Testberichte -

Transporter ab sofort im Handel erhältlich Der neue VW Crafter (2016) im ausführlichen Test

Der neue VW Crafter ist seit März 2017 im Handel erhältlich. Neben einem neuen Design gab es gegenüber dem alten Modell mehr Ladevolumen und einige moderne Assistenzsysteme. Inzwischen sind fast alle Varianten auf dem Markt. Was kann der Transporter? Die DHZ hat den neuen VW Crafter ausführlich getestet und Probe gefahren.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Auto: Themen rund ums Fahrzeug

Bereits seit März 2017 steht der neue Crafter bei deutschen VW-Händlern auf dem Hof und in den Verkaufshallen (Verkaufsstart: 10. März 2017). Auch in Österreich, Polen und Großbritannien sowie in 23 weiteren europäischen Märkten ist der Transporter verfügbar. Seit Herbst 2017 stehen zudem zahlreiche neue Varianten zum Verkauf. Insgesamt bietet VW nun 69 Modelle seines Crafters an.

"Es ist der beste Crafter den es je gab", heißt es bei Volkswagen über den neuen Transporter. Mit dieser Aussage setzt sich VW selbst unter Druck. Denn der neue Crafter muss ein Erfolg werden. Immerhin hat VW den 3,5-Tonner vom ersten Zeichenstrich auf dem Reißbrett an neu entwickelt und erstmals auf die Kooperation mit Mercedes verzichtet. Zudem errichtete der Konzern im polnischen Wrzesnia ein neues Werk mit rund 3.000 Mitarbeitern. Dort läuft der Transporter nun vom Band.

Mehr Nutzlast und ein größeres Ladevolumen bei weniger Verbrauch, moderne Assistenzsysteme und maximale Alltagstauglichkeit. All das verspricht VW mit dem neuen Crafter. Doch wie vielseitig ist der Transporter wirklich? Die DHZ hat den Test gemacht und ist den Crafter Probe gefahren.

VW Crafter bekommt ein modernes Gesicht

VW verpasst dem Crafter durch ein neues Design-Konzept ein moderneres Gesicht. Bereits auf den ersten Blick sieht man dem Crafter das - gegenüber dem Vorgänger - deutlich innovativere Design an. Von Grund auf neu ist die Frontpartie des 3,5-Tonners. Der breite Kühlergrill mit chromverzierten Querlamellen geht nahtlos in die gradlinig ansteigende Front über. Die weitläufigen LED-Scheinwerfer sowie die stromlinienförmigen Kanten auf der Motorhaube sorgen für das aktuelle Markendesign von Volkswagen.

Ein positiver Nebeneffekt des neuen Designs: Der Crafter erreicht mit einem cW-Wert von 0,33 den besten Strömungswiderstand in seiner Klasse.

Mehr Ladevolumen und höhere Nutzlast

Neben der neuen Front hat VW auch die Außenmaße des Crafter optimiert. Der Crafter bietet künftig also mehr Platz für Ladung. Der Kastenwagen erzielt ein Ladevolumen von 11,3 bis zu 18,4 Kubikmetern. Und auch die Pritschen-Variante braucht sich mit einer Ladefläche von 5,5 Quadratmetern nicht zu verstecken.

Zur Wahl stehen dem Kunden insgesamt vier Grundmodelle (Kastenwagen, Kombi, Pritsche mit Einzel und Doppelkabine). Zudem gibt es drei Fahrzeuglängen (5.983 mm, 6.833 mm und 7.388 mm) sowie drei Dachhöhen (2.340 mm, 2.575 mm und 2.800 mm). Je nach Fahrzeuggröße liegt die maximale Länge des Laderaums bei bis zu 4.855 mm und die Breite zwischen den Radkästen bei 1.3800 mm. Konkret heißt das: In den größten Crafter können bis zu sechs Europaletten (1,20m x 0,80m) oder vier Euro-3 Paletten (1,0m x 1,20m) verfrachtet werden. Gegenüber einem Heck- oder Allradantrieb verfügt der Frontantrieb über mehr Laderaum - die Ladeschwelle liegt 10cm niedriger.

