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Interview mit Franz Kaim von Kidron Vermögensverwaltung "Vollmachten erfordern Vertrauen"

Franz Kaim, geschäftsführender Gesellschafter bei Kidron Vermögensverwaltung aus Stuttgart, erklärt, warum Vollmachten wichtig sind, was der Unterschied zwischen General- und Verwaltungsvollmachten sind und wie Vermögensverwalter arbeiten.

DHZ: Warum sollte sich jeder Gedanken zum Thema Vollmachten machen?

Franz Kaim: Niemand denkt gerne daran, aber jeden von uns können Unfälle oder Krankheiten heimsuchen. Deswegen macht es zum Beispiel Sinn, über eine Vollmacht zu regeln, wer im Falle einer Handlungsunfähigkeit Entscheidungen etwa zur Pflege oder in Finanzthemen treffen darf. Selbst Ehepartner sind ohne eine solche vorsorglich erteilte Vollmacht kaum in der Lage, den Willen des anderen durchzusetzen.

DHZ: Auch Vermögensverwaltern wie Ihnen wird eine Vollmacht erteilt, was können Sie damit machen?

Kaim: Mit einer uns normalerweise erteilten Verwaltungsvollmacht können wir nicht einfach über das Vermögen eines Kunden verfügen als wäre es unser eigenes. Wir dürfen nur anhand der mit ihm ausführlich besprochenen Anlagevorgaben zum Beispiel in seinem Namen Aktien oder Anleihen kaufen und verkaufen.

DHZ: Aber kann mit einer Vollmacht nicht jemand anders auch komplett über das eigene Vermögen verfügen?

Kaim: Mit einer Generalvollmacht dürfte tatsächlich ein anderer finanziell so handeln, als wäre er die Person. Also auch zum Beispiel in dessen Namen Schulden machen, Geld abheben oder Wertobjekte verkaufen. Das alles geht mit einer reinen Verwaltungsvollmacht nicht, sondern wir beraten zunächst umfassend und managen dann nach den Vorgaben des Kunden einen definierten Teil seines Kapitals.

Begriffe rund um die Vollmacht: Von Prämortal bis Transmortal

  • Prämortal: In der Regel enden Vollmachten mit dem Versterben des Erteilers, sie wirken nur zu Lebzeiten. Nach dem Tod gelten die Nachlassbestimmungen, solange die nicht feststehen, kann es zu Handlungsunfähigkeit kommen.
  • Postmortal: Es ist möglich, Vollmachten zu erteilen, die erst nach dem Zeitpunkt des eigenen Todes gelten. Damit kann zum Beispiel geregelt werden, dass Hinterbliebene Bestattungskosten begleichen oder laufende Geschäfte vor der Regelung des Erbes abwickeln können, aber zu Lebzeiten noch keine Befugnisse haben.
  • Transmortal: Vollmachten, die zu Lebzeiten erteilt wurden, sollen auch über den Tod hinaus gelten, solche transmortalen Regelungen sind zum Beispiel bei Ehepartnern üblich. Das ersetzt aber kein Testament und die Bevollmächtigten dürfen nicht gegen Erbvorgaben handeln.

DHZ: Woher weiß ein Vermögensverwalterkunde, dass Sie wirklich wie besprochen handeln?

Kaim: Wir unterliegen strengen Dokumentationsvorgaben. Das heißt, es wird zum Beispiel genau festgehalten, welche Anlagerichtlinien mit dem Kunden vereinbart wurden. Zudem sind wir dazu verpflichtet, ihn mindestens vierteljährlich über die Vermögensentwicklung und unsere Entscheidungen zu informieren. Auf Wunsch informieren wir aber natürlich auch gerne in kürzeren Zeitabständen, denn Transparenz und Vertrauen haben bei uns höchsten Stellenwert.

DHZ: Was macht unabhängige Vermögensverwalter wie Sie zu einer besonders vertrauenswürdigen Wahl?

Kaim: Der Vermögenserfolg unserer Kunden ist unsere Geschäftsgrundlage. Denn anders als der klassische Bankkundenbetreuer müssen wir keine Konzernvorgaben erfüllen oder wie viele Versicherungsvertreter unser Gehalt durch möglichst hohe Produktprovisionen aufbessern. Kurz gesagt, wenn wir als Vermögensverwalter mehr verdienen wollen, muss das Vermögen und das Vertrauen unserer Kunden stetig wachsen.

Franz Kaim ist geschäftsführender Gesellschafter bei Kidron Vermögensverwaltung in Stuttgart.

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