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Alle Berufskrankheiten im Überblick Berufskrankheiten: Liste wächst um drei Krankheiten

1. Heller Hautkrebs

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Handwerker, die im Freien arbeiten, sind besonders gefährdet an hellem Hautkrebs zu erkranken. Hierzu zählen zum Beispiel Dachdecker, Zimmerleute, Bauarbeiter und Maurer. Da der helle Hautkrebs erst nach vielen Jahren auftritt, sind in der Regel eher ältere Menschen betroffen, oft Rentner. Schützen müssen sich jedoch auch junge Handwerker, die viel in der Sonne arbeiten.

Ursachen und Symptome des hellen Hautkrebses

Die Hauptursache für hellen Hautkrebs ist UV-Strahlung. Im Gegensatz zum schwarzen Hautkrebs, entsteht er nicht primär durch einen Sonnenbrand, sondern erst nach vielen Jahren Arbeit im Freien.

Heller Hautkrebs tritt in der Regel auf den sogenannten "Sonnenterassen" auf: Kopf, Hals, Dekolleté, Arme, Handrücken und Unterlippe. Er zeigt sich durch rötliche oder braune, raue, schuppende Hautveränderungen. Die Flecken werden einen Millimeter bis zwei Zentimeter groß.

Als Berufskrankheit zählt der helle Hautkrebs, wenn es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome handelt oder wenn Vorstufen, die aktinischen Keratosen, zahlreich oder flächig auftreten. Der behandelnde Hautarzt wird die Erkrankung dem zuständigen Unfallversicherungsträger melden, wenn er eine Berufskrankheit vermutet.

Wie kann man hellem Hautkrebs vorbeugen?

Wer an hellem Hautkrebs erkrankt, hat sehr gute Heilungschancen. Die Krankheit verläuft in der Regel nicht tödlich. Trotzdem sollte man sich schützen.

"Bei der Prävention ist erstmal wichtig, die Gefährdung durch die UV-Strahlung und die Entstehung des hellen Hautkrebses an die Unternehmer und die Mitarbeiter zu kommunizieren", sagt Gerald Wanka, Experte für Gesundheitsschutz bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Viele kennen diese Krankheit nicht und ihnen sei nicht bewusst, dass nicht nur ein Sonnenbrand gefährlich ist, so Wanka.

Der Experte hat mehrere Tipps parat, wie sich Handwerker bei der Arbeit im Freien verhalten sollten.

  1. Technische Schutzmaßnahmen: künstlich Schatten erzeugen; wenn möglich nicht direkt in der Sonne arbeiten
  2. Organisatorische Schutzmaßnahmen: Die UV-Strahlung ist in der Mittagszeit am größten. Daher sollten Arbeitszeiten im Freien, wenn möglich, auf früh morgens oder spät abends verlegt werden
  3. Persönlich Schutzmaßnahmen: Sonnenbrille, Kopfschutz und langärmelige Shirts und Hosen verwenden; Sonnencreme sollte nur für Gesicht, Hals und Hände nötig sein

2. Kehlkopfkrebs

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Von der Berufskrankheit Kehlkopfkrebs durch schwefelsäurehaltige Aerosole können Mitarbeiter betroffen sein, die langjährig mit Schwefelsäure gearbeitet haben. Die Säure wird zum Beispiel bei der Herstellung von Ethanol, zum Beizen von Metallen und für Bleiakkumulatoren benötigt und findet in der Farbstoff, Kunststoff und Sprengindustrie Verwendung. Besonders gefährdet sind Handwerker, die in der Metalloberflächenbehandlung (z.B. Handgalvanik) tätig sind.

Ursachen und Symptome des Kehlkopfkrebses

Kehlkopfkrebs betrifft ein bis zwei Prozent aller bösartigen Tumore in Deutschland. Männer erkranken häufiger daran als Frauen. Er macht sich zum Beispiel durch anhaltende Heiserkeit, Kratzen im Hals, Atembeschwerden oder Schluckstörungen bemerkbar machen. Die Symptome sind unterschiedlich, je nachdem, wo sich der Tumor genau befindet.