In diesen Varianten, Höhen  und Längen gibt es den neuen Crafter

Variante Höhe Länge
Kastenwagen 2.340 mm, 2.575 mm und 2.800 mm 5.986mm, 6.836mm, und 7.391mm
Kombi 2.340 mm, 2.575 mm und 2.800 mm 5.986mm und 6.836mm
Pritsche, Einzelkabine keine 6.204mm, 7.004mm und 7.404mm
Pritsche Doppelkabine keine 6.204mm und 7.004mm

Ob Pritsche oder Kastenwagen: Innenraum bietet reichlich Stauraum und Funktionalität

Im Innenraum des neuen Crafter achtet VW vor allem auf Funktionalität. Dem Kunden werden zahlreiche Ablagemöglichkeiten und Staufächer geboten, sodass im Alltag alles Notwendige problemlos unterzukriegen ist (Im Test: Kastenwagen mit Hochdach und Pritsche mit Doppelkabine). Neben mehreren rutschfesten Ablagen für Smartphones, Werkzeug und Ordnern gibt es unter der Doppelsitzbank für Beifahrer zudem weiteren Platz. Der Pritschenwagen mit Doppelkabine bietet nicht nur für insgesamt sieben Insassen Platz, sondern hat unter der hinteren Sitzreihe (vier Personen) ebenfalls noch Stauraum.

Die klar strukturierten Armaturen des neuen Crafter hat VW übersichtlich neben bzw. unter das großzügige Touchdisplay (Navigationssystem) in der Mitte des Armaturenbretts platziert. Um schnelle Einstellungen vornehmen zu können, stehen dem Fahrer außerdem Bedienknöpfe am Lenkrad zur Verfügung. Serienmäßig gibt es im Crafter zudem noch einen USB-Anschluss (bis auf drei erweiterbar), zwei 12 Volt-Anschlüsse sowie zwei Kartenslots für SD-Karten

Interieur aus robustem Kunststoff

Bei der getesteten Grundausstattung (Pritsche) fehlen die Bedienelemente am Lenkrad jedoch gänzlich. Hier wirkt der Innenraum auch für ein Nutzfahrzeug eher spartanisch. Ein Vorteil: Das robuste Kunststoff-Interieur lässt sich auch bei gröberen Verschmutzungen leicht reinigen.

Einen guten Eindruck hinterlässt der bequeme Fahrersitz. Dieser ist auf Wunsch sogar als Schwingsitz mit AGR-Zertifikat (Aktion Gesunder Rücken) erhältlich. Lkw-Feeling im Transporter! Ein kleines Minus bekommt der Crafter bei den Pedalen. Hier könnte etwas mehr Platz zwischen Gas, Bremse und Kupplung sein. Zwar machten sich im Test keine Probleme bemerkbar, mit klobigen Arbeitsschuhen könnte dies jedoch anders aussehen.

Mehr Ladevolumen, neues Design und moderne Technik: Der neue VW Crafter im Detail

Von ACC bis Lane Assist - Neuer Crafter hat zahlreiche Fahrassistenzsysteme an Bord

In Sachen Assistenzsysteme hat die sechste Generation des Crafter so einiges zu bieten. Dank der in dieser Fahrzeugklasse erstmals eingebauten elektronischen Lenkung verfügt der Crafter gleich über eine Vielzahl nützlicher Helfer.

Besonders überzeugend im Test: Der Park-Lenk-Assistent (Park Assist). Aktiviert der Fahrer diesen Assistenten und fährt an einer passenden Parklücke vorbei, erkennt das System die Lücke und zeigt dies im Display an. Nun legt man den Rückwärtsgang ein, nimmt die Hände vom Lenkrad und den Rest erledigt der Crafter von ganz allein. Laut Volkswagen lässt sich so die größte Crafter-Version (7,39 Meter) sogar in eine Parklücke von nur 8,39 Meter Länge einparken. Das größte Problem hierbei: Eine Parklücke mit 8,39 Meter finden.

Moderne Technik: So funktioniert der Einpark-Assistent im neuen Crafter

Der Einpark-Assistent im neuen Crafter parkt den 7,39 Meter langen Transporter selbstständig ein.

"Trailer Assist": Anhänger mit Hilfe eines Joysticks rangieren

Neben dem Park Assistenten verfügt der Crafter auch über den sog. "Trailer Assit". Dieser hilft beim Rangieren mit dem Anhänger. Im Display wird während des Parkvorgangs immer der "Ist"- und der "Soll"-Zustand des Anhängers angezeigt. Mit Hilfe eines Joysticks rangiert der Fahrer dann den Anhänger punktgenau in die Parklücke.

Doch damit nicht genug: Zudem hat der Crafter unter anderem auch noch einen Spurhalteassistenten, die automatische Distanzregelung ACC (adaptive cruise control), ein Notbremssystem, einen Seitenwindassistenten und eine Rückfahrkamera mit an Bord. Außerdem wurde eigens für den neuen Crafter ein sensorbasierter Flankenschutz entwickelt. Damit gehören Dellen in den Seitenwänden der Vergangenheit an. Noch nie gab es so viele elektronische Assistenten in der Aufpreisliste eines Nutzfahrzeugs.

