Panorama -

Zimmerei Denz aus Oberwihl Von maroden Holzbauten zu Schmuckstücken

Eine Zimmerei aus dem Schwarzwald restauriert und saniert historische Holzbauten. Die Zimmerleute setzen moderne Technik ein, um Altes zu bewahren.

Christian Denz drückt Marianne Engelsmann bei der Begrüßung an die Brust. Sie treffen sich auf dem Friedhof der Pfarrkirche in Hochsal. Engelsmann ist Mesmerin in der Dorfkirche. Hochsal liegt im Südschwarzwald, dem sogenannten Hotzenwald. Vom Kirchturm sieht man bis in die Schweiz. Die Zimmerei Denz aus dem Nachbarort Oberwihl sanierte und restaurierte von Juli 2014 bis Februar 2015 den maroden Turm. Eindringende Nässe machte dem Gebälk über Jahrhunderte zu schaffen. 2012 musste eine der vier Glocken abgeschalten werden. Die Zimmerleute ersetzten die maroden Balken und ließen bestehen, was zu retten war. Heute läuten wieder vier Glocken in Hochsal. Diese Leistung ehrte eine Jury mit dem Sanierungspreis 2017 in der Kategorie Holz. Zimmerei Denz ist auf die Modernisierung alter Holzbauten spezialisiert. Dabei erhalten die Handwerker den historischen Charakter der Gebäude. Viele regionale Wahrzeichen wurden bereits vorm Einsturz bewahrt. Denn eine moderne Abbundanlage ermöglicht ihnen, neue und alte Bausubstanz zu verbinden. Viele erkennen nach Abschluss der Arbeiten nicht einmal, dass die Handwerker kürzlich am Werk waren.

Viele Kunden wollen Denz’ Vorzeigeprojekt mit eigenen Augen sehen. Aber der Preis ist hoch. Genauer gesagt 36 Meter. Durch die Dachluke über der Kirchorgel gelangen die Besucher in den Zwischenboden. Die alarmgesicherte Eisentür am Ende des Dachbodens schützt den Turm vor Eindringlingen. Hinter jeder Ecke könnte Rapunzel beim Nachmittagstee sitzen. Der Aufstieg führt an der Tür vorbei, die vor der Sanierung der Einstieg in den Turm war. Sie schwebt elf Meter über dem Boden und sieht von außen aus, als gehöre sie nicht dorthin. Denz öffnet sie. "Die führt heute ins Nichts." Ein paar Stufen weiter nisten Dohlen neben einem alten Balken, den Denz zur Demonstration dort ließ. Das Holz ist weich und durchnässt. "Ganz schön staubig hier", bemerkt der Zimmermeister, als er neben dem maroden Balken steht. "Du kannst ja mal zum Putzen vorbeikommen", entgegnet Engelsmann. Im Glockenturm angekommen, wird die handwerkliche Leistung noch deutlicher. Glockenstühle aus Eichenholz tragen die über 10.000 Kilogramm schweren Bronzeglocken. Wenn sie läuten, werden große Kräfte frei, die das neue Holz noch Jahrhunderte aushalten muss.

Sanierung mit Hindernissen

Als die Sanierung der Hochsaler Pfarrkirche beschlossen wurde, wusste Denz, dass es "sein Projekt" ist. Aber der Auftrag stellte den Betrieb vor viele Proben. Vor der Restaurierung entfernten die Mitarbeiter ein ganzes Zeitalter Taubenkot. Während der ersten zwei Monate entdeckte das Team immer neue Schäden. Mehr Balken als angenommen waren marode. Auch der Transport der Balken aus 36 Meter Höhe in die Werkstatt wurde zur Denksport-Aufgabe. Der Kran durfte nicht auf dem Friedhof stehen. Unter dem Boden könnten alte Gebeine und Särge liegen. Bei deren Zersetzung bilden sich Lufteinschlüsse, die den Kran einsinken lassen könnten. Am Ende fand er einen stabilen Platz im Pfarrgarten. Eisige Temperaturen erschwerten die Sanierung in den Wintermonaten. Aber die Mühe lohnte sich, denn seit Abschluss der Hochsaler Pfarrkirche hat die Zimmerei acht weitere Glockenstühle neu gefertigt. Den Glockenturm sah Denz übrigens erst nach der Fertigstellung wieder. Er übertrug die Verantwortung einem seiner Meister. "Ich lasse meine Mitarbeiter einfach machen. Ein Rad, das läuft, soll man nicht bremsen."