Als Ursachen für Kehlkopfkrebs gelten Zigarettenrauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und bestimmte Schadstoffe. Zu ihnen gehören neben Asbeststäuben auch schwefelsäurehaltige Dämpfe. Neu als Berufskrankheit anerkannt werden kann Kehlkopfkrebs, der entsteht, wenn Mitarbeiter mehr als fünf Jahre einer erhöhten Konzentration dieser Dämpfe ausgesetzt sind.

Wie kann man dem Kehlkopfkrebs durch Schwefelsäuredämpfe vorbeugen?

Eine gute Nachricht ist, dass Mitarbeiter nicht gefährdet sind, wenn der gesetzliche Arbeitsplatzgrenzwert für Schwefelsäure in der Luft eingehalten wird. In jedem Betrieb muss eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen werden. Das heißt, wenn Schwefelsäure nicht durch andere Stoffe ersetzt werden kann, muss geschaut werden, wo im Betrieb schwefelsäurehaltige Dämpfe entstehen und wie die Mitarbeiter geschützt werden können.

Die Schutzmaßnahmen werden aber gerade in kleinen Betrieben oft nicht richtig umgesetzt, darauf weist Dr. Daniela Pucknat, vom Präventionsdienst der Berufsgenossenschaft Holz und Metall hin.

Wichtig sei es, dass die Rangfolge der Schutzmaßnahmen eingehalten wird. Die technischen Maßnahmen haben Vorrang vor den organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen.

  1. Technische Schutzmaßnahmen: Dazu gehören zum Beispiel geschlossene Anlagen; das „Einhausen“ von Arbeitsbereichen, damit Dämpfe nicht in die Produktionshalle gelangen; das Abdecken von Becken und die Installation einer Absaugung, dort wo die Dämpfe entstehen.
  2. Organisatorische Schutzmaßnahmen schließen z.B. die Unterweisung der Mitarbeiter und das Aushängen einer Betriebsanweisung ein, worin informiert wird, welche Gefährdungen von dem Arbeitsplatz ausgehen und welche Schutzmaßnahmen eingehalten werden müssen.
  3. Persönliche Schutzmaßnahmen wie Schutzkleidung, Handschuhe und Schutzbrillen sind aufgrund der ätzenden Wirkung der Säure notwendig, schützen aber nicht die Atemwege. Atemschutzmasken müssen getragen werden, wenn die Grenzwerte für Schwefelsäure in der Luft überschritten werden. Diese sind aber nur für einen kurzen Zeitraum gedacht und kein Ersatz für eine Absaugung.

Die Mitarbeiter, so Pucknat, können auch durch ihr Verhalten dazu beitragen, dass sie möglichst wenig Schwefelsäuredämpfe einatmen. Beispielsweise sollte darauf geachtet werden, dass die Absaugung eingeschaltet ist, keine unnötigen Schwefelsäureaerosole erzeugt werden (z. B. bei Reinigungsarbeiten) oder sich der Atembereich nicht unmittelbar über der Entstehungsstelle befindet.

3. Carpaltunnel-Syndrom

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Gefährdet am Carpaltunnel-Syndrom (CTS) zu erkranken sind Arbeiter, die mit ihren Händen täglich über einen langen Zeitraum dieselbe Tätigkeit ausüben. Dies sind zum Beispiel Maurer beim Steine setzen, Fliesenleger, Dachdecker, Gerüstbauer, Bäcker beim Teigkneten oder Friseure. Das Alter spielt nur eine untergeordnete Rolle. Sowohl junge ungeübte Arbeiter können durch die ungewohnten Tätigkeiten überbeansprucht werden, als auch ältere Menschen durch altersbedingte Gewebeveränderungen anfällig werden.

