Oberfranken -

Digitale Technologie Virtuell zur Virtuosität

In der Maler- und Lackiererwerkstatt der HWK für Oberfranken wird mit dem innovativem VR-Lackier-Training-System SIM-Spray gearbeitet. Die digitale Technologie spart Zeit und Material.

Die ersten Bewegungen sind zögerlich und gehemmt. Doch schon nach wenigen Minuten „lackiert“ Selina Irmer das Musterteil mit flüssigen und konstanten Zügen. Und hat bei der Arbeit vergessen, dass sie mit einem Simulationscomputer arbeitet, der die Lackierkabine und das zu lackierende Teil dank VR-Brille (virtuelle Realität) nur virtuell nachbildet.

Die Auszubildende zur Fahrzeuglackiererin übt am neuen SIM-Spray, einem aus Amerika stammenden, modernen Trainingscomputer für Lackanwendungen, den die Maler- und Lackiererwerkstatt an der HWK für Oberfranken seit diesem September im Einsatz hat. Für Ausbildungsmeister Siegfried Frank und sein Team ist der neue Kollege SIM-Spray eine Bereicherung. „Natürliche ersetzt der Simulationscomputer mit VR-Brille nicht das echte Lackieren in der Lackierkabine.“

Doch helfe das noch relativ neue System – die HWK für Oberfranken gehört zu einer der ersten Bildungseinrichtungen, die SIM-Spray im Einsatz haben – zum Beispiel Auszubildenden im ersten Lehrjahr, sich an die ersten Lackierungen heranzutasten. „Ohne zum Beispiel dabei viel Material zu verbrauchen.“ Das Trainingssystem ermöglicht zum Beispiel auch, mehr und intensiver zu üben. „Der Platz in einer Lackierkabine ist begrenzt. Mit dem Simulationscomputer haben wir eine weitere Möglichkeit, das Lackieren zu üben.“

SIM-Spray bildet mittels der VR-Brille und Technologie eine Lackierkabine nach und lässt ein aus einer Liste wählbares Lackierobjekt vor dem Auge des Übenden entstehen. Dieses muss dann virtuell möglichst perfekt lackiert werden. Das Trainingssystem gibt dabei durch optische Signale Hilfestellungen, die die Trainingseffekte ausmache – etwa ob der Abstand von der Lackierpistole zum Teil zu groß oder zu klein ist oder ob die Pistole korrekt im rechten Winkel zu dem Objekt gehalten wird. Und gleichzeitig werden in der Auswertung Fehler deutlich sichtbar gemacht. „Wir erreichen damit also schon ein Bewusstsein, auf welche Details es beim Lackieren ankommt. Und haben dann beim häufigeren Üben Lerneffekte.“

Gute Ergänzung des Ausbildungsangebots

Der Ausbildungsmeister ist von dem Simulationscomputer begeistert und übt auch selbst immer wieder virtuell damit. „Für geübte Lackierer ist es anfangs schon eine Umstellung, da die individuelle Handschrift, die jeder ausbildet, natürlich nicht eins zu eins anwendbar ist.“

Auch kann das Trainingssystem nicht jeden Parameter eines jeden Lackes – etwa das tatsächliche Deckvermögen, den Verlauf und den Glanzgrad – abbilden. Dennoch helfe die virtuelle Anwendung, sich die notwendigen Fertigkeiten anzueignen und zu vervollkommnen. „Daher ergänzt SIM-Spray unser Ausbildungsangebot perfekt.“ Das sieht auch Auszubildende Selina Irmer, die schon im dritten Lehrjahr ist, so. „Auch wenn es am Anfang ein Unterschied zur Lackierkabine ist. Das Üben mit dem Computer macht Sinn. Und vor allem auch viel Spaß.“

Info: Die Maler- und Lackiererwerkstatt im BTZ Bayreuth der HWK für Oberfranken wird in den kommenden Wochen weiter innovativ ausgestattet, erhält ein Whiteboard und neue Laptops. Aktuell prüft die HWK für Oberfranken zudem, ob das Trainingssystem SIM-Spray, das standardmäßig mit einer HVLP-Pistole (High Volume Low Pressure) ausgestattet ist, auch mit RP-Systems (reduced pressure) nutzbar ist.

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