In der Werkhalle steht Matthias Wehrle an der Kreissäge. Er beginnt seine Zimmerer-Ausbildung im September. Matthias verkürzt seine Lehre und übt in den Ferien, was andere Azubis im ersten Jahr lernen. Matthias kommt gern in die Werkhalle und sägt gerade einen Teufelsknoten – ein Geduldsspiel aus Holz. Denz bemerkt, dass eine Seite zu kurz ist. "Da musst nochmal nachsägen." Dann lässt er nacharbeiten.

Mit Halstuch, Zylinder und Heimatliebe

Christian Denz trägt die Zimmermannstracht, so oft es geht. Das Halstuch hat er immer um den Hals gebunden und ohne Zylinder erkennen ihn die Leute nicht. Denz und seine Mitarbeiter ehren alte Handwerks-Traditionen zum Beispiel beim Zimmermannsklatsch. Er liebt Traditionen und seine Region, die mit historischen Bauten gespickt ist. Dies beweist die Auswahl seiner Geschäftsaufträge. Der sanierte Kirchturm ist eines der Wahrzeichen des Hotzenwalds. Danach restaurierten Denz und seine Mitarbeiter die historische Rheinbrücke in Bad Säckingen – die längste überdachte Holzbrücke Europas. Die Zimmerer schwebten bei den Arbeiten fünf bis sechs Meter über dem Rhein. Auch den Dachstuhl des alten Gefängnisses in Bad Säckingen sanierte Denz. Historische Gebäude bringen ihn ins Grübeln. Dann stellt er sich vor, was an diesen Orten wohl passiert sein könnte.

Sein Betrieb ist eng mit der Region verbunden. Der Vater gründete ihn vor 50 Jahren – so alt ist Christian Denz heute. Für den Sohn war klar, dass er eines Tages Zimmermann werden wollte. Als Kind ließ der Vater ihn nicht allein in der Werkstatt, denn dort gab es immer einen "Schabernack anzustellen". 1998 übernahm er den Betrieb vom Vater.

Passgenaue Balken dank moderner Abbundanlage

2002 investierte Christian Denz in die erste Abbundanlage. Diese sägt Holz und Aussparungen, wie zum Beispiel Bohrlöcher, automatisch auf die gewünschten Maße zu. Das Ergebnis ist zehntel Millimeter genau. Zehn Jahre später schaffte sich der Betrieb eine größere Anlage an. Das aktuelle Modell ähnelt einer Auto-Waschanlage. In der Region gibt es laut Denz keine vergleichbare Maschine. Heute bereiten sie auch Hölzer für andere Unternehmen vor. Circa 1.200 Kubikmeter Holz laufen pro Jahr durch die Abbundanlage. Das entspricht ungefähr 120 Dachstühlen. Auch bei der Sanierung der Pfarrkirche wurden die Maße der Balken in die Abbundanlage übertragen. So konnten die neuen Hölzer passgenau mit den noch intakten aus dem Kirchturm verbunden werden. In den vergangenen Jahren wuchs Denz’ Betrieb von fünf auf 23 Mitarbeiter. Das liegt nicht nur an der Abbundanlage. Denn Kunden schätzen das zuverlässige Personal und die Qualität.

Die Anlage bedient hauptsächlich Zimmerer Sven Landmann. Als Denz vor dem Gerät steht, gibt er zu: "Mein Kollege hat es nicht gern, wenn ich was verstelle." Er habe eigentlich "internes Hausverbot". Dann startet er die Maschine. Heute arbeitet Christian Denz vor allem im Büro, das an die Werkhalle grenzt. Er kümmert sich um die Vorbereitung aller Aufträge. Die Liebe zum Werkstoff wird in den Details sichtbar. Auf den Schreibtischen liegen Mäuse und Tastaturen aus Bambusholz.

Teammitglieder schätzen die Überraschungen von Christian Denz. "Ohne Freundschaft geht hier nix." Einmal lud er alle in den Europa-Park ein, ein anderes Mal verbrachten sie einen Tag in Berlin – ohne vorher zu wissen, wohin es geht. Zusammenhalt ist in der Zimmerei Voraussetzung für gute Arbeit. Alle neuen Mitarbeiter wissen worauf sie sich einlassen. Spontane Umarmungen, laut Denz, eingeschlossen.

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