Ursachen und Symptome des Carpaltunnel-Syndroms

Das CTS ist mit Abstand das häufigste Nervenengpasssyndrom. Es entsteht, wenn Nerven der Hand und der Finger im Bereich des Handgelenks durch kurzzeitige oder lang andauernde mechanische Druckeinwirkung geschädigt werden. Als Auslöser der Krankheit gelten drei Tätigkeiten:

  1. sich wiederholende Arbeitsschritte, bei denen der Arbeiter immer wieder seine Hände beugen und strecken muss
  2. erhöhter Kraftaufwand der Hände, z.B. wiederholtes kraftvolles Greifen
  3. Arbeit mit handgeführten vibrierenden Maschinen, Instrumenten

Die Krankheit zeigt sich in der Regel durch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern. Oft schlafen die Finger vom Daumen bis zum Ringfinger ein. Schmerzen treten insbesondere nachts und in Ruhe auf. Wer etwa vier Stunden am Tag dieselbe belastende Handbewegung ausführt und dies über einen Zeitraum von einem Jahr, ist besonders gefährdet an dem Syndrom zu erkranken.

Wie kann man dem Carpaltunnel-Syndrom vorbeugen?

Da es viele Auslöser für das CTS gibt, gibt es auch unterschiedliche Präventionsmaßnahmen. Ulrike Hoehne-Hückstädt, Expertin von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, rät zu einer durchdachten Arbeitsorganisation: "Arbeiter sollten regelmäßige Tätigkeitswechsel planen und zum Beispiel die Pausenzeiten so gestalten, dass keine Überlastung entsteht." Als weitere Tipps empfiehlt sie vibrationsgedämpfte Maschinen mit vibrationsgedämpften Handgriffen, ergonomisch gutes Werkzeug und sorgfältige Auswahl geeigneter, notwendiger Handschuhe.

4. Hypothenar-Hammer-Syndrom und Thenar-Hammer-Syndrom

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Das Syndrom kann in allen Handwerksberufen auftreten. Gefährdet sind zum Beispiel Dachdecker und Zimmerleute, die ihre Hand als Schlagwerkzeug benutzen, Kfz-Mechaniker, die durch Schläge mit ihrer Hand festsitzende Muttern lösen, Radkappen montieren oder Karosserieteile ausbeulen, Installateure, Schreiner, Fußbodenverleger, Mechaniker und Elektriker.

Ursachen und Symptome des Hypothenar-Hammer-Syndroms und Thenar-Hammer-Syndroms

Das Hypothenar-Hammer-Syndrom und das Thenar-Hammer-Syndrom sind Gefäßschädigungen der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung. Da die Symptome erst Monate oder Jahre nach der auslösenden Einwirkung auftreten können, ist es oft schwierig nachzuweisen, welche Tätigkeit genau dafür verantwortlich war. Vor allem zwei Tätigkeiten gelten als Ursache:

  1. wenn die Hand, Handkante oder der Kleinfingerballen als Schlagwerkzeug verwendet wird
  2. bei direkter mechanischer Gewalteinwirkung, zum Beispiel beim Rückstoß einer handgeführten Maschine

Der Verdacht auf eines dieser Syndrome liegt nahe, wenn der Arbeiter nach einem kräftigen Schlag mit der Hand gegen einen Schraubenschlüssel Schmerzen, zunehmendes Kältegefühl und eine Blaufärbung am Ringfinger hat.

Wie kann man den Syndromen vorbeugen?

Die einfachste Präventivmaßnahme ist, laut Hoehne-Hückstädt, seine Hand nicht als "Ersatz-Hammer" einzusetzen, sondern richtiges Werkzeug zu verwenden. Aber auch hier helfen Maschinen mit ergonomischen, weichen Handgriffen und Handschuhe beim Benutzen von Maschinen. jb/sg/ bst

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 17. Juli 2017.

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