Gutes Fahrverhalten und angemessener Verbrauch

All diese Assistenzsysteme machen das ohnehin schon angenehme Fahrgefühl im Crafter noch komfortabler. Der Transporter verfügt über ein gutes Handling, die Lenkung reagiert direkt und präzise. Besonders im Stadtverkehr ist dies sehr hilfreich.

Bei der Motorisierung bietet VW drei Varianten seines 2.0l TDI-Motors an. Neben dem Top-Diesel mit 177 PS stehen noch ein 140 PS und ein 102 PS Aggregat zur Wahl. Vor allem der mittlere Motor überzeugt im Test durch Leistung und Verbrauch. Auch beladen (550 Kilogramm), bleibt der Transporter agil und geht dennoch einigermaßen sparsam mit dem Diesel um. Volkswagen gibt den Verbrauch mit 7,4 Litern auf 100 Kilometern an. Im Test lag der Verbrauch bei einer Fahrt über Land mit 9,1 Litern jedoch deutlich über diesem Bereich.

Der neue Crafter im VW Trailer

Laut VW ist es der "beste Crafter aller Zeiten." Der neue Crafter im Trailer von Volkswagen.

Crafter kommt mit 6-Gang Schaltgetriebe oder 8-Gang-Automatik auf den Markt

Beim Getriebe bietet VW neben dem 6-Gang Schaltgetriebe auch eine Automatikversion mit acht Gängen an. Wie bei allen modernen Autos üblich, gibt es beim Automatikgetriebe keinerlei Probleme. Es schaltet schnell und exakt durch die Gänge und sorgt so auch bei steilen Bergpassagen für kontinuierlichen Vortrieb.

Beim Antrieb beschränkte sich VW zum Verkaufsstart zunächst auf den Frontantrieb. Inzwischen ist der Crafter auch mit Heck und Allradantrieb zu haben. Den Frontantrieb gibt es übrigens erstmals auch mit Quermotor und 8-Gang-Wandlerautomatik.

In diesen Motor- und Getriebevarianten gibt es den neuen Crafter

Motor Antrieb und Getriebe Höchstgeschwindigkeit Kastenwagen Höchstgeschwindigkeit Doppelkabine
2.0 TDI 75 kW (102 PS) Fronantrieb, 6-Gang-Schaltung 141 km/h 134 km/h
2.0 TDI 103 kW (140 PS) Frontantrieb, 6-Gang-Schaltung oder Automatik 158 km/h (Schaltung), 155 km/h (Automatik) 149 km/h, 147 km/h
2.0 BiTDI 130 kW (177 PS) Frontantrieb, 6-Gang-Schaltung oder Automatik jeweils 165 km/h 161 km/h, 158 km/h

Einstiegspreis liegt deutlich unter dem des Vorgängers

Der Einstiegspreis für das Basismodell mit 102 PS und mittellangem Radstand (3.640mm) sowie Hochdach liegt mit knapp 30.000 Euro netto rund 2.000 Euro unter dem des Vorgängers. Das Motor-Start-Stop-System oder auch der Seitenwindassistent sind hier in der Grundausstattung enthalten.

Wer jedoch die elektronischen Helfer oder weitere Sonderausstattungen haben möchte, muss hier schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Für den Anhänger-Assistenten und den Einparkassistenten werden zusammen 1.320 Euro netto fällig. Wer das Fahrkontrollsystem ACC haben möchte, muss nochmals 955 Euro netto ausgeben.

Test-Fazit

Besonders überzeugend ist der neue Crafter in Sachen Ladevolumen. Hier ist es VW gelungen, das Maximum aus dem Crafter herauszuholen.

Das Handling des Transporters ist auf allen Straßen angenehm, direkt und komfortabel. Auch in Sachen Motorisierung und Verbrauch, braucht sich der Crafter nicht zu verstecken. Das 2.0l TDI-Aggregat ist zwar immer zu hören und wird gerade auf der Autobahn lauter, der Geräuschpegel bleibt allerdings in einem annehmlichen Bereich.

Die vielen Pluspunkte des neuen Crafter wiegen die wenigen Schwächen, wie beispielsweise die engen Pedale, bei weitem wieder auf. Der größte Pluspunkt: Die Fahrassistenz-Systeme. Auch wenn sich diese doch deutlich auf den Geldbeutel auswirken, sind sie im Arbeitsalltag von Handwerkern oder Kurierfahrern echte Hilfen, die Zeit und Stress sparen. end/fre

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