nicht zu vernachlässigen und auch jungen Frauen immer wieder die Möglichkeiten im Handwerk nahezubringen.

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